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SEGELN Die Zähmung der Egobomben

Lange war der America's Cup ein Zeitvertreib extrovertierter Industrie-Barone, die wie Jungs ihr Schiffchen in See stechen ließen, um zu zeigen, wer der Größte ist. In Valencia wollen nun Großunternehmen aus dem teuren Hobby das größte Sportereignis des Jahres machen. Von Dirk Kurbjuweit
aus DER SPIEGEL 16/2007

Die Uhr am Mast läuft nicht mehr, die Zeit ist tot, gestorben vor einer knappen Stunde, als der Wind sich legte. Seither dümpelt die »USA 87« vom Team BMW Oracle Racing vor der Küste Valencias, und an Bord herrscht eine Stimmung, wie man sie von den großen Flauten in Segelromanen kennt. Stille, Depression, entsetzlich leere Stunden. Bald wird wohl Skorbut ausbrechen.

Die Mannschaft liegt an Deck, döst. Steuermann Chris Dickson reckt seine Nase über Bord, als könne er Wind riechen. Nichts. Die See liegt flach wie ein Friedhofsfeld, darauf elf schlanke Gerippe, die »USA 87« und ihre Gegner. Elf Boote wollten dieses Rennen aufnehmen, Rennen 6 von Act 13, einem Vorwettbewerb zum America's Cup. Elf stolze Yachten, der Rumpf streckt sich auf mehr als 24 Meter, der Mast auf 33 Meter, Formel-1-Technik an Bord, dazu je 17 Segler, die zu den Weltbesten zählen.

»Weißt du«, sagt Rodney Daniel, Grinder an Bord der »USA 87«, »es gibt eine wirklich große Sache beim Segeln.« Er macht eine Pause, er liegt an Deck, seine Augen sind geschlossen, seine Lippen weiß vom Sonnenschutz. »Man braucht Wind.«

Schweigen. Das Einzige, was man manchmal hört, ist ein Plätschern, wenn einer der Männer ins Mittelmeer pinkelt. Steuermann Dickson ruft das Begleitboot herbei und lässt Essen an Bord bringen, kaltes Hühnerbein und Süßkartoffeln. Man isst brütend, 17 depressive Segler und ein Gast. Die Sonne scheint, weiße Wolken bauen gemächlich Himmelsgebirge.

Plötzlich ist etwas anders. Ist da nicht ein leises Knarren? Wird es nicht kühl auf der Haut? Die Männer springen auf, die Hühnerbeine fliegen ins Meer. Das Funkgerät schnarrt, die Uhr am Mast zeigt kurz eine »58« und läuft von da rückwärts. Start in 58 Minuten. Dickson lässt das Genuasegel setzen, der Wind packt zu, das Boot legt sich auf die Seite, macht bald acht Knoten und macht sich auf den weiten Weg zur Startzone.

Gleich beginnt eines der Schauspiele, die bis zum 7. Juli die Welt in Atem halten sollen. Hochentwickelte Mensch-Maschine-Kombinationen wandeln Naturkräfte in Tempo um. Das ist der America's Cup, der Kampf um die älteste Sporttrophäe der Welt. Die Vorrennen, die sogenannten Acts, wurden am 7. April abgeschlossen. Seit diesem Montag läuft der Louis-Vuitton-Cup, bei dem elf Herausforderer den Besten ermitteln. Der Sieger wird mit dem Titelverteidiger, dem Schweizer Team Alinghi, vom 23. Juni an den eigentlichen America's Cup ausfahren.

Bislang war Segeln ein Nischensport, von dem die meisten wenig mehr wussten, als dass man bequeme Schuhe trägt, die manchmal modisch sind. Jetzt soll es plötzlich

das größte Sportereignis des Jahres sein. Von jetzt an wird eine gewaltige PR-Maschine der Welt einbleuen, dass nichts so sehr Schönheit, Tempo, Erhabenheit, Dynamik verkörpert wie die Rennyachten beim America's Cup. Das ZDF überträgt live, die ARD zeigt die Höhepunkte. Wir sollen begeistert sein. Vom Segeln?

Wenn man die Perspektive ändert, nicht in der »USA 87« sitzt, sondern in einem Zuschauerboot, dann sieht eine Regatta vor Valencia so aus: Dort hinten auf dem Meer, weit weg, fahren gemütlich ein paar Boote, und man weiß nicht, wohin, und man weiß nicht, wer führt, man sieht eigentlich nur ein paar Segel, die nicht einmal schön weiß sind, sondern so schmutzig grau wie früher die Bettwäsche, wenn sie in einer Zechenstadt zum Trocknen aushing. Das alles hat mit Schönheit, Tempo, Erhabenheit, Dynamik, Spannung wenig zu tun.

Es muss schon eine Menge an Land passieren, um aus diesem Wettbewerb für Insider ein Ereignis für Massen zu machen.

An Land passiert mehr als je zuvor bei einem America's Cup. In Valencia wurde eigens eine kleine Hafenstadt gebaut. Am Rand gibt es noch die alte Schäbigkeit, Brachen und Ruinen, aufgegebenes Land, das von der neuen Zeit nur die Töne mitbekommt. Um 12.45 Uhr schallt »Vertigo« von U2 herüber, das Lied, mit dem BMW Oracle Racing sein Boot ins Rennen schickt. Kurz darauf erklingen die Sirene von Luna Rossa Challenge und das Lied für das Team Alinghi, die euphorische Kakophonie des America's Cup.

Die zwölf Teams haben rund um das Hafenbecken ihre Basen gebaut, unten halbe Werften, oben Bars, Restaurants und Kinos für die Gäste. Schmuckstück dieser kleinen Stadt ist ein Bau von David Chipperfield, der kantig und wuchtig ist und doch eine Leichtigkeit ausstrahlt, als könne er abheben - wenn denn Wind ist. Die Besucher der Hafenstadt können trinken, essen, einkaufen, Yachten gucken. Während Fußballstadien ohne Spiele öde sind, lebt diese Welt für sich.

Es gibt auch eine Ruhmeshalle, in der das Publikum mit dem Mythos vom America's Cup aufgeladen wird. Hier finden sich Schiffsmodelle und die Storys, die aus Segelrennen einen Roman machen sollen: die erste Regatta 1851, als die »America« eine englische Flotte besiegte. Danach nur US-Siege, bis 1983 die »Australia II« den Cup entführte. Schließlich die Sensation von 2003, als die Bergsteigernation Schweiz das beste Boot stellte, die »Alinghi«. Häufig sind es Geschichten von Männern mit ganz großem Ego, dem Teezaren Thomas Lipton oder dem Medienunternehmer und CNN-Gründer Ted Turner, die wie Jungs ihre Schiffchen in See stechen ließen, um sich auch dort ihrer Größe zu vergewissern.

Es gibt sie immer noch. Larry Ellison zum Beispiel, Gründer des Software-Konzerns Oracle, ist Patron von BMW Oracle Racing. Ellison ist ein Typ, dem es wichtig war, sich die längste Privatyacht der Welt bauen zu lassen, 138 Meter lang. Er fand sie dann ungemütlich. Es ist bei diesem Typus immer die Frage, ob das Ego besonders klein oder besonders groß ist. Jedenfalls muss es ganz groß herauskommen. Bislang war die Story des America's Cup vor allem die Story dieser Männer.

Es ist nicht so leicht, einen von ihnen zu treffen, Patrizio Bertelli zum Beispiel, den Patron von Luna Rossa Challenge und Chef des Modekonzerns Prada. Man muss sich durch einen gewaltigen PR-Apparat hindurcharbeiten, kriegt dreimal gesagt, was geht und was nicht geht bei einem Gespräch mit Bertelli, und hat den Eindruck, dass man das Bild einer Statue abliefern soll, nicht das eines Menschen.

Dann trifft man in der Basis von Luna Rossa Challenge einen Menschen, der, wie zu erwarten war, gerade mit dem Handy telefoniert. Sein Äußeres zerstreut die Sorgen, die man sich gemacht hatte, was angemessene Kleidung für ein Gespräch mit dem Chef von Prada sein könnte. Er trägt einen blauen Strickpullover, eine graue Hose und Gummistiefel. Sein Haar ist silbern, so schlank wie seine Models ist er durchaus nicht. Bertelli ist ein Mensch, der großes Denken pflegt. Würde man ein Register dieses Gesprächs anlegen, kämen vor: Napoleon, Mozart, Angela Merkel, der Papst. Er redet erst einmal über Politik und hat interessante Ansichten über Katholizismus und Kommunismus. Er hält dazu eine längere Rede, die seinem Kommunikationschef Sorgenfalten ins Gesicht meißelt. Zitate aus diesem Bereich sind natürlich allerstrengstens verboten.

Dann wird übers Segeln geplaudert, und Bertelli holt eine weiße Mappe, in der ein

paar abgegriffene Schnappschüsse liegen. Sie zeigen ihn 1973 beim Segeln. »Das bin ich«, sagt er und deutet auf einen jungen Mann mit einem rot-weißen Hemd. Die Atmosphäre des Gesprächs ist jetzt familiär, Bertelli zeigt Fotos und erinnert sich. Ganz unten liegt unvermutet ein Bild, das einen zerdötschten Audi zeigt. Er habe geschlafen, sagt Bertelli, als sein Chauffeur in einen Baum raste. Mit den Armen zeigt er den Umfang des Baums. Ein Jahr lang habe er Schmerzen im Brustbereich gehabt.

Was Segeln für ihn bedeutet? Er nennt Freiheit, und dann geht es um Zeit. »Auf See hat die Zeit keine Macht«, sagt Bertelli. Er könne sagen, dass man mit dem Auto drei Stunden von Mailand nach San Remo brauche, aber er wisse nie, wie viel Zeit er für einen Segeltrip braucht. Er sagt, er habe die Geduld, sich der Herrschaft des Windes auszusetzen, obwohl er sonst kein besonders geduldiger Mensch sei.

In einer knappen Stunde erweist sich Bertelli als eigenwilliger Mensch, der sich rasch langweilt, doch zu allem etwas zu sagen hat und dabei überraschen kann. Aber er steht nicht nur für sich, sondern auch für Prada, und für die Prada-PR wäre es furchtbar, würde der Chef mit Anstößigem zitiert. Und der America's Cup ist mehr denn je ein PR-Unternehmen.

Der Franzose Laurent Esquier hat auch schon für Bertellis Team gearbeitet. Seit 1974 ist er dabei und macht seine elfte Kampagne beim America's Cup mit, diesmal als Operationsdirektor von BMW Oracle Racing. Esquier sitzt in der Lounge des Teams, auf den Bildschirmen läuft Rennen 7 von Act 13, Esquier soll erzählen, was sich geändert hat in den 33 Jahren, die er dabei ist. Beim neuseeländischen Boot reißt der Spinnaker, und Esquier sagt, dass sich die technische Seite grundsätzlich nicht verändert habe. Es sei immer schon um Hightech gegangen, immer um das beste und neueste.

Wenn sich etwas verändert habe, dann das: »Die Sponsoren haben mehr Einfluss, die Patrone weniger.« Die 100 Millionen Euro, die eine aussichtsreiche Kampagne inzwischen kosten soll, bringen selbst Milliardäre nicht so leicht auf.

Schon ist spürbar, dass BMW Oracle Racing nicht nur das Spielzeug der Egobombe Larry Ellison ist. Die Basis sieht aus wie diese Hospitality-Welt von Großunternehmen. Es ist eine Welt in hellen, freundlichen Farben, Weiß und Beige, eine Welt, in der man sanft umspült wird von Optimismus und immerwährender Freundlichkeit. Es gibt nur das Gute und Schöne, Stühle von Arper, Champagner von Moët & Chandon, Zeit von Girard-Perregaux.

Mirko Gröschner, ein Mensch von unerschütterlich angenehmem Auftreten, ist so etwas wie der Spiritus Rector dieser Welt. Er ist Marketing-Direktor des Teams. Anders als bei den Patronen kommt für Gröschner nicht zuerst das »Ich«, sondern das »Sie«. »Sie« sind die möglichen Kunden der Sponsoren. Gröschner sieht im America's Cup vor allem Botschaften an diese Kunden. Er nennt Hightech, Wett-

bewerbsorientierung, Freiheitsgefühl, Dynamik. Genau damit möchte BMW verbunden werden.

BMW möchte eben nicht den Wahnsinn, den sich mancher Patron im America's Cup geleistet hat, diese Gerichtsprozesse, diese Taschenspielertricks, diese Großmäuligkeiten der Vergangenheit. BMW möchte nicht den Skandal, nicht das Problematische, sondern eine gerundete, geglättete Welt. In die wird gerade der America's Cup umgewandelt. Man ersetzt Leben durch Unternehmenskultur. So hat es die Industrie auch mit der Formel 1 gemacht, die mal eine Spielwiese verschrobener Patrone aus England war, Ken Tyrrell oder Colin Chapman, und die von Mercedes, Renault, Fiat oder BMW zu einem blitzblanken Unterhaltungskonzern umgebaut wurde. Nun geht es um die Zähmung der Larry Ellisons, und es wird spannend sein, zu beobachten, ob es diesmal schon gelingt.

Das Problem ist der Sport. Die Yachten sind mit Mofatempo unterwegs, und welche Botschaft steckt für BMW im Mofatempo? Die PR-Abteilung versucht deshalb die virtuelle Beschleunigung der »USA 87« und »USA 98«. Gern wird die Geschichte verbreitet, dass Technik aus der Formel 1 in den Booten stecke, zum Beispiel Keramiklager. So leiht man sich ein bisschen von den 350 Stundenkilometern, die der Rennwagen schafft.

Zum Glück für die PR-Abteilungen sieht man am Fernsehschirm nicht genau, wie schnell oder langsam ein Fahrzeug unterwegs ist. Es ist vor allem das Fernsehen, das den America's Cup von jenem lahmen, undurchschaubaren Ereignis, das sich dem Zuschauer an der Regattastrecke bietet, in einen dynamischen und spannenden Wettbewerb umzaubern muss.

Es funktioniert, wie bei den Vorrennen zu sehen war. Es wirkt spektakulär, wie die großen Yachten durch die Wellen schneiden und um die besten Positionen im Wind kämpfen. Das Problem ist: Auch auf dem Bildschirm bleibt unklar, wer führt. Es gibt schöne Bilder, aber keine Spannung. Deshalb gibt es jetzt das »virtual eye«, das

virtuelle Auge. Die Realität wird übersetzt in eine Computergrafik, bei der die Boote farbige Striche sind. So wird der America's Cup zum ersten Sport, der ein zweites Leben im Virtuellen braucht, um massenwirksam werden zu können.

Damit ist es der Sport zur Zeit. Es wächst der Raum der Kunstwelten, für ein paar Leute wird Erleben in einem ungeahnten Ausmaß möglich. Man kann sein halbes Leben im virtuellen Raum von »Second Life« zubringen, man kann als millionenschwerer Privatmann ins All fliegen, um mal die Erde im Ganzen zu betrachten.

Der Astronaut beim America's Cup ist der 18. Mann. Dieser Platz ganz hinten im Boot ist für Prominente, Großkunden, Lotteriegewinner, Ebay-Ersteigerer und Journalisten reserviert. Es ist nicht mehr zu tun, als dafür zu sorgen, dass man immer auf der hohen Seite des Bootes sitzt. So rutscht man die rund 70 Minuten, die ein Rennen dauert, von Steuerbord nach Backbord und zurück.

Act 13, Rennen 6, die Uhr am Mast zeigt, dass es noch drei Minuten bis zum Start sind. Jetzt rast die wiederbelebte Zeit. Chris Dickson kreuzt mit der »USA 87« durch die Startbox. Elf Boote suchen nach der besten Position, lauern, wenden scharf. Die Grinder kurbeln wild an den Winsch-Antrieben. Wasser spritzt ins Boot. Taktiker, Stratege und Navigator melden Dickson die Positionen der anderen Schiffe und äußern Mutmaßungen über den Wind und den besten Kurs. Die Leute wirken ruhig, aber darunter schwärt das Fieber von Männern, die andere Männer besiegen wollen. Jetzt ist es großer Sport. In diesem Gewimmel nervöser Schiffe die günstigste Position zu finden, Kollisionen zu vermeiden, ohne den besten Weg freizugeben, verlangt Nerven und Könnerschaft.

Start. Dickson nimmt einen Weg auf der linken Seite der Regattastrecke. Das Ziel ist die Wendemarke in 2,8 Meilen Entfernung. Zweimal müssen die Boote die Strecke segeln. Act 13 besteht aus Flottenrennen. Beim eigentlichen Wettbewerb werden Matchraces gefahren, eins gegen eins.

Die »USA 87« macht 9,60 Knoten gegen den Wind. Die Mannschaft kauert auf der Steuerbordseite. Es knallt, als würde mit Hämmern gegen das Boot geschlagen. Alles steht extrem unter Spannung, Mast, Taue, Rumpf. Das Wasser rauscht, die Crew meldet Dickson Windbeobachtungen und das Tempo der anderen Boote.

Wer führt? Man weiß es auch als 18. Mann nicht. Es ist ein bisschen schwierig mit diesem Sport. Man muss weit weg sein, um den Durchblick zu haben.

Die Neuseeländer machen eine Wende und kreuzen den Kurs der »USA 87«. Die schwarzgekleideten Männer sitzen hoch in ihrem Boot und schauen herüber wie Piraten auf ihre Beute. Sie müssen am Heck vorbei, und es wird knapp, so viel ist klar. Der neuseeländische Bugmann zeigt seinem Steuermann mit der Hand an, dass er noch dichter an unser Heck heranfahren soll. Das eigene Gefühl sagt: Bloß nicht, sonst knallt's. Es knallt nicht.

Die Spanier sind zuerst an der Wendemarke, dahinter fädelt sich die »Alinghi« ein, dann kommt Neuseeland, dann die »USA 87«. Die Spinnaker sausen die Masten hoch. In langer Reihe segelt das Feld gemächlich zurück, jeder will dem anderen Wind wegnehmen, sogenannter dirty air aussetzen, schmutziger Luft. Man muss gemein sein beim Segeln.

Vorletzter ist das Boot von United Internet Team Germany. Es war ein langer Anlauf, bis ein deutscher Start beim America's Cup möglich war. Einige Projekte scheiterten, bis der Unternehmer Ralph Dommermuth Geld und Leute bereitstellte, um ein Boot und eine Mannschaft aufzubauen. Es gab Querelen, und dann stellte sich heraus, dass das Boot langsam und die Mannschaft unerfahren ist. In Rennen 3 haben die Deutschen dem Boot des italienischen Teams +39 Challenge den Mast weggesäbelt. Deutschland muss wohl auf den nächsten America's Cup hoffen.

Nach der zweiten Wendemarke entscheidet sich Dickson als Einziger für einen Weg ganz links. Segeln ist auch Lotterie. Der Wind kann hier mit zehn Knoten wehen und 200 Meter entfernt mit sieben Knoten. Die Windspotter suchen nach dunklen Stellen auf dem Wasser, weil dort der Winddruck höher ist, aber wenn das Boot dort ankommt, kann alles anders sein.

Es war die falsche Entscheidung. Die »USA 87« wird sechste, mürrische Gesichter, eine Faust kracht gegen die Bordwand. Sechster ist mäßig für eine Mannschaft, die erster Herausforderer von Alinghi sein will. Die Schweizer begnügen sich in Rennen 6 mit Platz zwei hinter den Spaniern, waren aber insgesamt bei Act 13 die mit Abstand schnellste Mannschaft.

Aber was heißt schon schnell bei diesem Wettbewerb. Patrizio Bertelli, der Patron von Luna Rossa, hat dazu einen wunderbaren Satz gesagt: »Der America's Cup ist der Sport, bei dem man höllisch viel Geld ausgibt, um langsam zu fahren.«

* Der spätere CNN-Gründer nach dem Sieg über Australien in Newport, Rhode Island.

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