»Corona-Bombe« Darts-Star van Gerwen attackiert Weltverband

Feiernde Fans ohne Masken – die Darts-WM in London steht wegen laxer Coronaregeln in der Kritik. Auch mehrere Spieler haben sich infiziert, darunter der dreifache Weltmeister Michael van Gerwen. Er erhebt nun schwere Vorwürfe.
Darts-Spieler Michael van Gerwen war positiv auf das Coronavirus getestet worden

Darts-Spieler Michael van Gerwen war positiv auf das Coronavirus getestet worden

Foto: Chris Sargeant / imago images/Pro Sports Images

Auch am Morgen nach seinem Corona-Aus bei der Darts-WM in London war der Zorn von Michael van Gerwen noch nicht verraucht. »Es ist jetzt einfach eine große Corona-Bombe. Die Kontrollen waren nicht stark genug, die PDC hätte mehr machen können«, sagte der dreimalige Weltmeister dem niederländischen Portal AD Sportwereld  in Bezug auf den Weltverband.

Tatsächlich wurde am Mittwochmittag bekannt, dass auch der Engländer Dave Chisnall positiv getestet wurde und zu seinem Drittrundenspiel gegen Landsmann Luke Humphries nicht mehr antreten durfte. Chisnall ist nach van Gerwen, Vincent van der Voort und Raymond van Barneveld, der nach erst seinem Aus positiv getestet wurde, der vierte Coronafall bei der WM.

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Nun droht den Organisatoren auch auf Spielerebene das große Chaos. Angesichts der sich auch in Großbritannien mehr und mehr verbreitenden Omikron-Variante sind weitere Ausfälle bis zum Turnierende am 3. Januar alles andere als unwahrscheinlich. Im Fernsehen ist zu sehen, wie im täglich mit 3000 Zuschauerinnen und Zuschauer prall gefüllten »Ally Pally« ausgelassen gefeiert wird, nur wenige befolgen die lediglich am eigenen Platz aufgehobene Maskenpflicht.

Selbst verschuldetes Dilemma

Der Weltverband PDC steckt nun in einem selbst verschuldeten Dilemma. Mit relativ großzügigen Regeln und vielen Schnell- statt PCR-Tests ging der auf Show und Inszenierung ausgerichtete Verband die WM an. Van Gerwen deutete gegenüber dem Portal AD an, dass die Spieler die Schnelltests selbst durchführen würden, und sagte: »Ich hätte alle täuschen können.« Auch die Fans seien am Eingang nicht ausreichend kontrolliert worden.

Auf die Vorwürfe van Gerwens reagierte der Verband nur kurz: »Wir werden uns nicht zu einzelnen Spielern äußern. Wir befolgen weiterhin die Vorgaben der Regierung«, hieß es in einer Mitteilung.

Harsche Kritik an der Gesamtlage im Alexandra Palace, der trotz hoher Coronazahlen voll ausgelastet werden darf, gibt es schon seit Beginn der Titelkämpfe. Die Verantwortlichen gelten nicht unbedingt als Befürworter strenger Coronamaßnahmen. PDC-Boss Barry Hearn schrieb am 18. Dezember mit Bezug auf Omikron via Twitter: »Und denken wir ernsthaft darüber nach, die Wirtschaft zu schließen und Millionen Menschen endlose Not zu bereiten?« Der 73-Jährige stellt fest, dass es Zeit sei, »mit dem Virus zu leben«.

Die PDC dürfte versuchen, das Event bis zum 3. Januar durchzudrücken, trotz möglicher weiterer Ausfälle. Der Schotte Peter Wright sagte: »Wir sollen uns fernhalten von anderen Leuten und drin bleiben. Wenn ich eine Essenslieferung bekomme, wasche ich meine Hände und mache alles Mögliche, um das Virus nicht zu bekommen. Du willst nicht aus der WM fliegen deswegen. Niemand will das.«

sak/dpa/sid
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