Lizenz für 26,5 Millionen verkauft Was das Ende des Schalker Esport-Projekts bedeutet

Lange haben die Schalker Esportler gezittert, nun ist klar: Nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga kommt auch das Aus für das ambitionierte Esport-Projekt des Vereins. Der Klub bewertet es dennoch als Erfolg.
Das Halbfinale der Sommer-Playoffs 2019 in Athen war der größte Erfolg des Schalker »League of Legends«-Teams

Das Halbfinale der Sommer-Playoffs 2019 in Athen war der größte Erfolg des Schalker »League of Legends«-Teams

Foto: Michal Konkol / Riot Games

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Der FC Schalke 04 zieht sich aus der höchsten europäischen »League of Legends«-Liga LEC zurück. Es ist das Ende des bislang größten Esport-Engagements eines traditionellen Sportvereins.

Finanziell lohnt sich die Entscheidung für den Verein: Für die Franchise-Lizenz erhält der Klub 26,5 Millionen Euro. Als Gründe für die Entscheidung nennt Claudio Kasper, Geschäftsführer der Esport-Abteilung, »die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronapandemie und das Nichterreichen der sportlichen Ziele im Kerngeschäft«.

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Die über Jahre andauernde sportliche Talfahrt hat dem Verein wirtschaftlich zugesetzt . Der Abstieg stellt nun einen weiteren Einschnitt dar, der den Klub zu neuen Maßnahmen zwingt. Schalke braucht Geld. Und wenn es hart auf hart kommt, dann ist es in Gelsenkirchen am Ende der Fußball, der zählt.

»Musterbeispiel« für Sportvereine

Als Schalke 2016 in den Esport einstieg, war die Welt auf Schalke noch eine ganz andere. Der Verein zählte zu den Topklubs der Bundesliga, war beständig international vertreten. Der Blick ging nach vorn, und Schalke wollte der Esport-Pionier werden.

Neben klassischen Fußballsimulationen hatte sich der Klub mit einem eigenen »League of Legends«-Team deutlich weiter in die Szene vorgewagt als die nationale und internationale Konkurrenz. Mit seiner »League of Legends«-Abteilung spielte er direkt in der höchsten europäischen Spielklasse und erwarb 2018 für gut acht Millionen Euro einen Startplatz für die neu gegründete Franchise-Liga LEC. Der Wert dieser Lizenz hat sich nun mehr als verdreifacht.

Tim Reichert, bislang verantwortlich für die strategische Ausrichtung des FC Schalke 04 Esports, nannte das Engagement in einem Statement »sehr erfolgreich, nicht nur finanziell letztendlich, sondern für den Verein und die Marke Schalke 04«. Schalke sei ein »Musterbeispiel« für Sportvereine, wie man sein Geschäftsfeld erweitern und eine junge Zielgruppe ansprechen könne.

Nicht nur in der Esport-Abteilung selbst wird das Engagement des Klubs als Erfolg betrachtet. »Wirtschaftlich betrachtet, zählt der Esport zu unseren Geschäftsbereichen mit dem größten Wachstum«, sagte Alexander Jobst, Vorstand Marketing, Vertrieb und Organisation des FC Schalke 04. »Dass er nun in erheblichem Maße auf das Kerngeschäft des S04 einzahlt, hat eine enorme Bedeutung für uns.«

Kein sofortiges Aus

Für die »League of Legends«-Abteilung bedeutet die Entscheidung jedoch nicht das sofortige Aus für den Spielbetrieb. Aktuell tritt das Team im Summer Split der LEC, der Rückserie der Saison, an und wird die laufende Spielzeit auch regulär beenden. Sportlich läuft es allerdings nicht gut, das Team liegt auf dem vorletzten Rang.

Schwere Phasen in dem Bereich hatte der Klub in der Vergangenheit immer mit unerschütterlichem Vertrauen in sein Projekt weggesteckt. Nachdem das Team bereits in der Premierensaison abgestiegen war, hielt der Verein an seinem Engagement fest und stieg 2018 wieder auf.

Der Abstieg der Fußballer hat allerdings ganz andere Auswirkungen und hatte über Wochen für Spekulationen über die Zukunft des »League of Legends«-Teams gesorgt, auch befeuert durch den Abgang des größten Stars Felix »Abbedagge« Braun.

Ab der Spielzeit 2022 übernimmt die Esport-Organisation Team BDS den Startplatz der Königsblauen. Die Schweizer sind bereits in diversen Disziplinen wie »Rainbow Six Siege« und »Rocket League« aktiv. Mit dem »League of Legends«-Team ist BDS aktuell noch in der höchsten französischen Spielklasse LFL vertreten.

Gewissheiten und Ungewissheiten

Ob BDS die Schalker »League of Legends«-Profis in den neuen Kader übernehmen wird, wie bei ähnlichen Vorgängen in der Vergangenheit oft geschehen, ist offen. Auch für die übrigen Esportler im Klub scheint die Zukunft derzeit ungewiss.

Reichert, der den Klub verlassen wird, nennt die Entscheidung des Klubs einen »signifikanten Einschnitt« und erwartet, dass der Verein sich in diesem Bereich »weniger international, eher national« aufstellen werde. Schalke ist in »League of Legends« auch mit einem Team in der Prime League, der höchsten Liga im deutschsprachigen Raum, vertreten. Außerdem ist der Verein in den Disziplinen »Fifa« und »Pro Evolution Soccer« aktiv.

Der Schalker Rückzug sorgt in der Szene für Ungewissheiten und Gewissheiten gleichermaßen. Zum einen sendet es ein Signal in die Sportwelt, dass das bislang ambitionierteste und sichtbarste Engagement eines traditionellen Sportvereins beendet ist. Welche Schlüsse dort daraus gezogen werden, werden die kommenden Jahre zeigen.

Die Erlöse, die Schalke durch sein Engagement erzielt hat, könnten richtungsweisend sein. Vor knapp zwei Jahren war im nordamerikanischen Pendant, der LCS, ein Franchise-Slot für einen ähnlichen Betrag verkauft worden. In Europa war lange spekuliert worden, was wohl ein Startplatz in der eigenen Liga wert sei und wie sich die Preise seit dem Start der Liga Anfang 2019 entwickelt hätten. Zumindest hier herrscht nun Klarheit.

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