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11. Juli 2011, 16:32 Uhr

Bundestrainerin in der Kritik

Vater von Birgit Prinz fordert Neid-Rücktritt

Der Vater von Birgit Prinz hat Bundestrainerin Silvia Neid Fehler in ihrer Arbeit vorgeworfen und ihr zum Rücktritt geraten. Seine Tochter widersprach ihm zwar, doch die kritischen Stimmen gegen Neid mehren sich.

Hamburg - Nun wird das WM-Aus zur Familienangelegenheit: Stefan Prinz, Vater von Rekordnationalspielerin Birgit, hat die Bundestrainerin Silvia Neid heftig kritisiert und zum Rücktritt aufgefordert. "Silvia Neid hat das Ganze alleine zu verantworten. Sie hat von Anfang an versucht, junge und ältere Spielerinnen gegeneinander auszuspielen und hat dadurch die Spielerinnen sehr verunsichert", sagte er im "hr-Radio".

Laut Stefan Prinz habe Neid seine Tochter in der sportlichen Krise fallen lassen. Die 33-Jährige habe nach ihrer Degradierung selbst das Gespräch mit der Trainerin suchen müssen. "Das ist für mich einer der Gründe, warum das Ganze kaputt gegangen ist", sagte Stefan Prinz. "Die Frau ist nicht in der Lage, ein Team zu führen. Und es wäre klug, wenn sie einen Strich darunter ziehen würde."

Seine Tochter Birgit distanzierte sich in einer DFB-Erklärung von den Äußerungen. "Es ist nicht richtig, jetzt einer Person die Schuld zu geben", sagte Birgit. "Es wäre nicht mein Stil, mich öffentlich so zu äußern, und ich finde es inhaltlich auch falsch, die Dinge so undifferenziert darzustellen."

Doch nach dem WM-Aus im Viertelfinale gegen Japan haben sich weitere Kritiker gefunden, die sich öffentlich äußern. Siegfried Dietrich sagte: "Silvia Neid muss sich tatsächlich hinterfragen. Es war sicher nicht clever, im Viertelfinale gegen Japan auf eine derartige Gallionsfigur wie Birgit Prinz zu verzichten. Sie hätte den Japanerinnen sicher Angst eingeflößt. Das Lira Bajramaj ebenfalls nicht zum Zug kam, hat der Mannschaft nicht geholfen." Eine erwartbare Äußerung, spielen die Genannten doch beim 1. FFC Frankfurt, wo Dietrich Manager ist.

Auch DFB-Vizepräsident Rolf Hocke hat an der Arbeit der Bundestrainerin etwas auszusetzen. "Letztlich muss sich auch Silvia Neid bestimmte Fragen gefallen lassen. Dass da am Ende nichts Zählbares rausgekommen ist, ist eine Enttäuschung - das ist sogar beängstigend", sagte er der "Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen"-Zeitung.

Neid selbst hatte in der Debatte um ihre Person gesagt, dass sie "überhaupt keine Motivationsprobleme hat". Die 47-Jährige hatte ihren Vertrag erst vor der Weltmeisterschaft vorzeitig bis 2016 verlängert.

leh/sid

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