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»Eine tolle Chance vergeben«

Deutsche Segler suchen Industrie-Millionen für den America's Cup *
aus DER SPIEGEL 5/1987

Ich freue mich auf die Deutschen«, sagte Dennis Conner, Skipper des US-Herausforderers »Stars & Stripes«, im Vorausblick auf den America's Cup 1990, bevor er zum Finale 1987 gegen die australischen Pokalverteidiger ablegte.

Die Deutschen haben bisher als einzige bedeutende Seglernation noch nie an der aufwendigsten Regatta der Welt teilgenommen. Doch im Augenblick bereiten sich vier Gruppen in der Bundesrepublik darauf vor, 1990 in die Seeschlacht um die begehrteste Seglertrophäe einzugreifen: *___erfolgreiche Hochseesegler um den Bremer Berend Beilken ____mit Olympiasieger Jörg Diesch an Bord, *___das Syndikat des Werftbesitzers Michael Schmidt aus ____Wedel bei Hamburg, *___eine süddeutsche Gruppe, unter stützt von der ____Friedrichshafener Ausstellung »Interboot«, *___der Hamburger Ulli Libor zwei maliger olympischer ____Medaillenge winner; Schirmherren des »Ger man America's ____Cup Consortium« sind die Manager der Messe ____"boot-Düsseldorf«.

Voraussetzung eines erfolgreichen Kraftaktes für 1990 ist, so Libor, »daß die Industrie kurz entschlossen und schnell einsteigt«. Das kostet 25 Millionen Mark, rechnete Libor aus.

»Ein Schwachsinn«, klagte Syndikatschef Schmidt, »daß wir in Australien nicht dabei sind.« Segler und Industrie hätten mit dem Verzicht auf den America's Cup 1987 »eine tolle Chance vergeben«. Sein Syndikat war 1983 an der Vorbereitung einer Herausforderung für 1987 gescheitert. Sein Geldbeschaffer Jens Hagström berichtete, einige Manager hätten gefragt, »ob wir einen Sieg garantieren könnten«. Andere Marketing-Experten winkten ab: »Unser Chef versteht nur etwas von Fußball.«

Als Trainingsboot dümpelte damals schon die 12er-Jacht »Blaupunkt«, vormals »Sverige«, im Wasser. Aber als die »Australia II« 1983 den Cup erstmals für Australien gewann, verfügte das Syndikat statt über die erforderlichen zwölf Millionen Mark erst über 700000.

Durch die US-Niederlage »war der Dampf raus«, bedauerte Hagström, denn nachdem die Australier den Cup aus Amerika entführt hatten wollte »keiner als zweiter den Mount Everest besteigen«.

Ein weiteres Syndikat aus Berlin hatte nicht einmal ein Trainingsboot zu Wasser gebracht. 20000 Kleinsponsoren sollten mit ihren Monatsbeiträgen eine Herausforderer-Jacht »Berlin« finanzieren.

Inzwischen haben die Manager großer Firmen jedoch gelernt, daß der America's Cup mit seiner hohen Medienpräsenz (vom diesjährigen Cup berichtet allein das US-Fernsehen 200 Stunden) ein Werbespektakel erster Güte ist.

Sportlich gibt Libor den Deutschen eine gute Chance. »Die deutschen Hochseesegler gehören zu den besten der Welt«, erinnert er an Siege in den Regatten um den Admiral's und Sardinia's Cup. »Zudem gehören wir zu den Nationen mit der höchst entwickelten Technologie.«

An der »Nahtstelle von Sport und Technologie« will Claus Groth, Chef der Düsseldorfer Bootsmesse, mit der Schirmherrschaft eine Art »Eisbrecherfunktion« übernehmen. Libor will zwei möglichst gleichwertige 12er-Jachten zum Training erwerben. Mit dem Eigner der vor Fremantle ausgeschiedenen »America II« verhandelt er bereits.

Auch Japan plant für 1990. Masakazu Kobayashi, der mit Freizeitparks Millionen verdiente, erwarb von dem Australier Alan Bond schon eine Option auf dessen Cup-Jachten »Australia II« und »Australia III«.

Ob der Rumpf der deutschen Cup-Jacht aus glasfaserverstärktem Kunststoff geformt wird, ist fraglich. Falls sich die deutsche Flugzeug-Industrie für den America's Cup erwärmt, kommt auch Aluminium in Frage.

»Es ist sinnlos, in fünf oder sechs Gruppen zu werkeln«, warnte allerdings Rolf Mohne, Projektleiter der Friedrichshafener »Interboot« . »Das muß koordiniert werden, alle Kräfte müssen sich auf ein Ziel richten.« Libor meint dagegen, »zwei Gruppen wären gut«, auch wenn »professionelle Segler knapp« seien.

Sollte die deutsche Industrie die kostspieligen Cup-Pläne dennoch nicht rasch genug finanzieren, hält Libor einen Ausweichplan bereit: Mit einem Aufwand von erst mal nur 15 Millionen Mark, hat er hochgerechnet, könnten die Deutschen wenigstens »einen Achtungserfolg ansteuern«.

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