SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

07. Juli 2011, 14:46 Uhr

Doping bei der WM

Nordkorea verzichtet auf Öffnung der B-Probe

Die Frauenfußball-WM hat einen neuen Dopingfall: Zwei Spielerinnen aus Nordkorea sind positiv auf ein anaboles Steroid getestet worden. Der nationale Verband beantragte keine B-Probe - was gemeinhin als Schuldeingeständnis gilt. Nun wird untersucht, ob das gesamte Team betroffen ist. 

Hamburg - Die Substanzen sind definitiv verboten: Bei der Frauenfußball-WM in Deutschland haben zwei nordkoreanische Spielerinnen offenbar Mittel der Gruppe "S1.1.B" eingenommen. Das ist das Ergebnis der A-Probe. "Es handelt sich dabei um körpereigene Steroide, die von außen zugeführt worden sind", sagte Detlef Thieme, Leiter des Wada-Labors in Kreischa. Die Welt-Anti-Dopingagentur untersucht die Proben der Nationalspielerinnen.

Der nordkoreanische Verband hat darauf verzichtet, innerhalb der vorgeschriebenen 12-Stunden-Frist eine B-Probe zu beantragen. Experten werten dies gemeinhin als Schuldeingeständnis. Die Fifa will nun aber Klarheit: Sie wird die B-Proben der beiden betroffenen Spielerinnen trotzdem öffnen lassen.

Vom nordkoreanischen Trainerstab oder Verband gab es noch keine Stellungnahme zu dem Vorfall. Das Team ist bereits in die Heimat zurückgekehrt.

Die betroffenen Fußballerinnen, die nach den ersten beiden Partien gegen die USA (0:2)und Schweden (0:1)getestet worden waren, wurden kurzfristig aus der Aufstellung für das letzte Spiel der Asiatinnen gegen Kolumbien (0:0) in Bochum gestrichen. Entsprechend der Regularien des Weltverbands Fifa wurde der gesamte Spielerkader zur Abgabe einer Urin-Probe gebeten. "Das ist ein einmaliger Vorgang bei Weltmeisterschaften", sagte Dr. Jiri Dvorak, Chefmediziner der Fifa.

Schon der zweite Dopingfall bei der Fußball-WM

In den Laboren in Köln und Kreischa soll das Wada-Labor nun herausfinden, ob es in der nordkoreanischen Frauenfußball-Nationalmannschaft systematisches Doping gegeben hat. Wegen des komplexen Analyseverfahrens ist wohl erst in sieben bis zehn Tagen mit einem endgültigen Ergebnis zu rechnen. Für Nordkorea ist die WM bereits nach der Vorrunde beendet. Das Team konnte sich in der Gruppe Cnicht durchsetzen und wurde Dritter hinter Schweden und den USA, die sich beide für das Viertelfinale qualifiziert haben.

Die Frauen-WM hat damit bereits den zweiten Dopingfall: Ein am 25. Juni durchgeführter Test der kolumbianischen Torhüterin Yineth Varon hatte ebenfalls ein positives Ergebnis erbracht, es erfolgte eine provisorische Sperre. Die Spielerin hat nach Angaben des kolumbianischen Verbandes inzwischen die Öffnung der B-Probe beantragt.

"Die Information wird momentan untersucht. Erst wenn Klarheit herrscht, möchte ich darüber sprechen. Wir werden uns zu gegebener Zeit äußern", sagte Kolumbiens Trainer Ricardo Rozo.

chp/bka/dapd/dpa/sid

URL:


Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung