England vor Viertelfinal-Einzug Bloß nicht gegen Deutschland

Nur knapp entgingen Englands Fußball-Frauen einer Blamage. Im Duell mit Neuseeland brauchte der Favorit viel Glück für den Sieg, nun ist das Viertelfinale nah. Dort fürchten die Britinnen schon jetzt einen möglichen Gegner: Deutschland.

Nationalspielerin Williams: Holpriger Sieg gegen den Außenseiter
DPA

Nationalspielerin Williams: Holpriger Sieg gegen den Außenseiter

Von , Dresden


Jill Scott ruderte mit den Armen, als habe sie vor, gleich in den wolkenverhangenen Dresdner Abendhimmel zu entschwinden. Doch kurz darauf stürzten sich Casey Stoney und Sophie Bradley auf die Verteidigerin und vereitelten den Plan. Während die drei Engländerinnen feierten, atmete ihre Trainerin erst einmal kräftig durch. Hope Powell wusste, dass der 2:1-Sieg gegen Neuseeland nicht nur eminent wichtig, sondern auch ziemlich glücklich zustande gekommen war: "Neuseeland hat uns das Leben besonders in der ersten Halbzeit schwer gemacht", bilanzierte sie in der Pressekonferenz, "und das ist jetzt keine Floskel. "

Wohl wahr: Gut eine Stunde lang hatte der krasse Außenseiter aus Neuseeland das Spiel bestimmt, hatte engagiert, teilweise leichtfüßig Fußball gespielt und die englischen Leistungsträgerinnen nicht zur Entfaltung kommen lassen. Entsprechend verdient war die Halbzeitführung. Nachdem Amber Hearn auf der rechten englischen Abwehrseite weitgehend ungestört Richtung Grundlinie laufen und in die Mitte passen konnte, kamen weder Casey Stoney noch Rachel Unitt mit Sarah Gregorius zurecht. Auch Keeperin Karen Bardsley wirkte überrascht, als der Ball im Tor war (18.).

"Es ist schon ein großartiges Gefühl, gegen so eine Macht im Fußball in Führung zu liegen", gab Coach John Herdman zu. "Besonders, wenn man selbst eine Rugbynation ist." Mit ein wenig Glück, fand Herdman, hätte das Spiel auch 2:2 ausgehen können. Dass ein Remis alles andere als unverdient gewesen wäre, sagte er nicht. Es war aber so.

Kelly Smith angeschlagen, Trainerin Hope Powell sauer

Doch es kam anders, die Britinnen haben mit vier Punkten in der Gruppe B beste Chancen auf das Viertelfinale. Das lag an einer enormen Leistungssteigerung. Zuvor war die Mannschaft schwerfällig zu Werke gegangen und hatte zusätzlich das Handicap zu verkraften, dass die beste Individualistin, Kelly Smith, bereits nach sieben Minuten umgeknickt war und sich angeschlagen bis zum Schlusspfiff durchschleppte. "Unsere Flanken", ärgerte sich Trainerin Hope Powell, "waren in der ersten Hälfte reine Zufallsprodukte. Wir haben uns in der Halbzeit vorgenommen, das nach dem Wechsel besser zu machen." In der zweiten Hälfte gelang das deutlich besser.

"Jill sagte in der Halbzeit zu mir: Bring den Ball in den Strafraum und ich haue ihn rein", verriet Außenverteidigerin Alex Scott nach dem Spiel gut gelaunt. Sie war von der Fifa zur "Spielerin des Spiels" gewählt worden, wohl vor allem deswegen, weil sie genau das getan hatte, was sie Scott geheißen hatte. Ihre Hereingabe nickte die Mittelfeldspielerin zum Ausgleich ein - was der gegnerische Trainer John Herdman in einer sympathischen Mischung aus Fatalismus und Humor kommentierte: "Was will man machen? Die ist sechs Fuß groß und springt noch mal sieben in die Höhe. Dann ist der Ball eben drin."

Beim Ozeanienmeister, der zuvor in drei WM-Endrundenteilnahmen noch keinen Sieg hatte landen können, schwanden nun immer mehr die Kräfte. Das Tor durch Jessica Clarke (81.) war die logische Folge der drückenden Überlegenheit des Favoriten. Und wichtig war der Treffer noch dazu.

"Das ist eine verrückte Frage"

Nach dem überraschenden 1:1 gegen Mexiko brauchte England schließlich unbedingt einen Sieg im zweiten Gruppenspiel, um sicher in die Endrunde zu kommen. Zumal Hauptkonkurrent Japan nicht einmal zwei Stunden zuvor gegen den gleichen Gegner in Leverkusen ein ziemlich beeindruckendes 4:0 vorgelegt hatte und bereits vor dem Anpfiff in Dresden fürs Viertelfinale qualifiziert war. Die Engländerinnen haben mit nunmehr vier Punkten allerbeste Chancen, den Japanerinnen nachzufolgen. Damit es anders kommt, müsste England am Dienstag gegen Japan verlieren und Mexiko zeitgleich mit mindestens vier Toren Differenz gegen Neuseeland gewinnen.

Einen Grund, sich nun freudig zurückzulehnen, gebe es aber nicht, warnte Hope Powell. "Wir müssen gegen Japan so spielen, wie wir das können. Und gemessen an dem, was wir heute gezeigt haben, ist da noch viel Luft nach oben." Sprach's und wollte gerade Richtung Mannschaftbus gehen, als dann doch noch eine letzte Frage im Raum stand. "Ob es mein Ziel ist, im Viertelfinale auf Deutschland zu treffen? Entschuldigung, aber das ist wirklich eine verrückte Frage. Mein Ziel ist, die nächste Runde zu erreichen."



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
myoto 02.07.2011
1. Und dann verliert Deutschland
Jaja und dann kicken die Britinnen die Deutschen raus und dann kommt wieder das: "Oh, wie konnte das denn sein?". Aber zum Glück ist dann auch das WM-Gesülze vorbei, so wie jedes Mal. Immerhin ist die WM ja nur cool solange Deutschland siegt, egal ob bei Frauen oder Männern.
Flowbama 02.07.2011
2. Frauen-WM
Zitat von myotoJaja und dann kicken die Britinnen die Deutschen raus und dann kommt wieder das: "Oh, wie konnte das denn sein?". Aber zum Glück ist dann auch das WM-Gesülze vorbei, so wie jedes Mal. Immerhin ist die WM ja nur cool solange Deutschland siegt, egal ob bei Frauen oder Männern.
Das glauben sie ja wohl selbst nicht. Deutschland is konkurrenzlos, bis auf Brasilien und die USA vielleicht.
Wer ich wirklich bin, 02.07.2011
3. !
Zitat von FlowbamaDas glauben sie ja wohl selbst nicht. Deutschland is konkurrenzlos, bis auf Brasilien und die USA vielleicht.
Das sah gegen Nigeria aber ganz und gar nicht so aus. England wird natürlich trotzdem verlieren. Schon aus Prinzip.
Upaula 02.07.2011
4. Reporter
Nichts gegen Ihren Reporter Christoph Ruf, der diesen Artikel schrieb, aber die Erwähnung seines Herzens für kleine Vereine und unterklassige Ligen finde ich im Zusammenhang mit der Frauen-Fußball-WM und der Verteidigung des Titels der deutschen Mannschaft bestenfalls unsensibel oder gedankenlos....
satissa 02.07.2011
5. Wird schon nicht passieren
Zitat von sysopNur knapp entgingen Englands Fußball-Frauen einer Blamage. Im Duell mit Neuseeland brauchte der Favorit viel*Glück für*den Sieg, nun ist*das Viertelfinale nah. Dort*fürchten*die Britinnen*schon jetzt einen möglichen Gegner: Deutschland.*** http://www.spiegel.de/sport/0,1518,771916,00.html
F gegen D = Unentschieden, da beide Teams weiter sind. F Gruppensieger gegen den Gruppenzweiten England, D als Gruppenzweiter gegen Japan. Aber was soll es, als Weltmeister muss man alle schlagen, egal in welcher Reihenfolge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.