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DFB-Präsident Zwanziger: Deutschlands größter Fan

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

DFB-Boss Zwanziger Der gute Onkel des Frauenfußballs

Theo Zwanziger sieht sich als oberster Förderer des Frauenfußballs, für den 66-jährigen DFB-Boss ist die WM im eigenen Land ein persönlicher Triumph. Und nebenbei lenkt das Großereignis ab von der unentschlossenen Haltung des Verbands zum Fifa-Skandal.

Frauenversteher - er wisse "gar nicht genau, was das eigentlich bedeutet", hat Theo Zwanziger dieser Tage behauptet. Er bemühe sich doch stets, "Männer und Frauen gleichermaßen zu verstehen", sagt der DFB-Präsident und ergänzt: "Manchmal werde ich aber auch nicht verstanden."

Frauenversteher - im Grunde hört der DFB-Boss diese Bezeichnung ausnehmend gerne. Zwanziger sieht sich im Verband als oberster Förderer des Frauenfußballs. Dass Deutschland in diesem Jahr Ausrichter der Weltmeisterschaft ist und am Sonntag mehr als 70.000 Menschen in Berlin die Eröffnung des Turniers feierten, darf er auch als seinen persönlichen Triumph betrachten. Sein eigener Anteil am derzeitigen WM-Boom sei "zwar klein, aber zumindest scheine ich bei dem Thema auch nicht sehr viel falsch gemacht zu haben", kokettierte er in der Vorwoche bei der Auftakt-Pressekonferenz zur WM.

Es sind ohnehin wieder bessere Tage für den Präsidenten. Der Öffentlichkeit durfte er die Vertragsverlängerung von Erfolgstrainerin Silvia Neid mitteilen. Auf dem Christopher Street Day in Berlin warb er am vergangenen Wochenende für Offenheit gegenüber homosexuellen Sportlern. Und zuletzt präsentierte er sich einem Millionenpublikum per Gastrolle in einem ARD-Tatort als fürsorgender Funktionär. Der Fernsehkrimi war zwar, was Handlung und Drehbuch anging, ein fürchterlicher Langweiler. Aber dafür waren in dem Film sämtliche Lieblingsthemen Zwanzigers versammelt: Frauenfußball, Integration, Toleranz gegenüber Anderslebenden. Eine gebührenfinanzierte Regierungserklärung des DFB-Chefs.

Kritik am Verhalten zum Fifa-Skandal

Zwanziger durfte bei seinem Gastauftritt in dem TV-Krimi eine Trauerrede halten - und unwillkürlich musste man dabei an eine andere Veranstaltung dieser Art denken, bei der Zwanziger eine Hauptrolle innehatte. Bei der Gedenkfeier für den toten Nationaltorwart Robert Enke hatte der Präsident im November 2009 eine bewegende Ansprache gehalten, hatte über Tabus im Sport und in der Gesellschaft nachgedacht und überall Zustimmung für seine Worte gefunden. Er hatte dazu aufgerufen, "das Kartell der Verschweiger und Tabuisierer zu brechen". Wenn der Anlass nicht so tragisch gewesen wäre, müsste man sagen, dass Zwanziger damals auf dem Höhepunkt seines Ansehens war.

Seitdem sind manche Dinge im DFB nicht mehr so gut gelaufen, und der Präsident hatte daran durchaus seinen Anteil. Die ebenso leidige wie unappetitliche Schiedsrichteraffäre um den ehemaligen DFB-Funktionär Manfred Amerell und den Referee Michael Kempter im Vorjahr hat Zwanziger kläglich gemanagt. Bei dem Thema Wettbetrug in Deutschland machte er keinen konsequenten Eindruck, er redete das Thema mal klein, dann wieder hoch. Die Verstimmung um die verzögerte Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw hatte auch damit zu tun, dass Zwanziger einen Schlingerkurs gefahren war.

Zuletzt hatte er sich durch sein öffentliches Schweigen auf dem Fifa-Kongress in Zürich Kritik eingehandelt. Über den miserablen Zustand der Organisation, der in der Suspendierung der Vizepräsidenten Mohammed Bin Hammam und Jack Warner gipfelte, war vom Chef des weltgrößten Nationalverbandes vor den Fifa-Delegierten nichts zu hören. Zwanziger war allerdings auch in einer heiklen Lage, war er schließlich erst auf dem Kongress in das einflussreiche Fifa-Exekutivkomitee gewählt worden. Man habe "klug" handeln müssen, hat der Präsident die Leisetreterei des DFB in Zürich erklärt.

Bruchlose Funktionärsbiografie

In dieser Woche hat Zwanziger davon gesprochen, dass "die Fifa auf ihrem Kongress allen Anlass zur öffentlichen Kritik geboten" habe. Dass die "Schlagzeilen, die die Fifa zuletzt gemacht hat, alles andere als erfreulich waren, bleibt natürlich auch den Fans nicht verborgen". Im DFB hat Zwanziger einen Fünf-Punkte-Plan gegen Korruption angeschoben, der deutlich in Richtung Fifa gerichtet war. Worte und Ansagen, die man sich schon in Zürich vom DFB-Chef gewünscht hätte.

Zwanzigers Funktionärsbiografie weist einen fast bruchlosen Aufstieg auf vom Vorsitz des Fußballverbands Rheinland über das Amt des DFB-Schatzmeisters und die geschäftsführende Präsidentschaft bis jetzt zu höchsten internationalen Weihen.

Zur WM-Eröffnung war Zwanziger Gastgeber der internationalen Fußballfamilie und fühlte sich auf der Ehrentribüne des vollen Olympiastadions neben Bundeskanzlerin Angela Merkel fühlbar wohler als unter dem strengen Blick der Fifa-Kritiker. Den Frauenfußball als Marke zu entwickeln, ihm eine Bühne zu verschaffen - das ist schon seit vielen Jahren Zwanzigers ganz eigenes Projekt. Mit der Heim-WM und ihrer enormen medialen Präsenz hat er sein Ziel erreicht.

Frauenfußball als Herzensangelegenheit

"Alle wissen, wie sehr ich diese Mannschaft und die Trainerin schätze", hat Zwanziger über das deutsche Frauenteam gesagt. Solche Sätze kommen bei ihm zwar altväterlich herüber, aber das Engagement für die Frauen ist ihm tatsächlich eine Herzensangelegenheit.

Eine solche WM könne "Schubladendenken brechen", sie trage zur "wohlwollenden Anerkennung des Frauenfußballs durch die Gesellschaft" bei, der Fußball helfe, "das menschliche Zusammenleben zu erleichtern".

In solchen Momenten ist Zwanziger ganz bei sich. Er kommt in sein Element, wenn er auf DFB-Projekte in Ruanda und Nordkorea hinweisen kann, überall dort in der Welt, wo der Deutsche Fußball-Bund glaubt, etwas Gutes zu tun.

Fragen an den DFB-Chef zu dem weit unangenehmeren Thema Michael Ballack waren dagegen von Zwanzigers Presseabteilung schon im Vorfeld als ausdrücklich unerwünscht unterbunden worden - "aus Respekt vor den Frauen". Der Präsident ist eben ein Frauenversteher.

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