Genderdebatte um Lia Thomas US-Gouverneur will Schwimmtitel einer Transfrau nicht anerkennen

Als erste Transgender-Athletin gewann Lia Thomas einen Collegetitel. Doch der soll ihr nun entzogen werden, findet zumindest der Gouverneur von Florida. Für ihn ist eine Athletin aus seinem Bundesstaat die »schnellste Frau«.
Vor drei Jahren trat Lia Thomas noch als Mann an

Vor drei Jahren trat Lia Thomas noch als Mann an

Foto: JOSEPH PREZIOSO / AFP

Schwimmerin Lia Thomas hat bei den US-College-Meisterschaften in Atlanta einen historischen Sieg errungen: Mit ihrem Triumph über die 500 Yards Freistil ist sie die erste Transgender-Athletin, die einen Titel in der höchsten Kategorie der National Collegiate Athletic Association (NCAA) erringen konnte.

Der Erfolg der Sportlerin von der University of Pennsylvania wird in einem Bundesstaat nun allerdings nicht anerkannt.

Floridas Gouverneur Ron DeSantis unterzeichnete eine Erklärung, in der er Emma Weyant aus dem Bundesstaat Florida, als Siegerin eines College-Schwimmwettbewerbs für Frauen anerkannte. Er beschuldigte die NCAA zudem, Chancen für Frauen zu zerstören: »Jetzt versucht die NCAA, den Frauensport zu zerstören, sie versucht, die Integrität des Wettbewerbs zu untergraben, und sie krönt jemand anderen zum Frauen-Champion, und wir halten das für falsch.«

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Lia Thomas schlug die aus Sarasota stammende Weyant am vergangenen Donnerstag in Atlanta, Bundesstaat Georgia, um 1,75 Sekunden im Freistilrennen über 500 Yards und wurde damit die erste Transgender-Meisterin der NCAA.

Doch in den Augen von DeSantis, einem Verbündeten von Donald Trump, der weithin als führender Präsidentschaftskandidat für 2024 gehandelt wird, ist Weyant, Studienanfängerin an der University of Virginia und Olympia-Silbermedaillengewinnerin, die Siegerin der Veranstaltung. »Sie hatte die schnellste Zeit aller Frauen«, sagte DeSantis auf einer Pressekonferenz über Weyant, die in Sarasota in Florida geboren worden ist.

Transgender-Debatte in den USA

Vor drei Jahren trat Lia Thomas noch als Mann bei Schwimmwettkämpfen an. Ihre Teilnahmeberechtigung wurde unter anderem von mehreren Teamkolleginnen aus Pennsylvania kritisch hinterfragt, da sie einen unfairen physiologischen Vorteil habe. Auch vor dem Wettkampf bekundete eine kleine Gruppe von Demonstranten mit Transparenten ihren Unmut über Thomas' Teilnahme. Sie traten eigenen Angaben zufolge für »fairen Sport für Mädchen und Frauen« ein. Nach dem Rennen erhielt Thomas nur verhaltenen Applaus.

Vergangenen Monat hat der US-amerikanische Schwimmverband USA Swimming neue Richtlinien vorgestellt, die unter anderem einen strengeren Testosteron-Grenzwert vorsehen. Diese kamen nun aber noch nicht zur Anwendung.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Ron deSantis erkennt den Titel von Lia Thomas ab. Dazu hat er allerdings keine Berechtigung. Er erkennt den Titel lediglich nicht an. Wir haben diesen Fehler korrigiert.

kim/Reuters/sid