Festnahme von Eishockeytorwart Russisches Militär zwingt Fedotow angeblich zu Strafdienst in der Arktis

Der russische Eishockeytorhüter Iwan Fedotow wollte ZSKA Moskau verlassen, hatte bereits in der NHL unterschrieben. Dann nahm ihn die Militärpolizei fest – jetzt soll er Wehrdienst auf einer Arktisinsel leisten.
Der russische Eishockey-Nationaltowart Iwan Fedotow – hier im Trikot von ZSKA Moskau – stand kurz vor einem Wechsel nach Philadelphia

Der russische Eishockey-Nationaltowart Iwan Fedotow – hier im Trikot von ZSKA Moskau – stand kurz vor einem Wechsel nach Philadelphia

Foto: IMAGO/Alexandre Ovcharov / IMAGO/SNA

Der wegen angeblicher Wehrdienstverweigerung festgenommene russische Eishockey-Nationalspieler Iwan Fedotow wird wohl auf eine Militärbasis auf der Arktisinsel Nowaja Semlja strafversetzt. Das berichtete am Sonntagabend die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf einen Informanten in den russischen Sicherheitsorganen. Fedotow wollte seinen bisherigen Klub ZSKA Moskau verlassen, um in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL bei den Philadelphia Flyers zu spielen.

Fedotow wurde am Freitag in Sankt Petersburg nach dem Training von Unbekannten festgehalten und in einen Kleinlaster verfrachtet. Später wurde bekannt, dass er zum Militärkommissariat gebracht und dort festgehalten wurde. Nach mehrstündigem Aufenthalt dort wurde dem Sportler schlecht und er musste mit dem Krankenwagen in eine Klinik gefahren werden.

Fedotows Anwalt gab an, seit der Verlegung ins Krankenhaus keinen Kontakt mehr mit seinem Mandanten gehabt zu haben. Er wollte gegen die Einberufung vorgehen, da Fedotow in Moskau und nicht in Sankt Petersburg als Wehrpflichtiger gemeldet sei. Ob der Torwart tatsächlich seinen Wehrdienst verweigert hat, ist derzeit unklar. Als Spieler von ZSKA ist man automatisch Angehöriger der Streitkräfte, junge Sportler des Moskauer Armeeklubs dienen in jungen Jahren in der Sportkompanie. Der Wehrdienst dauert in diesem Fall ein Jahr.

»In unserem Gesetz gibt es eine Militärpflicht«, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag, »daher sind jegliche emotionalen Kommentare dazu absolut unangebracht.«

Am Sonntag wurde Fedotow dann zum Marinestützpunkt Seweromorsk, nördlich von Murmansk, gebracht. Das bestätigte sein Anwalt der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. »Voraussichtlich wird er seinen Dienst in einer der Militäreinheiten ableisten, die auf der Insel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer liegen«, sagte ein anonymer Sprecher der russischen Sicherheitsorgane. Nowaja Semlja ist auch als ehemaliges sowjetisches Atomtestgelände bekannt.

Verärgerte ZSKA-Führung könnte ihn angeschwärzt haben

Fedotow wollte ab der kommenden Saison für die Philadelphia Flyers in der NHL auflaufen. In der zurückliegenden Saison hatte der russische Nationalspieler als Torwart mit ZSKA Moskau den Gagarin Cup gewonnen. Sein Vertrag lief Ende Juni aus. Der Kolumnist Anton Orech vermutet, dass die Einberufung Fedotows damit zusammenhängt, dass die ZSKA-Führung verärgert über den Wechsel war.

Fedotows Fall steht zusätzlich unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. In Russland haben derzeit viele Wehrpflichtige Angst, eingezogen und an die Front geschickt zu werden. Ob das in Zukunft auch weitere bekannte Sportler betreffen wird, ist ungewiss.

Seit Beginn des Kriegs sind die Beziehungen zwischen der NHL und Russland belastet. Russische Spieler dürfen weiter in Nordamerika spielen, ihre wirtschaftlichen Kontakte nach Russland hat die Liga aber gekappt.

Inzwischen wächst bei vielen Klubs die Sorge, dass ihre russischen Stars Probleme bei der Rückkehr zur neuen Saison bekommen könnten. Deshalb rieten mehrere Klubmanager, aber auch Spielerberater den russischen Profis, den Sommer in Nordamerika oder in der EU zu verbringen. Außerdem wurde ihnen untersagt, den Stanley Cup in ihre russische Heimat mitzunehmen.

vgl/krä/dpa
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