DER SPIEGEL

Klippenspringerin Schmidbauer Gestrandet in Neuseeland

Deutschlands beste Klippenspringerin Iris Schmidbauer wollte eigentlich nur einen Winter in Neuseeland verbringen. Dort wurde sie vom Corona-Lockdown überrascht und blieb. Doch jetzt geht ihr das Geld aus.
Ein Video von Eckhard Klein

Das sieht Deutschlands beste Klippenspringerin, wenn sie aus dem Fenster ihrer Wohnung schaut. Und so ist die Aussicht vom Balkon. Eine traumhafte Umgebung – aber bleiben will Iris Schmidbauer hier nicht mehr lange.

Iris Schmidbauer Klippenspringerin »Schon Heimweh. Und ich hoffe dann, dass ich schon mal wieder nach Hause komme. Und sich die Lage etwas ändert. Mal schauen.«

Iris Schmidbauers Geschichte mit Neuseeland beginnt Ende 2019: Die Klippenspringer-Weltmeisterschaftsserie war vorbei, in der Winterpause wollte die 26-Jährige ihren Urlaub am anderen Ende der Welt verbringen. Dass sie anderthalb Jahre hierbleibt, war nie geplant. Doch dann kam Corona, Neuseeland ging in den Lockdown, Schmidbauer verpasste die Chance zur Rückreise nach Deutschland. So ist sie nach 18 Monaten immer noch dort. Den zweimonatigen harten Lockdown mit strengen Ausgangssperren fand sie schrecklich. Sie habe sich sehr einsam gefühlt. Jetzt aber gibt es kaum noch Einschränkungen.

Iris Schmidbauer Klippenspringerin »Innerhalb von Neuseeland ist alles ganz normal. Ich glaube, wenn man öffentliche Verkehrsmittel benutzt, muss man oder es ist empfohlen, eine Maske zu tragen. Aber ansonsten haben wir gar keine Einschränkungen: Nachtleben, Kinos, Bars, Festivals – das ist alles am Start.«

Die Klippenspringerin ist am anderen Ende der Welt hängengeblieben – zu ihrem Glück. Denn als sich Neuseeland im Juni 2020 für pandemiefrei erklärte, hatte sich Iris Schmidbauer ein Leben in der Ferne aufgebaut: Wohnung, Arbeit, Training – alles stimmte. Seit einiger Zeit lebt sie in Auckland in einer WG und beim »Auckland Dive Team« hat sie gute Trainingsmöglichkeiten . Trockentraining, Gewichte stemmen und natürlich Sprünge aus großer Höhe.

Iris Schmidbauer Klippenspringerin »Trainingsmäßig trainiere ich hier ganz normal. Sozusagen als Wasserspringer mit dem neuseeländischen Wasserspring-Team: Also von zehn Metern. Das ist jetzt nichts Spezielles für High Diving oder Cliff Diving. Und hier gibt's auch sonst niemanden, der das macht.«

Der Sport ist nur mit großem Aufwand zu betreiben. Man kann nicht einfach so von einer Klippe springen. Zuvor gibt es einiges zu beachten: Felsenhöhe, Wassertiefe. Zur Sicherheit müssen Taucher und Rettungsschwimmer mit im Wasser sein, die bei einem Unfall sofort Hilfe leisten könnten. Neben dem Training jobbte Schmidbauer, die aus dem bayrischen Pähl stammt, anfangs als Massagetherapeutin. Aber ihre Arbeitserlaubnis ist mittlerweile ausgelaufen. Nun wird es schwierig – das unverhoffte neue Leben in der Ferne könnte bald zuende gehen.

Iris Schmidbauer Klippenspringerin »Ich war zuerst schon auf einem Work and Holiday-Visa und habe auch gearbeitet. Aber das haben sie mir nicht verlängert. Und das andere Visum, auf das ich mich beworben habe, haben sie mir leider bislang noch nicht ausgestellt. Ich habe das Gefühl, aufgrund von Corona wollen sie momentan keine Visa ausstellen.«

Solange bis über Ihr neues Visum entschieden wird, hält sich Schmidbauer mit einem Überbrückungsvisum in Neuseeland auf. Doch langsam geht das Geld aus. Noch unterstützen sie die Großeltern finanziell. Auf Dauer kann das aber nicht so weitergehen. So denkt sie ernsthaft darüber nach, den Sport aufzugeben - und sich in Deutschland einen regulären Job zu suchen.

Iris Schmidbauer Klippenspringerin »Obwohl ich jetzt Weltmeisterschaften und World Cups springe für Deutschland – zum Beispiel im letzten World Cup bin ich Fünfter geworden, war auch die Beste aus Europa – habe ich halt leider gar keine Sponsoren und bekomme auch jetzt keine Unterstützung vom Deutschen Schwimmverband oder der Deutschen Sporthilfe. Gerade auch jetzt, wo wir keine Wettkämpfe haben und kein Preisgeld. Es ist halt ein teures Hobby. Ich muss ja auch für mein Training bezahlen.«

Im Juni soll in Frankreich die Cliff Diving World Series 2021 beginnen, doch sicher ist das nicht. Einen Flug hat sie bislang nicht gebucht. Aber eines ist ihr klargeworden: Auch wenn sie in Auckland viele Freunde gefunden hat und sich sehr wohlfühlt, will sie auch ohne Wettkämpfe recht bald zurück nach Deutschland. Sie hat Heimweh – und vermisst die bayerische Küche und die Bäckereien.

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