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TENNIS Das Ultimatum

Vor dem Daviscup-Match gegen die Deutschen Anfang August in Hamburg haben die USA Probleme: Jimmy Connors ist tennismüde, John McEnroe weigert sich, schriftlich gutes Benehmen zu garantieren. *
aus DER SPIEGEL 24/1985

Arthur Ashe versuchte zuletzt vergebens, John McEnroe umzustimmen: Der weltbeste Tennisspieler weigert sich beharrlich, die USA im Daviscup gegen Deutschland zu vertreten. »Es ist für ihn«, sagte Teamkapitän Ashe, »zu einer Frage des Prinzips geworden.«

Wie die anderen amerikanischen Spieler sollte sich auch McEnroe schriftlich zu Wohlverhalten auf dem Center Court verpflichten. Im Dezember des vorigen Jahres hatte die Funktionäre des US-Tennisverbandes mehr noch als die Niederlage im Daviscup-Finale gegen Schweden das rüde Auftreten der Stars John McEnroe und Jimmy Connors geschockt. Dem »schlechten Benehmen unserer Spieler«, so die Order an Ashe, sei künftig unbedingt vorzubeugen.

Zwar entschuldigte sich Connors seinerzeit in Schweden, aber McEnroe sind derlei Einsichten gewöhnlich fremd. Deshalb hat Ashe auch nur wenig Hoffnung, ihn vielleicht noch zur Unterzeichnung der Anstandsklausel bewegen zu können.

Neben McEnroe, falls nicht doch ein Kompromiß gefunden wird, müssen die Amerikaner im Daviscup-Viertelfinale Anfang August am Hamburger Rothenbaum auch Connors ersetzen. Doch Teamkapitän Ashe bezeichnete Spekulationen als »einen Witz«, wonach er sich gegen die Deutschen auch mit einer schwächer besetzten Mannschaft einen leichten Sieg ausrechne und im weiteren Verlauf des Wettbewerbes dann wieder auf seine Asse zurückgreifen werde.

»Die Deutschen«, sagte er, »verfügen derzeit über so gute Spieler wie Michael Westphal und Boris Becker.« Das sei kein billiges Kompliment, »ein Kinderspiel« werde die Begegnung für die USA gewiß nicht werden. Zwar bilden Ken Flach/Robert Seguso eines der weltbesten Doppel, doch in den Einzelspielen wären Eliot Teltscher oder Aaron Krickstein als Ersatz für Connors und McEnroe tatsächlich nicht unschlagbar.

Der in letzter Zeit zunehmend von Verletzungen geplagte Connors hatte dem Teamkapitän bereits im Januar mitgeteilt, er werde in diesem Jahr für den Daviscup nicht zur Verfügung stehen. »Bei seiner Entscheidung«, so Ashe, »spielt das Alter eine Rolle. Jimmy ist 32, er braucht jetzt mehr Ruhephasen.«

Das hat Ashe akzeptiert, »mit McEnroe ist das natürlich eine andere Geschichte«. Obwohl der einstige Wimbledonsieger Ashe die vom Verband und vom Sponsor Louisiana-Pacific-Corporation geforderte »Good conduct«-Garantie ein »Ultimatum« nennt und Verständnis für McEnroes Unwillen anklingen läßt, hat er ihm doch klargemacht: »Wenn er in Hamburg nicht antritt, wird er in unserer Mannschaft in diesem Jahr nicht mehr spielen.«

Den Verlust einer sechsstelligen Dollarsumme, die US-Spieler beim Erreichen des Daviscup-Finales verdienen, kann McEnroe noch am leichtesten verkraften. Schwerer wiegt womöglich die Einbuße an Prestige. Nach Wimbledon und den »US-Open« ist der Daviscup der wohl wichtigste Tennis-Wettbewerb. Arthur Ashe geht es dabei auch »um das Ansehen unserer Nation«. Ein Verweigerer McEnroe könnte, anders als der tennismüde Connors, in der amerikanischen Öffentlichkeit schwerlich mit Verständnis rechnen.

Das Argument vieler McEnroe-Fans, ihr Idol flippe auf dem Platz nur deshalb so häufig aus, weil er als Perfektionist weder die eigenen Fehler noch die der Schiedsrichter ertragen könne, ist für Ashe »schlicht Unsinn«. Durch die Ausfälle sollen die Offiziellen eingeschüchtert und deren Entscheidungen beeinflußt werden.

»Manche Veranstalter und die von ihnen bezahlten Schiedsrichter«, so Ashe zum SPIEGEL, »haben kapituliert. Sie tolerieren lieber einen fluchenden McEnroe als leere Kassen aufgrund seiner Disqualifikation.«

Daß McEnroe sich noch ändern könnte, schließt Ashe aus. »Es ist ihm über viele Jahre zu viel nachgesehen worden«, sagte er. »Vielleicht wäre John ein anderer Mann geworden, wenn man ihm Disziplin beigebracht hätte.«

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