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RADRENNEN »Dann wäre Schluss«

Rolf Aldag, 38, T-Mobile-Sportchef, über die Saison nach dem Doping-Skandal um Jan Ullrich
aus DER SPIEGEL 12/2007

SPIEGEL: Herr Aldag, der Klassiker Mailand-San Remo am Samstag ist die erste richtige Bewährungsprobe für Ihr neues Team. Was erwarten Sie von den Fahrern?

Aldag: Dass alle auf der Via Roma ankommen und ihnen der Schnodder aus der Nase hängt, so kaputt sind sie. Wenn unser schnellster Mann als Neunter ins Ziel kommt, ist das kein Beinbruch, dann sind wir eben nicht besser.

SPIEGEL: Trauen Sie Ihrem Sport noch?

Aldag: Die Situation ist verworren und uneins. Es gibt einen Haufen Akten, es ist klar, da ist was gewesen, aber niemand weiß die ganze Wahrheit. Deshalb ist es ja auch so schwer, etwa über Ivan Basso zu richten. Er ist einer der Hauptbeschuldigten, darf aber fahren. Es gibt 30, vielleicht 40 verdächtige Fahrer, und keiner weiß wirklich: Haben die betrogen? Oder nicht? Es ist absurd.

SPIEGEL: Vorige Woche haben die Fahrer vor dem Start von Paris-Nizza mit einer Schweigeminute gegen den Ermittlungsstopp der spanischen Justiz protestiert. Was halten Sie von der Aktion?

Aldag: Es ist gut, dass die Fahrer etwas gemacht haben. Über die Form kann man streiten, aber was für Mittel gibt es? Soll das Team T-Mobile sagen: Gegen Basso fahren wir nicht? Dann bestrafen wir die Falschen: unsere Fahrer.

SPIEGEL: Was hieße es, wenn einer Ihrer Fahrer des Dopings überführt würde?

Aldag: Ein Einzeltäter, der bewusst manipuliert hat, wird fristlos entlassen und ist regresspflichtig. Wenn herauskäme, dass im Team organisiert gedopt wird, hätte die ganze Sache keinen Sinn mehr. Dann wäre Schluss für mich, der Radsport in Deutschland wäre kaputt.

SPIEGEL: Legen Sie für Ihre Fahrer die Hand ins Feuer?

Aldag: Das ist immer schwierig. So wie ich die Fahrer im Moment kenne, bin ich überzeugt, dass alle sauber fahren.

SPIEGEL: Wie gut kennen Sie sie denn?

Aldag: Schon ziemlich gut. Aber es gibt auch Fahrer, die habe ich in diesem Jahr erst an drei Tagen gesehen.

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