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PFERDE-DOPING Faktor X im Spiel

aus DER SPIEGEL 48/1954

Am Mittwoch der vergangenen Woche, der in weiten Teilen der Bundesrepublik als Bußtag begangen wurde, kam dem »Direktorium für Vollblutzucht und Rennen« in Köln-Weidenpesch ein höflicher, aber bitterer Brief ins Haus. Pferde-Trainer Karl Keller, 57, ließ darin durch seinen Rechtsanwalt zunächst einmal anfragen, wie sich Deutschlands oberste Galopp-Behörde zu seinem Schadensersatz-Anspruch stellen würde.

Von jenen sechs Trainern, die Anfang August durch den Ordnungsausschuß des Renn-Direktoriums wegen angeblicher Anwendung verbotener leistungssteigernder Drogen ("Doping") bestraft worden waren, wurde Karl Keller am härtesten getroffen. Während die Kollegen nur mit Geldstrafen belegt wurden, entzog man Keller gleich seine Lizenz. Drei Jahre hätte der grauhaarige, nervöse Pferdenarr ohne Existenz-Grundlage den Tücken seines Berufes nachsinnieren können, wenn nicht am 6. November die Berufungs-Instanz, das Renn-Schiedsgericht, zusammengetreten wäre und alle sechs freigesprochen hätte. Begründung: Verbotene Drogen könnten nur dann mit Sicherheit nachgewiesen werden, wenn davon mehr als 0,1 Milligramm in der dem Pferd abgezapften Probe festgestellt würden. Abgesehen von vier Fällen, sei das gefundene Doping-Quantum aber stets geringer gewesen.

Für Trainer Keller ist der Freispruch nur eine unvollkommene Genugtuung. Bevor das Direktorium dahinterkam, daß die chemischen Analysen der Doping-Proben nichts beweisen konnten, hatte er nämlich drei Monate lang am Rande der Nerven-Zerrüttung privatisieren und außerdem mitansehen müssen, wie sein Stellvertreter mit seinen, Kellers, Pferden 140 000 Mark an Renn-Gewinnen einheimste. Da Keller 10 Prozent der Einnahmen bekam, sind ihm in der Zeit seiner Suspension runde 14 000 Mark entgangen.

Darüber, ob die Verurteilung im August nicht mit fahrlässiger Voreiligkeit zusammengezimmert war, enthält sich Karl Keller wohlweislich der Meinung. Indessen kann er das ungemütliche Gefühl nicht loswerden, daß sich die ganze Doping-Kampagne, die den Sommer über die Rennsport-Enthusiasten in Atem hielt, vorzüglich gegen ihn richtete.

Was den Stall Keller besonders suspekt machte, war der Umstand, daß manche seiner erfolgreichsten Pferde in großen und namhaften deutschen Gestüten ein wenig beachtetes Aschenbrödel-Dasein geführt hatten, bevor sie von kapitalkräftigen Schweizer Besitzern gekauft und dem schweizerischen Staatsbürger Karl Keller in Obhut gegeben wurden. Unter Kellers Händen entwickelten die Ausschuß-Rosse plötzlich ein tolles Renntalent. Der Hengst Nizam beispielsweise, der vom Stall Erlenhof für 12 000 Mark abgetreten worden war, brachte seinem neuen Züricher Besitzer bis Anfang November 1954 die hübsche Summe von 57 150 Mark ein.

Da zudem in den letzten Jahren allerlei Schauermärchen von quacksalbernden Dunkelmännern auf den Rennbahnen die Runde machten, lag die Behauptung nicht mehr allzu fern, daß an Kellers Siegesserien etwas faul sein müsse. Jedenfalls verlangten gerade die Konkurrenz-Rennställe eine rigorose Untersuchung.

An der Planung des Anti-Doping-Feldzuges wirkte hauptsächlich der ehemalige Generalstabs-Oberst Carl-Heinz Nette als

Beauftragter des Direktoriums. Für die Durchführung engagierte man gegen 600 Mark Monatsgehalt einen weithin unbekannten Tierarzt namens Dr. Karl Hauser. Wer den Oberst a. D. fragt, wodurch sich gerade dieser Dr. Hauser empfohlen habe, hört nichts über einschlägige praktische Erfahrungen, sondern: »Er hat ''ne ganze Menge Artikel geschrieben über Doping und Fütterungslehre. Außerdem hatte er wirklich kolossal reichhaltige Unterlagen und sehr interessante Literatur.«

Welchen Pferden der schriftenkundige Dr. Hauser die Speichel-, Schweiß- und Urinproben abnehmen sollte, bestimmte Carl-Heinz Nette gemeinsam mit der jeweiligen Rennleitung. Die Proben gingen in verschlossenen und versiegelten Kästen zunächst an das Laboratorium des Diplom-Chemikers Dr. Hans Schwäbe in Köln-Klettenberg, Siebengebirgsallee 177. Dort wurde ein Teil jeder Probe untersucht, ein anderer Teil konserviert und an das für den altehrwürdigen britischen Jockey-Club tätige chemische Institut Herd & Mundy, London W 1, weitergeschickt.

Vergeblich hatten Beauftragte des Direktoriums versucht, ein staatliches (gerichtsmedizinisches oder Universitäts-) Institut für die wissenschaftliche Untersuchung der Abstriche zu gewinnen. Alle angesprochenen Stellen zogen es vor, von einer derart heiklen Sache die Finger zu lassen.

Der launische Zufall wollte es, daß das erste von allen untersuchten Pferden Karl Kellers »Tessino« war. Keller: »Es war uns ganz wurscht, wen es traf, uns konnte ja nichts passieren.« Zunächst passierte auch nichts. Die Analysen erbrachten bei sieben Pferden negative Ergebnisse.

Aber am 6. Juli haspelten die Stalljungen auf den Rennbahnen aufgeregt: »Den Keller haben sie beim Dopen geschnappt.« Was vorher den kundigsten Tierärzten mißlungen war, das hatte der tatendurstige Dr. Hauser fast auf Anhieb zuwege gebracht: Bei Karl Kellers »Blaugold«, dem Sieger im Frauengold-Rennen in Horst-Emscher, wurde die Anwendung unerlaubter Mittel festgestellt.

Die allgemeine Stimmung im Großen Hauptquartier nach dem ersten Treffer

beschreibt Generalsekretär de Beaulieu so: »Gott sei Dank, der Apparat scheint zu funktionieren.« Auch im Ausland wurde ja gedopt, in Frankreich war im vorigen Jahr ein Übeltäter erwischt worden. In Deutschland aber blieb es nicht bei dem einen Fall. Weitere kamen hinzu, genau siebenundzwanzig an der Zahl.

»Claretta« und »Tamara« waren die nächsten Opfer. Dann unterbrachen siebzehn negative Befunde die tolle Trefferserie. Aber um die Sonnenwende herum landeten die Kreuzritter der Rennmoral einen weiteren glänzenden Coup. Am 20. Juni waren in Krefeld, der Untersuchung zufolge, gleich zwei Pferde gedopt, »Nardus« und »Ama«. Krefeld mußte eine sportliche Lasterhöhle sein. Denn an gleicher Stätte galoppierte nur drei Tage später »Cousinchen« ebenfalls mit chemischer Beschleunigung. Alle angeblich gedopten Pferde wurden für einen Monat disqualifiziert.

Als aus Köln die Fälle der Pferde »Sari« und »Feuerblick« ruchbar wurden - inzwischen war für die Aufdeckung eine Belohnung von 10 000 Mark ausgesetzt worden - , schritt die erschütterte Rennbehörde

zu Taten. Im Zweifelsfalle trägt der Trainer das Risiko. Also bestrafte der Ordnungsausschuß die Trainer, »weil durch ihr Verschulden die Anwendung des Dopingmittels ermöglicht wurde«.

Die Trainer Edler, Lochow, Bützer, Vaas und Hauser wurden, je nach Einkommen und Vermögen, zu Geldbußen von 2000 und 3000 Mark, zahlbar an die Unterstützungskasse der Berufsangehörigen des Rennsports, verurteilt. Nicht so gnädig verfuhr das Gericht mit Karl Keller. Es entzog ihm »wegen Verstoßes gegen die Rennordnung in zwei Fällen« (Blaugold und Feuerblick) für drei Jahre die Trainerlizenz. »Gemäß internationaler Usance« schloß sich der Schweizer Verband dem Urteilsspruch an.

Das Gericht hatte sich auch dadurch nicht beirren lassen, daß die Begleitumstände der angeblich beeinflußten Rennen nahezu samt und sonders gegen unlautere Machenschaften sprachen. Die Pferde selbst verrieten keinerlei verdächtige Unruhe, sondern gingen, »Nardus« ausgenommen, mit gelassener Routine an den Start. Wenn sich überhaupt jemand auf das gefährliche Geschäft des Dopens einläßt, so tut er es im Normalfall, um durch den Sieg eines

Außenseiters außer dem Rennpreis auch noch hohe Wett-Quoten einzustreichen. »Claretta«, »Tamara« und »Ama« waren in ihren Rennen klare Favoriten gewesen, die anderen, abgesehen von »Cousinchen«, zumindest sehr aussichtsreich. Bei »Cousinchen« ging aus der überdimensionalen Quote von 1355:10 hervor, daß auch hier kein Wett-Coup gelandet sein konnte. Keines der Rennen war ungewöhnlich hoch dotiert gewesen.

War schon die Vorstellung absurd, daß die Doping-Drahtzieher ohne nennenswerten Gewinn, sozusagen aus purem Vergnügen an der Sache arbeiteten - das Doping eines Pferdes aus dem honorigen Stall Schlenderhan (Ama) war eine glatte Unwahrscheinlichkeit, die auch fanatische Tempelkehrer mißtrauisch machen mußte. Zuchtfunktionär Châles de Beaulieu entsinnt sich denn auch: »In diesem Augenblick wurde ich nachdenklich.«

Trainer Keller hätte, nachdem er bereits mit »Blaugold« und »Feuerblick« aufgefallen war, nach allen Regeln menschlicher Vernunft seine unmoralischen Taten einstellen müssen. Es widersprach durchaus der kriminalistischen Logik, daß im

Laboratorium auch an einer Probe, die dem Keller-Pferd »Stani« am 1. August, also vor Kellers Verbannung, entnommen worden war, Doping-Spuren festgestellt wurden. Beaulieu: »Da wurde ich schwankend.«

Die bestraften Trainer Edler und Keller überließen ihre Pferde unbelasteten Kollegen. Wer jedoch annahm, daß die Vollblüter nun, von den stimulierenden Giften ausgebrannt, zusammenbrechen oder doch wenigstens ins klägliche Mittelmaß zurückfallen würden, sah sich abermals getäuscht. »Stani« wurde derart mobil, daß er zur europäischen Extraklasse aufrückte. In ähnlicher Weise steigerte sich der von dem verknackten Trainer Edler abgetretene »Nardus« unter seinem neuen Betreuer. Er gewann sogar das begehrte und berühmte »St. Leger«.

Unheimlich war schon der Prozentsatz der Pferde, die sich angeblich in vergiftetem Zustand auf deutschen Rennbahnen tummelten. Nach den chemischen Analysen rannten in den Monaten Mai, Juni und Juli in jedem fünften der zur Untersuchung bestimmten Wettkämpfe gedopte Pferde mit. Wer diese Ziffern auf den gesamten deutschen Rennsport übertrug, blickte in ein einziges stinkendes Sündenbabel.

Während die fleißigen Wissenschaftler weiterhin in beklemmender Folge positive Ergebnisse meldeten, die das verstörte Direktorium schon nicht mehr veröffentlichte, entschloß sich Generalsekretär de Beaulieu, »die Untersuchungs-Methode überprüfen zu lassen«. Aus der Tierärztlichen Hochschule Hannover eilte der Pharmakologe Professor Völker herbei, überprüfte und fand sowohl die Proben-Entnahme als auch die Labor-Destillationen

»einwandfrei«. Anfechtbar seien, so belehrte Völker die Herren vom Direktorium, lediglich die Ergebnisse. Bei Mengen von weniger als 0,1 Milligramm seien nämlich Irrtümer möglich.

Bevor jedoch die wissenschaftliche Erleuchtung zum Freispruch der sechs Trainer führte, war das Doping-Mysterium der Kölner Kriminalpolizei zur weiteren Bearbeitung übergeben worden. Die fand in dem Trainer Karl Keller ein besonders seltenes Exemplar eines mutmaßlichen Sünders. Sobald nämlich Karl Keller hörte, daß die Polizei eingeschaltet worden war, kam er aus freien Stücken in die Amtsstube, bat um genaue Untersuchung und bot seine Mithilfe bei der Fahndung an. Geduldig unterzog er sich den längsten Verhören (Keller: »Insgesamt ungefähr dreißig Stunden") und ließ ohne Widerspruch eine Haussuchung in seiner Privatwohnung veranstalten.

Und noch etwas war geschehen, lange vor dem Trainer-Freispruch. Der Kölner Tierarzt und Vertrauens-Veterinär des Gestüts Schlenderhan, Dr. Pade, hatte von einem seiner Assistenten, der zufällig eine Praxis in der Pfalz übernehmen wollte, interessante Einzelheiten über das Vorleben des Direktoriums-Arztes Dr. Hauser erfahren. Diese Angaben wurden ihm am 1. September in einem Telephongespräch mit Zweibrücken in der Pfalz bestätigt.

In Zweibrücken war der damals 25jährige Hauser 1945 aufgetaucht und hatte um eine Anstellung im Städtischen Schlachthof gebeten. Als der Schlachthof-Direktor wegen seiner Partei-Zugehörigkeit interniert wurde, übernahm Hauser dessen Funktion und Wohnung und führte sich, wie man in Zweibrücken zu berichten weiß, fortan ausgesprochen gönnerhaft auf.

Was dem Dr. Pade aber an dem Vorleben seines Kollegen mißfiel, waren jene Manipulationen, die von der Großen Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken als Vergehen gegen das Lebensmittelgesetz und das Fleischbeschaugesetz geahndet wurden. Dr. Hauser hatte Fleisch, das er selbst für miliar-tuberkulös erklärt hatte, ins Kühlhaus schaffen lassen und den Untauglichkeits-Stempel durch ein Tauglichkeits-Zeichen ersetzt. Er war 1953 zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden, hatte die Strafe allerdings nicht angetreten, sondern Berufung eingelegt*).

Weil er in früheren Zeiten von der Renn-Behörde oft als Berater herangezogen worden war und sich »dem Direktorium noch immer zugehörig« fühlte, ging Pade am 2. September zu Carl-Heinz Nette. »Ich habe nur gefragt, ob die Herren eigentlich ein Führungszeugnis oder einen Lebenslauf von Hauser gesehen hätten.« Vierzehn Tage später war Dr. Karl Hauser von den bundesdeutschen Rennbahnen verschwunden.

Wer nun beim Direktorium anfragt, wie es geschehen konnte, daß monatelang auf Grund unzureichender Untersuchungs-Ergebnisse disqualifiziert und verurteilt wurde, der erfährt von Châles de Beaulieu: »Es war unser Pech, daß wir mit der Doping-Bekämpfung in einer Zeit begannen, als die Beweiskraft der chemischen Analysen ins Schwanken kam.« Auch im Ausland hätten Größen unter 0,1 Milligramm bisher für Doping-Befunde ausgereicht, aber gerade jetzt sei die Rennchemie

*) Am 4. Oktober verurteilte die Große Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken Dr. Hauser abermals, diesmal zu neun Monaten Gefängnis mit zweijähriger Bewährungsfrist. Hauser legte wieder Berufung ein. überall von einer Revolution ergriffen worden.

Immerhin kristallisierten die emsigen Chemiker in Köln und London gleich in 28 Fällen verbotene Substanzen aus Speichel und Urin. Wenn es sich auch meistens nur um Quantitäten von einigen Hundertstel-Milligramm handelte, so sind achtundzwanzig Irrtümer doch genau so undenkbar wie achtundzwanzig Dopings. Woher also kamen die mikroskopischen Mengen? Beaulieu: »Es ist ein Faktor X im Spiel."*)

Auf Mutmaßungen angewiesen, richteten die Turf-Trabanten ihren Verdacht zuerst einmal gegen die sogenannten »Zusatzfuttermittel«. Die werden von der chemischen Industrie in Norm-Packungen herausgegeben und bestehen zur Hauptsache aus Vitamin-Präparaten und anderen nahrhaften Extrakten. Zwar muß der Inhalt immer genau deklariert werden, jedoch: Wo ist heute die Grenze zwischen Nahrungsmitteln und Stimulantien?

In einer Zeit, da der ausgepreßte Ackerboden mit immer schärferem Kunstdünger malträtiert wird, können nach Ansicht der Fachleute selbst normale Futtermittel, wie Heu und Hafer, schon für die Doping-Spuren verantwortlich sein.

Manches freilich bleibt rätselhaft. Tierarzt Dr. Pade tüftelt noch heute an der Frage, wieso das Direktorium, nachdem es auf Hausers Vergangenheit aufmerksam gemacht worden war, plötzlich das aus Kalzium, Glyzerin und Phosphor bestehende Nerven-Beruhigungsmittel untersuchen ließ, das Pade an verschiedene Rennställe zu liefern pflegte. Dieses

*) Wegen dieses unbekannten Faktors wurden auch die Trainer jener Pferde, bei denen mehr als 0,1 Milligramm festgestellt worden waren, vom Schiedsgericht freigesprochen. Tonikum war nämlich mit keinem der angeblich gedopten Pferde überhaupt in Berührung gekommen. Und weiter grübelt Pade, wieso gerade in jenen Proben seiner Chemikalien, die durch Dr. Hausers Hände gingen, unerlaubte Drogen festgestellt

wurden, während die Untersuchung der übrigen Proben negativ ausfiel.

Dr. Pade entsinnt sich auch, des öfteren von maßgebenden Männern gehört zu haben, daß Hauser die Abstriche von den Rennpferden selbst mit untersucht habe - eine Darstellung, die vom Direktorium energisch dementiert wird. De Beaulieu: »Wenn der Dr. Hauser sich im Laboratorium aufgehalten hat, dann tat er es fraglos nur, weil ihn die Sache interessiert hat.« Doch ist die Tatsache nicht aus der Welt zu schaffen, daß zum Beispiel unter dem Untersuchungs-Befund des Pferdes »Feuerblick«, den Trainer Keller in seiner Doping-Akte bewahrt, neben der Unterschrift des Chemikers Schwäbe die des Tierarztes Hauser steht.

Die Schadensersatz-Forderungen des Trainers Keller stellen das Direktorium jetzt vor eine knifflige Aufgabe. Wenn das Direktorium für Kellers Verluste aufkommt, so werden sich bald auch die Gestüte melden und die abgesprochenen Renngewinne zurückverlangen. Nicht nur, daß die Preise anderen Pferden wieder abgenommen werden müßten - praktisch würden die Ergebnisse der ganzen Rennsaison umgestoßen. Denn die Erfolge und Gewinne eines Pferdes entscheiden darüber, an welchen weiteren Rennen es teilnehmen darf. Da würde es sich nun bei einer generellen Revision unweigerlich herausstellen, daß manches Pferd in manchem Rennen überhaupt nicht mitlaufen durfte.

Welcher Art jedoch der Hauptschaden ist, der den Gestüten durch die Doping-Affäre zugefügt wurde, deutete man kürzlich bei Schlenderhan an: »Wir haben die größten Schwierigkeiten, unsere Pferde ins Ausland zu verkaufen. Immer heißt es, die Pferde seien ja gedopt worden.«

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