Männerdominanz Esports – junge Szene, alte Fehler

Der Esport kennt keine Geschlechtertrennung. Aber im Profibereich spielen fast ausschließlich Männer. Wie lässt sich das ändern?

Im polnischen Katowice findet gerade mit dem IEM eines der Highlights des Esport-Jahres statt. Auf der großen Bühne der Spodek-Arena messen sich die 24 besten »Counter-Strike«-Teams der Welt und spielen ein Preisgeld von einer Million US-Dollar (knapp 830.000 Euro) aus.

Wer sich den Titel sichert, scheint noch ziemlich offen. Vorjahressieger Natus Vincere hat gute Aussichten, muss aber, wie bei jedem großen Turnier, auf dem Weg zum Erfolg an den Dänen von Astralis vorbei. Andere Experten sehen das Team Vitality vorne. Sicher ist nur eines: Die Siegprämie wird am Ende, wie immer im Esport, unter Jungs aufgeteilt.

Das ist nicht nur bei »Counter-Strike« so, auch in anderen großen Titeln wie »Dota 2« oder »League of Legends« spielen in der Weltspitze ausschließlich Männer. Dabei müsste das gar nicht so sein.

In Titeln wie »Counter-Strike« oder »League of Legends« gibt es eine eigene Frauen-Szene

In Titeln wie »Counter-Strike« oder »League of Legends« gibt es eine eigene Frauen-Szene

Foto: Rebeca Figueiredo Amorim / Getty Images

Der Esport trennt nicht, wie viele klassische Sportarten, zwischen Männer- und Frauen-Wettbewerben. Dass Teams, wie in der Szene üblich, komplett männlich aufgestellt sind, folgt keiner Vorgabe. Sie könnten auch gemischt oder komplett mit Frauen besetzt sein. Denn theoretisch spielt im Esport das Geschlecht keine Rolle. Dennoch zeigt sich in der Praxis, dass es noch immer eine Seltenheit ist, dass es Frauen im Esport an die Spitze schaffen.

Hoffnung in den Einzeldisziplinen

In Katowice wird neben dem »Counter-Strike«-Turnier auch ein »Starcraft 2«-Wettbewerb ausgetragen. Bei diesem Event, das in einer kleineren Nebenhalle ausgetragen wird, tritt auch die Kanadierin Sasha »Scarlett« Hostyn an. Sie misst sich seit Jahren als meist einzige weibliche Teilnehmerin erfolgreich mit den männlichen Kollegen der Szene. Das gilt auch für die Chinesin Li »Liooon« Xiaomeng, die im digitalen Kartenspiel Hearthstone sogar amtierende Weltmeisterin ist.

Die beiden erfolgreichen Esportlerinnen bleiben bislang jedoch eher die Ausnahmen. Was auffällt: Zu Erfolgen haben sie es in Einzeldisziplinen gebracht. In den größeren Wettbewerben, die allesamt in Teams ausgespielt werden, sucht man weiter vergeblich nach Spielerinnen.

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Um besser zu verstehen, warum es für Spielerinnen so schwer ist, sprechen wir in unserem Podcast Game Changer mit Marlies »Maestra« Brunnhofer. Die »League of Legends«-Spielerin hat den Sprung von der reinen Frauen-Szene in die gemischte Szene gewagt und dort höher gespielt, als die meisten Frauen vor ihr.

Mit Anna Baumann sprechen wir darüber, warum in den Teams London Royal Ravens und Rogue, die sie mit verantwortet, keine Spielerinnen im Kader sind – und was passieren müsste, damit sich das zukünftig ändert.

Da das Problem der mangelnden Diversität sich zwar im Esport besonders deutlich zeigt, dort aber nicht seinen Ursprung hat, gehen wir mit der Games-Expertin Nina Kiel auf Spurensuche. Mit ihr sprechen wir darüber, welche Hürden Mädchen und Frauen noch immer an einer erfolgreichen Esports-Karriere hindern.