Spielehersteller sperrt E-Sportler Der Streit zwischen "Kurt" und EA Sports spaltet die Fifa-Szene

Kurt Fenech, Star der E-Sport-Szene, kritisiert seit Jahren den Spielehersteller EA Sports. Jetzt schlug der Konzern zurück. Doch Fenech wehrt sich - und mobilisiert seine Fans.
Kurt "Kurto411" Fenech (links) im Duell mit dem ehemaligen Weltmeister Mosaad "MSDossary" Aldossary beim Fifa eWorld Cup 2018 in London

Kurt "Kurto411" Fenech (links) im Duell mit dem ehemaligen Weltmeister Mosaad "MSDossary" Aldossary beim Fifa eWorld Cup 2018 in London

Foto:

Henry Nicholls/ REUTERS

Es ist eher die Ausnahme, dass ein aktiver Fußballprofi offen Kritik am eigenen Klub oder am Verband äußert. So sorgte es für Aufsehen, als sich Thiago vom FC Bayern auf Twitter entsetzt darüber äußerte , wie zögerlich sich die Offiziellen verhielten, den Spielbetrieb der Bundesliga wegen der Corona-Krise vorerst einzustellen.

So schnell und ungefiltert die Kritik aufkam, so schnell verschwand sie wieder: Thiago entschärfte seine Nachricht nach nur wenigen Minuten. Die Mechanismen scheinen im Profifußball zu greifen, nur die wenigsten äußern ihre Meinung so offen in der Öffentlichkeit. Wenn sie es tun, müssen sie mit Konsequenzen rechnen.

Im virtuellen Fußball ist die Feedback-Kultur eine andere. Dort trägt der kritische Umgang zwischen E-Sportlern und Offiziellen oftmals zum Unterhaltungsfaktor bei.

Wenn ein neuer Titel der Fifa-Reihe erscheint, auf den sich alle aktiven Spieler umstellen müssen, werden die kritischen Stimmen in der Community regelmäßig laut. Dass es aber auch hier Grenzen gibt, zeigt das Zerwürfnis zwischen dem Profi Kurt Fenech und Spielehersteller EA Sports.

Der kontroverse Fifa-Profi

Fenech, der unter dem Namen "kurt0411" spielt, ist seit Jahren als meinungsstarke Größe in der Fußball-Simulation Fifa bekannt. Kein Profi kritisiert EA so scharf wie der Malteser. Doch jetzt wurde ihm sein kontroverses Auftreten zum Verhängnis: Dem E-Sport-Profi wurde Ende Februar das EA-Konto gesperrt. Für einen Fußballprofi kommt dies der Vereinslosigkeit gleich.

"Seine Nachrichten haben mit sehr persönlichen Angriffen die Grenze des Anstands überschritten und sind auch ein Verstoß gegen unsere Nutzungsbedingungen", schrieb EA in einem offiziellen Statement , auf das der Spielehersteller den SPIEGEL auf Anfrage verwies. "Wir werden derartiges Verhalten und Drohungen nicht tolerieren."

Feedback und konstruktive Kritik seien stets willkommen. Wenn Grenzen überschritten würden, müsse man aber die eigenen Communities und auch Mitarbeiter schützen, hieß es. Damit ist Fenech zunächst von allen Fifa-Wettbewerben und Live-Events ausgeschlossen, um Preisgelder kann er nicht mehr spielen.

"Habe nie etwas gesagt, was ich nicht hätte sagen sollen"

Der 24-Jährige sieht sich im Recht. Auf Twitter und dem Streamingportal Twitch teilte er seinen mehr als 100.000 Followern mit: "Ich habe nie etwas gesagt, was ich nicht hätte sagen sollen." Nachfragen des SPIEGEL zu den Vorwürfen ließ Fenech unbeantwortet.

"Kurt" ist von sich überzeugt, das gehört zum Image des Profis. Bei jeder Gelegenheit bezeichnet er sich als den "besten Fifa-Spieler aller Zeiten". Unterliegt er einem Gegner, sind die Unzulänglichkeiten des Spiels die Ursache. In einer nach seinen Vorstellungen programmierten Version könne er jeden schlagen, sagte er einmal. Seinen anhaltenden Unmut über Fifa stilisierte er zu seinem Markenzeichen.

Zuletzt schlugen die kritischen Äußerungen Fenechs vermehrt in Beleidigungen um. Von EA erhielt er bereits 2018 eine zweimonatige Sperre, ohne größere Auswirkungen auf sein Verhalten. Zunächst kündigte er sein Karriereende an, wenig später feierte er in einem Stream sein Comeback.

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Als er im Oktober 2019 während einer Online-Partie HSV-Profi Niklas "HSV NHeisen" Heisen beschimpfte und mehrfach auf einen Schal mit dem Logo von EA spuckte, wurde er erneut von allen Fifa-Veranstaltungen ausgeschlossen.

Die Fifa-Community ist gespalten

Als Kurt nun auch wegen Beleidigungen bei Twitch gesperrt wurde, zeigte sich die Mehrheit der Fifa-Community trotz allem solidarisch. Unter dem Hashtag #FreeKurt formierten sich Fans, ihren Unmut über EA und Fifa zu teilen. Doch längst nicht alle sind bereit, dem kontroversen E-Sportler eine Absolution für sein Verhalten zu erteilen. Gerade Streamer und E-Sportler sehen Fenechs Verhalten differenzierter.

YouTuber Tim "Wakez" Soltau sagte dem SPIEGEL, er könne Fenechs Gefühlsausbrüche zwar verstehen, denke aber, dass sich vor allem Profis an die Regeln halten müssen: "Jeder Spieler kennt es, wenn die Emotionen mit einem durchgehen und man sich über Gegentreffer ärgert. Ich mache meinen Mund im Stream auch auf, wenn mich etwas stört, bleibe dabei aber immer konstruktiv." Er betonte die Verantwortung, die man als Streamer mit einer öffentlichen Plattform habe.

"Wenn wir uns immer nur beschweren, dann kommt das auch nicht gut bei den Fans an - schließlich verdienen wir damit einerseits unser Geld und haben andererseits eine Vorbildfunktion", sagte Fifa-Profi Marcel "DonChap28" Deutscher von Hannover 96 dem SPIEGEL. Zwar habe Kurt mit seiner Kritik am Spiel oft recht, die Sperre halte er aber dennoch für gerechtfertigt. Der 27-Jährige vermisse oft den Respekt unter den Spielern und denkt, dass EA viel mehr durchgreifen müsste.

"Er pflegt damit ganz bewusst sein Bad-Boy-Image"

EA Sports scheint die Kritik nicht viel auszumachen - zumindest wirtschaftlich. Bis Jahresanfang hat sich Fifa 20, die neueste Auflage der Fußball-Simulation, mehr als 1,5 Millionen Mal in Deutschland verkauft.

Und auch "Kurt" scheint von seinem Verhalten zu profitieren. Als er zum Konkurrenzspiel Pro Evolution Soccer (PES) wechselte, blieben ihm seine Fans treu. "Er pflegt damit ganz bewusst sein Bad-Boy-Image und wird damit noch mehr verdienen", sagt Deutscher.

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Sein erster Stream unter dem Motto "The Revolution Begins" ("Die Revolution beginnt") erreichte über 18.000 Zuschauer - genauso viele wie alle aktiven Fifa-20-Streams zu diesem Zeitpunkt zusammen. Für PES ein Riesenerfolg, denn normalerweise hat der japanische Spielhersteller Konami auf Twitch keine Chance gegen Fifa.

Konami erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, dass sie jeden neuen Spieler und Streamer, wozu auch "Kurt" zählt, willkommen heißen. Doch auch sie würden negatives Online-Verhalten, das sich an andere Spieler oder Mitarbeiter richte, bestrafen. "Wir hören uns das Feedback der Spieler genau an und beziehen uns darauf, wenn wir die neueste Version entwickeln."

Die Liste von "Kurt" wird sicherlich lang ausfallen.

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