Spionageaffäre McLaren-Mercedes muss 100 Millionen Dollar Strafe zahlen

Der Motorsport-Weltverband hat in der Spionageaffäre der Formel 1 eine Rekordstrafe gegen McLaren-Mercedes verhängt. Das Team muss eine enorme Summe zahlen und verliert alle Punkte in der Konstrukteurswertung. Die Fahrer bleiben ungestraft.


Paris - Der Rennstall McLaren-Mercedes muss 100 Millionen Dollar bezahlen. Zudem verliert das Team alle Punkte in der Konstrukteurswertung für diese Saison. Bislang waren die Silberpfeile mit 166 Punkten Spitzenreiter. Die in der Fahrerwertung führenden Piloten Lewis Hamilton und Fernando Alonso dürfen dagegen ihre Punkte behalten.

Das beschloss das World Motor Sport Council der Fia nach zehnstündiger Anhörung heute in Paris. So hart ist noch nie ein Team in der Formel 1 bestraft worden. Damit revidierte das Gremium das Urteil des obersten Motorsportgerichts aus erster Instanz vom 26. Juli. Damals war McLaren-Mercedes aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden.

McLaren kann gegen das Urteil Protest einlegen. Über eine weitere Strafe für die kommende Saison will der Weltverband Fia noch entscheiden.

"McLaren verliert alle Punkte und kann in dieser Saison auch keine mehr holen", sagte Fia-Präsident Max Mosley wenige Minuten nach der Urteilsverkündung. Das Fahrer-Duo werde aufgrund "außergewöhnlicher Umstände" nicht bestraft, sagte der gelernte Jurist und erläuterte: "Sie haben mit uns zusammengearbeitet und wertvolle Informationen gegeben. Deshalb dürfen sie ihre Punkte behalten." Wenn die Rennautos von McLaren-Mercedes für 2008 in Ordnung seien, so Mosley, gäbe es keine weiteren Strafen: "Aber das wissen wir erst im Dezember."

In einer Pressemitteilung des Rennstalls hieß es heute Abend: "Das Wichtigste ist, am Wochenende weiterfahren zu können. Und das bedeutet, dass unsere Fahrer weiter um die WM kämpfen können." Die Strafe jedoch könne man nicht akzeptieren. Man habe nie verneint, dass sich die Informationen von Ferrari im persönlichen Besitz von einem der Angestellten befunden haben. "Die Frage sei nur: Wurden die Informationen von McLaren verwendet? Das ist nicht der Fall und wurde heute nicht bewiesen", hieß es weiter.

McLaren-Mercedes war beschuldigt worden, geheime Informationen des schärfsten Konkurrenten Ferrari verwendet zu haben. Der frühere Ferrari-Mechaniker Nigel Stepney hatte dem mittlerweile entlassenen McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan insgesamt 780 Seiten Material zugespielt. Unklar war bislang, wer alles bei McLaren Zugang zu den Papieren hatte und wofür die Daten genutzt worden waren.

Hamilton bleibt in der Fahrerwertung Spitzenreiter vor McLaren-Mercedes-Kollege Fernando Alonso. In der Konstrukteurswertung übernimmt Rivale Ferrari die Führung. Zweiter ist nun BMW-Sauber. McLaren liegt mit null Punkten auf dem letzten Platz.

"Dieses Urteil ist ein Schock für alle im Team und, wie Reaktionen bei Medien und Formel-1-Publikum zeigen, auch für weite Teile draußen", kommentierte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug die heftige Sanktion: "Wir kämpfen jetzt erst recht mit aller Entschiedenheit weiter, um auf der Rennstrecke Antworten zu geben, wie zuletzt in Monza und neben der Rennstrecke vor Gericht Gerechtigkeit zu finden."

all/sid/reuters



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Seite 1
DJ Doena 04.07.2007
1.
Es hätte mich eher der Fakt überrascht, dass es keine Spionage geben sollte.
amrod, 04.07.2007
2.
Zitat von DJ DoenaEs hätte mich eher der Fakt überrascht, dass es keine Spionage geben sollte.
Seh ich auch so. Ferrari hat in den letzten Jahren genauso schmutzige Tricks (und mit Sicherheit auch Spionage) angewandt, wie alle anderen Teams auch. Die Leistungen von Mercedes mit Spionage in Verbindung zu bringen ist allerdings Blödsinn. Die hätten ihr Auto niemals so schnell mit Ferrari-Technologie aufmotzen können. Höchstens gezielte Sabotage an den Ferraris wäre eine Erklärung. Aber soweit wollte wohl selbst der Autor (offfensichtlich ein Ferrari-Fan) nicht gehen...
TommIT, 04.07.2007
3.
Zitat von amrodSeh ich auch so. Ferrari hat in den letzten Jahren genauso schmutzige Tricks (und mit Sicherheit auch Spionage) angewandt, wie alle anderen Teams auch. Die Leistungen von Mercedes mit Spionage in Verbindung zu bringen ist allerdings Blödsinn. Die hätten ihr Auto niemals so schnell mit Ferrari-Technologie aufmotzen können. Höchstens gezielte Sabotage an den Ferraris wäre eine Erklärung. Aber soweit wollte wohl selbst der Autor (offfensichtlich ein Ferrari-Fan) nicht gehen...
Sagen sie einmal?? Bei allem Respekt warum neigen kleine Leute immer zu diese 'Ich will als Kleiner von allen gleich besch... werden Logik? Stehen wir da drauf? Ich nicht! Ferrari hat beschissen Es wurde bewiesen Raus mit Ferrari aus der Saison Mercedes hat besch... Raus mit Mercedes Solange alle raus bis ich mit dem alten VW Käfer die Formel 1 WM gewinnen kann. Es gibt nichts bekloppteres als der Masochistische Kleindumm Fan.Immer will er gleich aus Gerechtigkeitsgünden von allen teams angep..... werden für seine 300 Euro Gold Karte.... Wir Deutschen Fnas haben in der Hinsicht echt einen an der (Gerechtigkeits)klatsche... oder ist das etwa eine reine Präkariatsmacke? Übrigens 70% der Verkehrstoten sind Männer... Quotenregelung aus Gerechtigkeit? So gut Hamilton auch sein mag als Fahrer, zur Entwicklung des F1 McLaren kann er noch nict soviel beigetragen haben!
Klo, 04.07.2007
4.
Zitat von sysopWie sauber geht es in der Königsklasse des Motorsports zu? Mit welchen versteckten Tricks verschaffen sich die Teams Vorteile gegenüber der Konkurrenz und wie kann man Ihrer Meinung für mehr Ausgeglichenheit zwischen kleinen und großen Rennställen sorgen?
Werksspionage ist das Doping der Formel 1. Wieso sollte es das ausgerechnet dort nicht geben?
tschoemitoe, 04.07.2007
5. schon eklatant
Ferrari war anfangs total überlegen, dann kam plötzlich ein riesen Schritt von McLaren, der zeitlich komischerweise ziemlich genau mit den dargestellten Vorwürfen passt. Das sind natürlich keine Beweise, aber schon deutliche Indizien. Fakt ist, dass z.B. McLaren anfangs erhebliche Probleme mit den neuen Bridgestone-Reifen hatte. Diese wurden in Monaten der Vorbereitung auf die Saison nicht gelöst, dafür dann aber innerhalb weniger Wochen während der Saison?! Komischer Zufall... Ob Ferrari oder wer auch immer auch schon mal betrogen hat, spielt doch gar keine Rolle. Von Spionage wurde in den letzten Jahren immer mal wieder gesprochen, aber als Primus hatte es Ferrari wohl nicht nötig, selbst zu spionieren. Toyota wurde beschuldigt, bei Ferrari spioniert zu haben, jetzt McLaren. Ich denke auch, dass diese Form der Industriespionage durchaus üblich ist. Dennoch eher unangenehm, wenn sowas ans Licht kommt... Ferrari hat sich den Mitarbeiter selbst zum Feind gemacht, daher war soetwas eigentlich absehbar. Genauso glaube ich es nicht, wenn McLaren behauptet, die erhaltenen Informationen nicht verwendet zu haben...
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