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EIS-SCHNELL-LAUF Der große Schatten

aus DER SPIEGEL 8/1952

Ganz Norwegen bangte, als Norwegens Sport-Idol, der Weltrekordmann im 10 000-Meter-Eisschnellauf, Hjalmar »Hjallis« Andersen, kurz vor den Olympischen Winterspielen Halsschmerzen bekam und seine Startfähigkeit fraglich wurde. Seit Ungarn mit immer neuen Klasseläufern am Start erscheint, fürchten die Norweger um ihre Vormachtstellung, zumal der Osloer Ruß das Eis im Bislett-Stadion stumpf macht und der Schnellauf so mehr Kraft erfordert.

Mißtrauisch wurden deshalb die beiden in Oslo erschienenen ungarischen Eis-Schnelläufer Merenyi und Lorinc beobachtet. Was dabei herauskam, war alarmierend genug

* Die Ungarn werden gedopt.

Deutlich war gesehen worden, wie die beiden Magyaren vor dem Training ein besonderes Getränk zu sich nahmen.

Gefragt werden konnte weder Merenyi noch Lorinc, was es mit dem Getränk auf sich hatte. Ein Ungar mit GPU-Gesicht ließ die beiden keine Minute aus den Augen, wenn sie im Rennen waren. Kaum verließen die ungarischen Sportler die Bahn, folgte ihnen der große Schatten *).

Die Aufregung ließ nach als ein mutiger Journalist es wagte, den ungarischen Schatten nach der Wunderdroge zu fragen. Das Doping-Rezept: 20 Gramm Salz, Traubenzucker und Würfelzucker in einem Liter Wasser aufgelöst.

*) Seit vor drei Jahren der ungarische Architekt Pajor nach seinem Sieg in der Eislauf-Weltmeisterschaft nicht zurückkehrte, sondern jetzt für Schweden startet, haben die Volksdemokratien ihren Sportlern Bewacher mitgegeben.

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