Traditionalisten gegen Modernisierer Wie der Sport Esports die Anerkennung verweigert

Die Große Koalition wollte Esports als Sport anerkennen – doch daraus wird nichts. Denn Esports hat mächtige Gegner, gegen die auch Staatsministerin Dorothee Bär nicht ankommt. Wird hier eine große Chance verpasst?

Im Jahr 2018 hatte die sich frisch formierende Bundesregierung für unerwartete Euphorie in der deutschen Gamingszene gesorgt. In ihrem Koalitionsvertrag versprach die Große Koalition Esports die vollwertige Anerkennung als Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht. In diesem Herbst stehen allerdings bereits die nächsten Bundestagswahlen an und mittlerweile ist klar: Die Regierung wird ihre Zusage nicht einhalten.

Über drei Jahre hatten Expertinnen und Experten in Arbeitsgruppen diskutiert, es gab Bundestagsanhörungen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sowie dem Esports-Bund Deutschland (ESBD), und auch im Bundestag wurde auf Initiative verschiedener Fraktionen aus der Opposition immer wieder über das Thema diskutiert. Während der DOSB seine Abwehrhaltung mit einem Gutachten untermauerte , hatte bei den Bundestagsdebatten vieles darauf hingedeutet, dass die Förderung auf eine breite Zustimmung bei allen Parteien trifft.

Auf eine neuerliche Anfrage der Grünenfraktion hin gab das Bundesinnenministerium jedoch kürzlich bekannt , in dieser Legislaturperiode seien keine weiteren Maßnahmen zur Förderung des Esports in Deutschland geplant. Es hätte auch sagen können: Der Inhalt des Koalitionsvertrags wird nicht umgesetzt.

Unzureichende Förderangebote

Eine Anerkennung als Sport würde bedeuten, dass bestehende und geplante Esports-Initiativen genau wie der traditionelle Sport finanziell gefördert werden könnten. Unterstützung bei der Finanzierung von Sportgeräten, Räumlichkeiten und einer professionellen Betreuung könnte so unkompliziert beantragt werden. Auch klassische Sportvereine könnten ihr bestehendes Sportangebot um eine Esports-Sparte erweitern, ohne Gefahr zu laufen, damit die Gemeinnützigkeit des gesamten Vereins zu riskieren.

Aus dem Bundesinnenministerium heißt es, Esports-Projekte könnten auch unter den bestehenden Rahmenbedingungen finanziell gefördert werden. Etwa über Satzungszwecke wie Jugendarbeit oder Bildung. Esports-Experten halten dagegen, das sei keine praxisnahe Grundlage, um Esports-Angebote aufzubauen.

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Esports, so die Argumentation aus der Breitensportbewegung des digitalen Sports, sei schon lange kein reines Jugendphänomen mehr. Deshalb sollten auch Angebote als förderungswürdig eingestuft werden, die sich an Menschen richten, die älter als 27 Jahre sind.

Wer vertut hier eine Chance?

Im Podcast sprechen wir mit Dorothee Bär, der Staatsministerin für Digitalisierung. Auf ihre Initiative hin wurde das Thema Esports, verbunden mit der Forderung nach vollständiger Anerkennung als Sport, in den Koalitionsvertrag aufgenommen. Bär berichtet über ihre Kämpfe mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Esports-Skeptikern in den eigenen Reihen.

Mit Omid Nouripour, Bundestagsabgeordneter der Grünen, reden wir darüber, wie die Opposition das Vorgehen der Bundesregierung bei der Umsetzung ihres Plans beurteilt. Nouripour sagt, die meisten Mitglieder der Koalition hätten von Anfang an nicht verstanden, was sie sich in ihr Programm geschrieben haben, und hätten in der Folge gar kein Interesse daran gehabt, das Versprechen wirklich einzulösen.

Bei Michael Schirp vom DOSB fragen wir nach, wie man im organisierten Sport auf die Entwicklung blickt und wo die Bedenken der Dachorganisation des deutschen Sports liegen, Esports als Sport anzuerkennen.

Und wir sprechen mit Martin Müller, Vizepräsident des ESBD. Er berichtet, wie das politische Hin und Her in der Esports-Szene aufgenommen wurde und warum er überzeugt ist, dass der traditionelle Sport mit seiner Abwehrhaltung eine große Chance verpasst.