Radprofi Jakobsen über seinen schweren Unfall »Das ist ein Sport, kein Krieg, bei dem es keine Grenzen gibt«

»Kaffeefahrttempo« ist wieder möglich: Fabio Jakobsen sitzt nach seinem schweren Unfall bei der Polen-Rundfahrt wieder auf dem Rad. Mit Sturzverursacher Dylan Groenewegen will er sich aber noch nicht treffen.
Fabio Jakobsen (l.) krachte bei der Polen-Rundfahrt in die Absperrung – mittlerweile kann er wieder Rad fahren

Fabio Jakobsen (l.) krachte bei der Polen-Rundfahrt in die Absperrung – mittlerweile kann er wieder Rad fahren

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Tomasz Markowski/ AP

Radprofi Fabio Jakobsen kann nach seinem schweren Unfall bei der Polen-Rundfahrt im vergangenen August wieder trainieren – zumindest im »Kaffeefahrttempo«, wie er der niederländischen Zeitung »AD«  nun in seinem ersten Interview seit dem Sturz gesagt hat. Verarbeitet hat er den Unfall, durch den er sich mehrere Knochen brach, zwei Tage im Koma lag und noch danach auf der Intensivstation um sein Leben fürchtete, aber nicht.

Jakobsen war im Zielsprint der ersten Etappe der Polen-Rundfahrt von Landsmann Dylan Groenewegen bei einer Geschwindigkeit von über 80 Kilometer pro Stunde ins Absperrgitter gedrückt worden. Auf die Frage, ob er Groenewegen die Schuld gebe, sagte Jakobsen: »Ja, in gewisser Weise. Ich bin nicht so aufgeschlossen, um zu sagen, dass er keine Schuld hat. Vor allem tut es mir leid. Leid für mich, für ihn, für unsere Teams.«

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Jakobsen hat sich die Fernsehaufnahmen des Unfalls angesehen. Den Grund für Groenewegens Handeln kann Jakobsen nicht nachvollziehen. »Es ist schwer für mich zu verstehen, warum er das getan hat. Hat er mich nicht gesehen? Ist er zu viel Risiko eingegangen? Wollte er um jeden Preis gewinnen?«, sagte der 24-Jährige: »Er hätte die Konsequenzen bedenken müssen. Wir sind menschliche Wesen, keine Tiere. Das ist ein Sport, kein Krieg, bei dem es keine Grenzen gibt.«

Jakobsen noch nicht bereit für Treffen mit Groenewegen

Groenewegen und er hätten Nachrichten ausgetauscht, so Jakobsen. Auch nach einem Treffen habe Groenewegen gefragt. »Ich kann verstehen, dass diese Angelegenheit schwer auf seiner Seele lastet und dass er damit abschließen will. Aber ich bin noch nicht bereit dazu. Zunächst möchte ich mehr darüber erfahren, wie mein Heilungsprozess voranschreitet. Je besser es mir geht, desto besser ist es für ihn«, sagte Jakobsen. Groenewegen habe ihn nicht verletzen wollen.

Die Dauer der Sperre für seinen Landsmann sieht Jakobsen jedoch kritisch. Neun Monate seien zwar eine lange Zeit, ein großer Teil der Sperre falle aber in die Saisonpause. Effektiv verpasst Groenewegen nur etwa zwei Monate der regulären Rennsaison – für Jakobsen ist das zu wenig. »Man muss bedenken, dass er das Leben von jemandem riskiert hat, weil er so gefährlich gesprintet ist«, so Jakobsen. »Wir müssen das Sprinten im Kamikaze-Stil ohne Rücksicht auf andere Fahrer beenden. Dieser Vorfall sollte als Präzedenzfall dienen: Der Nächste, der so etwas abzieht, wird für mindestens ein halbes Jahr gesperrt.« Rennjurys hätten in der Vergangenheit nicht konsequent durchgegriffen.

Jakobsen geht davon aus, dass er in Zukunft wieder körperlich in der Lage sein kann, Profirennen zu fahren. Ob er dann auch wieder Mut für einen Sprint schöpfen könne, fragte »AD«. »Ich denke schon«, sage Jakobsen: »Aber das werde ich erst in dem Moment mit Sicherheit wissen, wenn ich mitten in einem Massensprint stecke.«

ptz
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