Geheimfavorit de Sousa bei der Darts-WM Rechnen kann er nicht, aber siegen

José de Sousa hat sich keinen großen Titel zugetraut – bis ein Starspieler ihm sagte, dass er der Beste der Welt sei. »The Special One« könnte die WM gewinnen, falls er sich nicht zu oft verzählt.
José de Sousa: Er zögerte lange, sich als Profi zu versuchen

José de Sousa: Er zögerte lange, sich als Profi zu versuchen

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Alex Davidson / Getty Images

José de Sousas geballte Fäuste schnellten Richtung der eigenen Schläfen. Als er sein Gesicht ein paar Sekunden später den Fernsehkameras zeigte, hatte der Portugiese Tränen in den Augen. »The Special One« hatte soeben 158 Punkte auf null gebracht und den Grand Slam of Darts, sein erstes Major-Turnier, auf beeindruckende Weise gewonnen. Vielleicht wurde ihm in diesem Moment zum ersten Mal wirklich bewusst, dass seine Konkurrenten recht gehabt hatten: Er ist tatsächlich so gut.

So gut, dass er in diesem Jahr bei der WM zu den Geheimfavoriten gehört.

De Sousa ist relativ spät bei der Professional Darts Corporation (PDC) durchgestartet. Obwohl der 46-Jährige die elektronische Darts-Szene auf der iberischen Halbinsel über viele Jahre dominierte, zögerte er lange, sich als Profi zu versuchen. 2012 qualifizierte sich de Sousa als Sieger eines regionalen Turniers ein erstes Mal für die WM, verlor allerdings in der Vorrunde. Vier Jahre später trat der damalige Zimmermann und Küchenmonteur erstmals an, um sich bei der Qualifying School der PDC eine Tourkarte zu erspielen – und scheiterte.

Nachdem er 2018 nicht bei der Q-School angetreten war, klappte es ein Jahr später mit der Spielberechtigung für alle Turniere der Pro Tour. Wenige Wochen zuvor war er bei seiner zweiten WM-Teilnahme erneut in der ersten Runde gescheitert.

Anfangs tat de Sousa sich schwer auf der Profitour. Erst, als einer seiner Sponsoren extra für ihn neue Pfeile anfertigen ließ, stellten sich die Erfolge ein. Im September 2019 gewann er als erster Portugiese überhaupt einen Titel bei der PDC, einen Monat später folgte ein weiterer Turniersieg auf der Pro Tour.

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De Sousas endgültiger Durchbruch gelang ihm im Oktober 2020. Mit dem European Darts Grand Prix in Sindelfingen gewann er zum ersten Mal ein Turnier vor TV-Kameras. Im Finale besiegte er die Nummer eins der Welt, Michael van Gerwen, 8:4, spielte dabei einen Weltklasse-Punkteschnitt von 105,79 pro Aufnahme.

Zwei Weltmeister glauben an de Sousa

Nach diesem Erfolg verriet de Sousa, dass er lange nicht daran geglaubt habe, einen Titel auf der Bühne gewinnen zu können. Das Selbstvertrauen habe ihm erst der dreifache BDO-Weltmeister Glen Durrant gegeben. Dieser habe de Sousa mehrfach gesagt, dass er besser sei als Durrant selbst. Vor dem Finale gegen van Gerwen sprachen die beiden erneut. »Er hat zu mir gesagt: Bleib einfach ruhig, mach deinen Job. Du bist im Moment der beste Spieler auf der Welt«, sagte de Sousa in einem Interview der PDC .

Auch Doppelweltmeister Gary Anderson hat de Sousa aufgemuntert, als dieser an seiner Eignung für Spiele auf der großen Bühne zweifelte. Das verriet de Sousas Manager Mac Elkin in einem Interview mit der PDC . Anderson habe seinen Schützling darauf hingewiesen, dass er trotz seines Alters noch recht unerfahren sei. Aber de Sousa sei zu gut, als dass es für ihn nicht irgendwann klappen würde.

Bei der WM 2019 schied de Sousa in Runde eins aus. In diesem Jahr wäre ein frühes Aus eine große Überraschung.

Bei der WM 2019 schied de Sousa in Runde eins aus. In diesem Jahr wäre ein frühes Aus eine große Überraschung.

Foto: John Walton / picture alliance/dpa

Zwei Wochen nach dem Sieg beim Grand Slam spielte de Sousa bei der European Championship seinen ersten TV-Neundarter. Ein Neundarter ist der perfekte Durchgang. Dabei wird das Spiel mit nur neun Darts, der niedrigsten möglichen Anzahl, gewonnen. Kurz danach gewann de Sousa den Grand Slam of Darts.

Über die gesamte Saison gesehen ist die aktuelle Nummer 14 der Welt der einzige Spieler, der bei den durchschnittlich erzielten Punkten, den 180ern per Leg und der Checkout-Quote bei High-Finishs unter den Top Five ist. Zudem wirkt er in jeder Situation abgeklärt, lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn er sich mal wieder verrechnet hat.

Im Halbfinale des Grands Slams gegen Simon Whitlock zum Beispiel gelang de Sousa beim Stand von 8:8 ein Checkoutversuch von 136 Punkten, also der Versuch, mit drei Würfen auf null zu kommen, um das Spiel zu beenden. Das Problem: De Sousa hatte 126 Punkte Rest.

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De Sousas Rechenschwäche ist auf seine Jahre beim elektronischen Darts zurückzuführen. Dort rechnet der Automat für die Spieler. Das regelmäßige Verrechnen, die unkonventionellen Wege, die er beim Checkout geht, aber auch sein ruhiges, fast stoisches Auftreten am Board haben ihn zu einem Liebling der Fans gemacht. »Er tut Dinge auf eine eigene Art. Manchmal ist es für schwer für mich, seine Rechenfehler mitanzusehen. Aber er hat Spaß am Spiel und seinen einzigartigen Stil«, sagt Mac Elkin.

De Sousas Stil scheint auch einem zu gefallen, den sie ebenfalls »The Special One« nennen, der aber dann doch etwas bekannter ist als de Sousa. Nach dessen Sieg beim Grand Slam wurde er mit einer Videobotschaft von José Mourinho überrascht. Der Trainer vom englischen Fußballklub Tottenham Hotspur gratulierte seinem Landsmann. De Sousa habe ihm zwar den Spitznamen gestohlen, aber er sei froh darüber. »Denn was du gemacht hast, ist einfach nicht normal«, sagte Mourinho.

Und vielleicht könne er ihm ja Tipps geben, so der Trainer. »Denn hin und wieder spiele ich auch gern Darts. Aber ich bin zu schlecht.« Mittlerweile ist José de Sousa ein gefragter Mann.

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