Deutscher Weltmeister Ferraris Fehler machen Vettel zum Champion

Was für ein Rennen. Was für eine Spannung: Sebastian Vettel ist neuer Weltmeister und jüngster Champion der Formel-1-Geschichte. Ein Fehler von Ferrari verhalf dem 23-Jährigen aus Heppenheim in Abu Dhabi zum Triumph. Denn Rivale Fernando Alonso legte seinen Boxenstopp zu früh ein.

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Hamburg - Sebastian Vettel hat es geschafft. Ein taktischer Fehler des Konkurrenz-Rennstalls Ferrari hat dem 23-jährigen Deutschen in Abu Dhabi den Weltmeister-Triumph beschert. Vettel gewann das Rennen vom Start weg souverän. Ferrari-Rivale Fernando Alonso, der vor Abu Dhabi noch an der Spitze der Fahrerwertung lag, verspekulierte sich mit einem frühen Boxenstopp und landete am Ende nur auf Platz sieben. Nach Michael Schumacher 2004 hat Deutschland wieder einen WM-Champion in der Formel 1.

"Ich liebe euch", gab Vettel in seiner ersten Reaktion an das Team mit Tränen in den Augen weiter. Der 23-Jährige war auch bei der Siegerehrung noch schwer gerührt, hielt sich die Hände vor das Gesicht und schien erst langsam seinen Triumph fassen zu können.

Sinnbildlicher konnte der Wachwechsel vom Titelträger der Vergangenheit zu dem der Gegenwart in der Formel 1 nicht werden. Schumacher verursachte bereits in der ersten Runde einen selbstverschuldeten Dreher und musste das Rennen aufgeben. Vettel dagegen beherrschte das Fahrerfeld von der ersten Rennminute an. Er setzte seinen Boxenstopp zur richtigen Zeit und gab die Führung nicht für einen Augenblick ab.

Der Deutsche hat damit drei der vier letzten Saisonrennen für sich entschieden. Das beste Auto und der in der Endphase stärkste Fahrer haben sich am Schluss belohnt. Nach dem Vizetitel im Vorjahr ist Vettel jetzt schon auf dem Höhepunkt angelangt. Kurioserweise übernahm Vettel erst mit dem allerletzten Rennen die WM-Führung.

Der Dritte im Bunde der Titelfavoriten, Vettels Red-Bull-Kollege Mark Webber, spielte in Abu Dhabi nur eine Nebenrolle. Schon in der Qualifikation wirkte der Australier gehemmt, und auch im Rennen setzte er keine Akzente. Nach einer frühen Boxen-Auszeit fuhr er im Mittelfeld hinter Alonso durch den Kurs und hatte als Achter mit dem Ausgang des Rennens nichts mehr zu tun.

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Vettels WM-Triumph: Riesenjubel in Heppenheim
Auch McLaren-Pilot Lewis Hamilton, der zuvor noch theoretische Chancen auf den Gesamtsieg hatte, wurde zwar Zweiter in Abu Dhabi, blieb aber chancenlos in der Fahrerwertung. Der jetzt entthronte Titelverteidiger Jenson Button wurde Dritter auf dem Wüstenkurs.

Safety-Car-Phase sorgte für eine Vorentscheidung

Die Entscheidung über den Titel fiel quasi schon in der ersten Runde im Anschluss an den Schumacher-Crash. Das Safety Car musste auf die Strecke, diese Phase nutzten Renault-Pilot Vitaly Petrow und Mercedes-Fahrer Nico Rosberg zu schnellen Reifenwechseln. Nachdem Alonso ebenfalls früh im Rennen bereits an die Box kam, fuhr er anschließend hinter dem Duo wieder auf die Strecke und kam danach nicht mehr an ihnen vorbei. Petrow und Rosberg blockierten damit die Fahrt nach vorne auf den vierten Rang, der Alonso zum Titel gereicht hätte.

Der Spanier griff den Renault zwar mehrfach an, aber Petrows Motor war einfach zu leistungsstark für den Ferrari. Mehrmals trieb das Team ihn über Funk an, aber es gelang nicht. Vettel konnte derweil locker vorneweg fahren und sich schon zehn Runden vor Schluss langsam auf den Titelgewinn einstellen. "Leider ist alles nicht so gelaufen wie geplant", musste der Spanier anschließend geknickt zugeben.

Mit dem Deutschen ist der vielleicht angriffslustigste Fahrer im Feld mit dem Titel belohnt worden. Mehrfach in der Saison war er schon abgeschrieben, nachdem er durch eigene Fahrfehler und technische Probleme Punkte liegen ließ. Aber eine Saison in der Formel 1 ist lang genug, aus Fehlern zu lernen. In den Abschlussrennen präsentierte sich der Deutsche hochkonzentriert und ohne übertriebene Aggression. So holte er Punkt für Punkt auf den Ferrari-Piloten auf - trotzdem hätte ihm auch der Sieg von Abu Dhabi nichts geholfen, wenn Ferrari nicht die Nerven verloren hätte. Ferraris Pech war allerdings auch ein wenig ausgleichende Gerechtigkeit - schließlich hätte ein WM-Sieg Alonsos einen schlechten Beigeschmack behalten, nachdem der Spanier in Hockenheim nur aufgrund der an sich verbotenen Teamorder gewonnen hatte.

Doch noch eine perfekte Saison für Red Bull

Mit Vettels Titel krönte Red Bull die starke Saison. Die Konstrukteurs-WM hatte der Rennstall schon in der Vorwoche nach dem Großen Preis von Brasilien perfekt gemacht, jetzt geht auch die Fahrerwertung an die Marke von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz. Vettel galt das ganze Jahr über als der erklärte Liebling des Teams - Mateschitz erhoffte sich nicht zuletzt mehr Vermarktungserfolge mit dem jungen Champion als mit seinem deutlich älteren Kollegen Webber.

Fünf Grand-Prix-Siege landete Vettel letztlich - so viel hat ansonsten nur Alonso in diesem Jahr erringen können. Auch von daher ist der WM-Titel zweifellos verdient. Alonso kann für sich verbuchen, gegenüber Red Bull das deutlich leistungsschwächere Auto gehabt zu haben und dennoch dank seines taktischen Geschicks bis zum Abschlussrennen vorne gelegen zu haben. Als es darauf ankam, hat sich ausgerechnet Ferrari mit seiner Taktik verspekuliert. Und Vettel damit auf den Weltmeisterthron gehoben.

insgesamt 62 Beiträge
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Chefdenker71 14.11.2010
1. es kann nur einen Sieger geben
Zitat von sysopWas für ein Rennen. Was für eine Spannung: Sebastian Vettel ist neuer Weltmeister und jüngster Champion der Formel-1-Geschichte. Ein Fehler von Ferrari verhalf dem 23-Jährigen aus Heppenheim in Abu Dhabi zum Triumph. Denn Rivale Fernando Alonso legt seinen Boxenstopp zu früh ein. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,729058,00.html
DeeDeeBee 14.11.2010
2. Werter sysop...
Zitat von sysopWas für ein Rennen. Was für eine Spannung: Sebastian Vettel ist neuer Weltmeister und jüngster Champion der Formel-1-Geschichte. Ein Fehler von Ferrari verhalf dem 23-Jährigen aus Heppenheim in Abu Dhabi zum Triumph. Denn Rivale Fernando Alonso legt seinen Boxenstopp zu früh ein. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,729058,00.html
In allen Ehren: Vettel hat seinen WM - Titel verdient gewonnen und vor Allem selbst erfahren. Die vergangenen technischen Defekte, die ihn zurückgeworfen hatten, hat er mit Reife, fahrerischem Können und absoluter Nervenstärke kompensiert. Ferrari hat Alonso mit Regelwidrigkeiten, viel Profit aus technischem Versagen überhaupt erst dahin geholt, Vettel auch nur annähernd das Wasser zu reichen.
adama. 14.11.2010
3. Traurig
ich bin sehr traurig. So viele Fehler und Zufälle. Zuerst wird Webber zum Boxenstop gerufen und ist damit ganz sicher ohne Chance. Und dann macht Ferrari den Alonso-Boxenstop zu einem absolut unmöglichen Zeitpunkt.
coloniaexpress 14.11.2010
4. Herzlichen Glückwunsch an Sebastian Vettel!
Da hat der Seb doch auf den letztden Drücker noch den WM-Titel geholt! Super Seb! Da hast es allen gezeigt! Respekt verdienen auch die Verlierer, allen voran ein sportlich fairer Fernando Alonso!
saul7 14.11.2010
5. ++
Zitat von sysopWas für ein Rennen. Was für eine Spannung: Sebastian Vettel ist neuer Weltmeister und jüngster Champion der Formel-1-Geschichte. Ein Fehler von Ferrari verhalf dem 23-Jährigen aus Heppenheim in Abu Dhabi zum Triumph. Denn Rivale Fernando Alonso legt seinen Boxenstopp zu früh ein. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,729058,00.html
Organisationsfehler der Konkurrenten verhelfen Vettel zum Sieg: Gratulation an den jungen Rennfahrer....
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