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Bernd Mayländer: Mehr als nur Safety-Car-Fahrer

Foto: Zsolt Czegledi/ picture alliance / dpa

Safety-Car-Fahrer "Ich werde zum Glück nicht nach Runden bezahlt"

Er steht für Sicherheit in einem gefährlichen Sport: Bernd Mayländer fährt das Safety Car in der Formel 1. Hier erzählt er von erfreulicher Arbeitslosigkeit und einer Fahrt mit Michael Schumacher.
Zur Person

Bernd Mayländer, 45, ist ein deutscher Autorennfahrer. Ende der Achtzigerjahre begann er im Kartsport, später fuhr er in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM). Seit 2000 ist er Safety-Car-Fahrer in der Formel 1. Er fährt mit seinem Wagen bei Unfällen vor den Rennfahrern vorneweg, bis die Gefahr beseitigt ist.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie jemals Ambitionen, selbst Formel 1 zu fahren?

Mayländer: Nein, diesen Wunsch hatte ich nie. Ich bin kein klassischer Motorsportler - und ich war auch zu alt. Als ich 24 Jahre alt war, also vor 21 Jahren, war es noch möglich, über Hobby-Kartfahren und Rennen im Porsche Club Sport (keine Rennlizenz nötig, d. Red.) in die DTM zu kommen. Für mich waren Tourenwagenrennen schon immer das Maximum. Über die Formel 1 habe ich noch nicht mal nachgedacht.

SPIEGEL ONLINE: Ersetzt Ihr Job als Safety-Car-Fahrer Ihre eigene Rennfahrerkarriere?

Mayländer: Nein, es gibt auch bis heute keinen Rücktritt vom aktiven Rennsport. Ich bin von 2001 an vier Jahre für Mercedes in der DTM gefahren. Dann merkte ich aber, dass bei mir wegen der Doppelbelastung der Dampf raus war. Deshalb habe ich 2005 entschieden, dass Rennfahren hintanzustellen und mich ganz auf den Job als Safety-Car-Fahrer zu konzentrieren. Für das kommende Jahr wünsche ich mir aber, wieder ein paar Langstreckenklassiker mitzufahren.

SPIEGEL ONLINE: Wie wird man Safety-Car-Fahrer?

Mayländer: Bei mir hat sich das 1999 per Zufall von einem Tag auf den nächsten ergeben. Ich war beim Großen Preis von San Marino in Imola und fuhr dort im Porsche Super Cup. Donnerstagnachmittag fragte mich der stellvertretende Rennleiter Herbie Blash, ob ich für die Formel 3000 das Safety Car fahren könne. Und wenige Wochen später fragte mich dann Charlie Whiting, heute noch Renndirektor, ob ich mir das auch für die Formel 1 vorstellen könnte. Das hat sich einfach so ergeben - und mittlerweile sind es 17 Jahre.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht für einen Safety-Car-Fahrer ein normales Rennwochenende aus?

Mayländer: Bei Rennen in Europa reise ich Donnerstagfrüh an und überprüfe dann mit meinen Kollegen die Systeme der beiden Safety- und der beiden Medical-Cars. Wir sind doppelt besetzt, weil wir auch die Rahmenrennen betreuen, also GP2, GP3 und Porsche Super Cup. Ich nehme auch an den Fahrerbesprechungen teil. Und wenn die Rennen laufen, sitze ich mit meinem Beifahrer stets hinter dem Steuer und warte.

SPIEGEL ONLINE: Wo genau warten Sie?

Mayländer: Beim Start stehe ich am Eingang der Boxengasse, um das Feld bei einem Startunfall in diese zurückführen zu können. Passiert beim Start nichts, fahre ich zurück in meine normale Parkposition am Ende der Boxengasse. Helm auf und stets angeschnallt.

SPIEGEL ONLINE: Ist es für Sie nur ein gutes Wochenende, wenn Sie arbeitslos waren?

Mayländer: Es ist am besten, wenn gar nichts passiert. Ich werde zum Glück nicht nach Runden bezahlt.

SPIEGEL ONLINE: Es gab zuletzt viel Kritik, weil die Rennen in Monaco und Silverstone aus Sicherheitsgründen hinter Ihrem Safety Car begannen. Den Fahrern würde es mit solchen Starts, im Vergleich zu früher, zu leicht gemacht. Wie haben Sie die Verhältnisse auf den regennassen Strecken gesehen?

Mayländer: In beiden Fällen waren die Anfangsbedingungen so, dass die Starts hinter dem Safety Car absolut gerechtfertigt waren. Es gibt immer Fahrer, die sich im Regen wohlfühlen und das Risiko gerne eingehen möchten. Wir müssen aber für alle Fahrer die nötige Sicherheit garantieren. Ich fand es richtig. Über die Länge der Safety-Car-Phase kann man natürlich diskutieren.

SPIEGEL ONLINE: Ist das Safety Car zu langsam für die Formel 1?

Mayländer: Ich kann die Kritik der Fahrer verstehen, aber sie sollten es doch am besten wissen. Es handelt sich ganz bewusst um ein Straßenfahrzeug. Egal was wir anstellen, ich werde immer langsamer sein. Und letztlich ist es egal, ob ich mit 60 oder mit 64 Stundenkilometern durch eine langsame Kurve fahre, das spüren die Fahrer doch überhaupt nicht. Ich bewege mich schon oft im Grenzbereich.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel langsamer sind Sie?

Mayländer: Je nach Strecke fahre ich pro Kilometer zwischen acht und elf Sekunden langsamer als ein Formel-1-Rennwagen.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie die schweren Unfälle in der Formel 1 in Ihrer Zeit erlebt?

Mayländer: Man muss funktionieren und entwickelt mit der Zeit die nötige Routine. In den Situationen ist es meine Aufgabe, die übrigen Fahrer um die Trümmerteile herumzuführen. Die Information über die Schwere der Verletzungen bekommt das Safety Car nicht, deshalb müssen wir das dann in der Regel nach Rennende verarbeiten. Motorsport ist sicherer geworden, aber die Gefahr bleibt ein Teil unseres Jobs.

SPIEGEL ONLINE: Gab es auch kuriose oder unterhaltsame Einsätze?

Mayländer: Ein absoluter Höhepunkt war 2001 in Hockenheim, als Michael Schumacher in Runde 23 ausgefallen ist und den Rest des Rennens in der ersten Schikane verbracht hat. Ich habe ihn nach Ende des Rennens mit zurückgenommen, und wir hatten ein sehr angenehmes Gespräch. Ich weiß es noch genau, er sagte: "Das war jetzt eine Stunde die totale Erholung, mit zwei Streckenposten zusammen das Rennen im Wald zu sehen." Als Taxifahrer für Michael Schumacher, das war schon eine besondere Situation.

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