Boxer Usyk bei Ukrainekrieg im Einsatz »Bitte lass mich keinen anderen Menschen erschießen«

Im September wurde er Schwergewichtsweltmeister in London, wenig später kämpfte er in der Ukraine gegen Putins Truppen. Den Rückkampf gegen Anthony Joshua will Oleksandr Usyk seinen Freunden an der Front widmen.
Oleksandr Usyk auf einer Pressekonferenz in London: Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift »Farben der Freiheit« in Blau-Gelb, den Farben der ukrainischen Flagge

Oleksandr Usyk auf einer Pressekonferenz in London: Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift »Farben der Freiheit« in Blau-Gelb, den Farben der ukrainischen Flagge

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Alex Pantling / Getty Images

Vor mehr als 60.000 Zuschauern besiegte Oleksandr Usyk im vergangenen September Lokalmatador Anthony Joshua im Tottenham Hotspur Stadium. Was er danach abseits des Boxrings in seiner Heimat erlebte, schilderte der ukrainische Schwergewichtsweltmeister während seines erneuten Aufenthalts in London, wo er in dieser Woche den Rückkampf am 20. August in Saudi-Arabien promotet hatte. 

»Jeden Tag, den ich dort war, betete ich und bat: ›Bitte, Gott, lass nicht zu, dass jemand versucht, mich zu töten. Bitte lass nicht zu, dass jemand auf mich schießt. Und bitte lass mich keinen anderen Menschen erschießen‹«, wird Usyk im britischen »Guardian«  zitiert. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar habe sich der Boxer demnach in Kiew den Territorial Defense Battalions angeschlossen. Während er mit einem Maschinengewehr durch die Straßen patrouilliert sei, habe ihn das Grauen gepackt.

Die »Territorial Defense«, zu der das Bataillon in Kiev gehört, ist eine landesweit organisierte Formation von Freiwilligen, die vor allem an Checkpoints stehen, in letzter Zeit vermehrt auch zu Kampfeinsätzen geschickt wurden. Sie ist staatlich organisiert.

Training wieder aufgenommen

Im März habe er den Krieg verlassen, um sein Training in Polen wieder aufzunehmen. Laut CNN  habe er dafür eine Erlaubnis des ukrainischen Sportministers erhalten. Eigentlich dürfen seit Beginn der russischen Invasion Männer zwischen 18 und 60 die Ukraine nicht mehr verlassen.

Zunächst habe er gezögert, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Erlebnis in einem Kiewer Krankenhaus habe ihn umgestimmt. Die verletzten Soldaten dort hätten ihn gebeten, »für das Land zu kämpfen«.

Der 35-Jährige fügte hinzu, dass er sich nach seiner Rückkehr nicht mehr an Einsätzen beteiligen werde. Er wisse, dass man jemanden, der so berühmt sei wie er, nicht an die Front lasse. »Ich weiß, dass viele meiner Freunde, die mir sehr nahestehen, gerade an der Front sind und kämpfen. Was ich im Moment tue, ist, sie zu unterstützen. Mit diesem Kampf wollte ich ihnen zwischendurch eine Art Freude bereiten«, sagte Usyk Reuters zufolge.

Für Usyk war der Erfolg über Joshua der 19. Sieg im 19. Profikampf. Von 2014 bis 2018 war er bereits Weltmeister im Cruisergewicht gewesen. Usyk hatte vor seiner Profikarriere 350 Amateurkämpfe bestritten, von denen er nur 15 verlor.

ngo/Reuters
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