Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Verfassungsbeschwerde von Claudia Pechstein wegen Dopingsperre erfolgreich

Die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein kämpft um Schadensersatz für ihre zweijährige Dopingsperre. Das Bundesverfassungsgericht hat mit einer Entscheidung jetzt den Weg für ihren Prozess freigemacht.
Claudia Pechstein

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Foto: Sven Hoppe / picture alliance / dpa

Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein bekommt doch noch eine Chance, wegen ihrer zweijährigen Dopingsperre Schmerzensgeld und Schadensersatz durchzusetzen. Das Bundesverfassungsgericht hat ein Urteil des Bundesgerichtshofes von 2016 aufgehoben, wie es am Dienstag in Karlsruhe mitteilte. Pechsteins Prozess gegen die Internationale Eislauf-Union (ISU) kann damit vor dem Münchner Oberlandesgericht fortgesetzt werden.

Mit heute veröffentlichtem Beschluss  hat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts einer Verfassungsbeschwerde wegen Verletzung des Justizgewährungsanspruchs stattgegeben.

Pechstein hatte bereits 2013 gegen den Internationalen und den Deutschen Eisschnelllauf-Verband auf Schadensersatz und Schmerzensgeld für ihre zweijährige Dopingsperre von 2009 bis 2011 geklagt. Der Grund für die Sperre waren erhöhte Blutwerte, die sie auf eine von ihrem Vater vererbte Anomalie zurückführte. Dies war von führenden Hämatologen bestätigt worden. Pechstein hält ihre Unschuld deshalb für erwiesen und will dies auch gerichtlich dokumentiert wissen. Ihr Ziel ist auch eine Revolution der Gerichtsbarkeit in diesem Bereich, um zukünftig Sportlerinnen und Sportlern zu ermöglichen, zivilrechtlich gegen den Internationalen Sportschiedsgerichtshofs in Lausanne (Court of Arbitration for Sports − Cas) vorgehen zu können.

Die Sperre war damals vom Internationalen Sportgerichtshof Cas bestätigt worden, wogegen Pechstein klagte. Letztlich versetzte das BGH-Urteil 2016 Pechstein in ihrem Kampf einen herben Rückschlag. In der Urteilsbegründung hatte eine von Pechstein unterzeichnete Schiedsvereinbarung mit dem Internationalen Eisschnelllaufverband ISU die entscheidende Rolle gespielt. Der BGH erkannte die Entscheidung zur Sperre von Pechstein durch das Verbandsgericht des ISU an, anders als das OLG München in einem Zwischenurteil aus dem Jahr 2015. Pechstein reichte daraufhin Verfassungsbeschwerde ein.

Die Richter und Richterinnen in Karlsruhe stellten zum BGH-Urteil von vor sechs Jahren jetzt fest: »Die angegriffene Entscheidung des Bundesgerichtshofs verletzt die Beschwerdeführerin in ihrem Justizgewährungsanspruch aus Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 20 Abs. 3 Grundgesetz (GG). Der Bundesgerichtshof hat die Bedeutung des Anspruchs auf Öffentlichkeit des Verfahrens verkannt.«

vgl/dpa/sid

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