Sponsoring-Protest im E-Sport 14 Stunden Aufschrei

Die europäische League-of-Legends-Liga LEC hat eine Kooperation mit dem saudischen Großbauprojekt Neom bekanntgegeben - und diese kurz darauf wieder aufgekündigt. Wie kam es zum Sinneswandel?
Die Kommentatorin Indiana "Froskurinn" Black äußerte öffentlich Kritik an der LEC

Die Kommentatorin Indiana "Froskurinn" Black äußerte öffentlich Kritik an der LEC

Foto: Michal Konkol/ Riot Games

Im E-Sport bewegen sich die Dinge schnell. Aktuelles Beispiel: Der bislang größte Aufreger in der europäischen League-of-Legends-Geschichte spielte sich innerhalb von gerade einmal 14 Stunden ab.

So viel Zeit lag zwischen der Ankündigung  der Europäischen League-of-Legends-Liga LEC, mit Neom als einem neuen Hauptsponsor in die Rückrunde der Saison zu starten, und der Absage  dieser Partnerschaft. So kurz diese auch angedauert hat, die Langzeitfolgen für die europäische League-of-Legends-Szene sind noch nicht abzusehen.

Neom ist ein Großbauprojekt der saudi-arabischen Königsfamilie. Die dafür ausgewählte Fläche ist 30 Mal so groß wie New York, das Projekt soll 500 Milliarden US-Dollar kosten.

Doch Fans der Szene waren schnell gegen diesen Partner. Sie beriefen sich nicht nur auf Berichte über die gewaltsame Vertreibung der indigenen Bevölkerung, sondern bemängelten auch, eine Kooperation mit dem Prestigeprojekt des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman verrate die eigenen Ideale.

Die LEC engagiert sich für die LGBTQI+-Community und hat derzeit das eigene Logo in Regenbogenfarben getaucht. Saudi-Arabien zählt jedoch zu den Ländern, in denen die LGBTQI+-Community weltweit die wenigsten Rechte genießt  und in der ihre Mitglieder um das eigene Leben fürchten müssen.

Kurswechsel über Nacht

Am Mittwochnachmittag hatte die LEC den Deal über ihren offiziellen Twitter-Kanal bekanntgegeben, nur wenige Minuten später folgten heftige Reaktionen. Es waren nicht nur Fans, die ihren Unmut über die sozialen Medien teilten. Auch Mitarbeiter der LEC kritisierten ihren Arbeitgeber öffentlich.

Eefje "Sjokz" Depoortere, langjährige Moderatorin der Liveübertragungen, schrieb auf Twitter: "Ich bin furchtbar enttäuscht." Die Kommentatorin Indiana "Froskurinn" Black äußerte sich ebenfalls entsetzt über die Ankündigung und ergänzte: "Das hat nicht irgendjemand in einer weit entfernten Firmenzentrale entschieden. Ich weiß, wer das verantwortet, und fühle mich zum Schweigen verdammt."

Doch auch in Kalifornien, dem Sitz des US-Herstellers Riot Games, regte sich Widerstand. Mark Yetter, führender League-of-Legends-Gameplaydesigner, schrieb auf Twitter: "Der E-Sport braucht Sponsoren, um zu wachsen, aber nicht auf Kosten von Menschenleben und Freiheit."

In der Nacht zu Donnerstag teilte die europäische Liga mit, dass die Zusammenarbeit mit Neom aufgekündigt wurde. In einem Statement schrieb Alberto Guerrero, Geschäftsführer E-Sport, es sei wichtig, Fehler anzuerkennen und sie schnell zu beheben. Er kündigte an, die internen Strukturen zu überprüfen.

Saudi-Arabien und der E-Sport

Die europäische League-of-Legends Liga besteht seit 2013. Im Jahr 2019 wurde sie in LEC (League of Legends European Championship) umbenannt und ein Franchise-Modell eingeführt. Seitdem arbeitet die Liga mit großen und teilweise auch kontroversen Sponsoren wie Shell, Kitkat oder Red Bull zusammen.

Saudi-Arabien engagiert sich nicht nur immer stärker als Ausrichter traditioneller Sportveranstaltungen; Stichwort: Sportwashing. Das Land treibt auch seine Bemühungen im Bereich E-Sport immer weiter voran. Unter Federführung der Saudi Arabian Federation for Electronic and Intellectual Sports (Safeis) plant das Land, sich mit Neom als neuem Technologie-Standort zu einem globalen Zentrum der Gaming-Szene zu entwickeln.

Bereits einen Tag vor der Ankündigung der Partnerschaft mit der europäischen League-of-Legends-Liga wurde ein erster Schritt in diese Richtung getan. Am Dienstag hatte die Counter-Strike-Turnierserie Blast Premier ebenfalls eine Kooperation mit Neom verkündet. Auch hier wurde Kritik an der Zusammenarbeit laut. Diese hat jedoch weiterhin Bestand.

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