Ehemaliger Formel-1-Fahrer Sutil Ein Top-Pilot fährt Taxi

Rennfahrer Adrian Sutil hatte sich seinen Traum von der Formel 1 erfüllt - bis er wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Er gibt sich geläutert und kämpft um sein Comeback. Beim Großen Preis von Deutschland reicht es aber vorerst nur zum Taxifahrer.

DPA

Am Wochenende in Hockenheim muss Adrian Sutil wohl wieder an Worte der Hollywood-Legende Steve McQueen denken. Sutil, der beim Großen Preis von Deutschland am Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) Zuschauer in einem Renntaxi um den Ring chauffiert, geht dieser Satz nicht aus dem Kopf: "Rennen ist Leben. Der Rest ist Warten." So sagt es Rennfahrer Michael Delaney im legendären Motorsportfilm "Le Mans", verkörpert und verinnerlicht vom passionierten Hobby-Rennpiloten McQueen.

Wie Filmfigur Delaney ergeht es derzeit Sutil. Seit der indische Rennstall Force India den Vertrag mit ihm nicht verlängerte, leide er "wie ein ausgesetzter Hund". Er wolle wieder Formel-1-Rennen fahren, mehr als alles andere. Das Problem: Es liegt nicht allein an ihm.

Wie McQueen als Delaney im Film befinden sich Sutils Gefühle im Widerstreit zwischen Schuldempfinden und sportlichem Ehrgeiz. Delaney will einen Unfall verdrängen, bei dem er beteiligt war und der einen seiner Kollegen das Leben kostete. Und Sutil will die wenigen Sekunden in Shanghai vergessen machen, die ihn seinen Job in der Formel 1 kosteten, als der damals 28-Jährige in einem Nachtclub nach dem Großen Preis von China im April 2011 den Luxemburger Geschäftsmann Eric Lux mit einem Champagnerglas schwer verletzte.

Gericht verhängt Freiheits- und Geldstrafe für Sutil

Die Richterin des Münchner Amtsgerichts verurteilte Sutil wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 200.000 Euro. Sutil akzeptierte und gilt nun als vorbestraft.

Selbst in der durchaus skandalerprobten Formel-1-Szene gilt das als problematisch. Um seinen Superstar Hamilton zu schützen, setzte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh sogleich alle Hebel in Bewegung, so wird es aus Sutils Umfeld berichtet. Demnach war es Whitmarsh, der dafür sorgte, dass Hamilton das Überwachungsvideo des Nachtclubs bekam. Er war es, der Force-India-Teamchef Vijay Mallya anrief, damit der, quasi als Schuldbekräftigung, Sutil sofort entlassen sollte. Der Inder blieb dem Deutschen treu - zumindest bis Ende der Saison.

Sutil ist "endlich erwachsen geworden"

Sutil hatte durch gute Rennen Force India den sechsten Platz in der Konstrukteurswertung gesichert. Dafür gab es etwa 35 Millionen Euro an Fernsehgeldern. Teamchef Mallya gab aber seinem Technologiepartner McLaren nach und trennte sich Ende 2011 von dem Deutschen.

Sutil mag nicht mehr davon reden, erklärt nur: "Ich hoffe, dass die Menschen diese fünf Sekunden von Shanghai nicht so bewerten, dass sie mein Wesen wiedergeben. Sie sollen nicht für die Ewigkeit sein." Sutil sagt das, ohne einem ins Gesicht zu schauen. Er habe sich verändert seit dem Vorfall, sei "endlich erwachsen geworden".

Vom Management und Anwalt vorgegebene Antworten sollen der Vergangenheit angehören. "Mir ist klar geworden, dass ich mich nicht nur um irgendwelche Federn an meinem Auto kümmern darf, sondern mein ganzes Leben in den Griff kriegen sollte. Diese fünf Sekunden haben mich aufgeweckt." Er hält Kontakt zur Formel-1-Szene. Mal als Taxifahrer wie in Hockenheim, mal als TV-Experte.

Am eifrigsten arbeitet er aber an seinem Comeback. "Damit der Unterschied zwischen ausgebuchtem Alltag im letzten und viel zu viel Freizeit in diesem Jahr nicht ganz so krass ist, habe ich mir ein Programm zusammengestellt. Ich stehe also brav um acht Uhr auf, mache viel Sport und bilde mich weiter." Entspannung sei für ihn eine gewisse Zeit ganz gut. "Aber ich habe recht schnell festgestellt, dass ich einen strukturierten Alltag brauche. Außerdem möchte ich bereit sein, wenn ich die Chance für ein Comeback bekomme."

Kontakte gibt es, aber konkreter will er nicht werden. Im Gespräch mit Sauber-Teamchef Peter Sauber wurde er gesehen, zu Ferrari, wo Felipe Massas Platz heftig wackelt, werden ihm Kontakte nachgesagt. Sutil versucht jetzt alles positiv zu sehen. Und hofft auf eine zweite Chance in der Formel 1.

insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
goethestrasse 21.07.2012
1.
5 Sekunden verändern auch so manch anderes Leben.
SP70 21.07.2012
2. Was denn nun?
Erwarte ich einfach zu viel? Hat er nun eine schwere Körperverletzung oder eine gefährliche Körperverletzung begangen? Warum werden solche Widersprüche im Text nicht beim Korrekturlesen erkannt?
DMenakker 21.07.2012
3.
Ein comeback wäre ihm zu wünschen.
zeitmax 21.07.2012
4. Diese fünf Sekunden...
Zitat von sysopDPARennfahrer Adrian Sutil hatte sich seinen Traum von der Formel 1 erfüllt - bis er wegen schwerer Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Er gibt sich geläutert und kämpft um sein Comeback. Beim Großen Preis von Deutschland reicht es aber vorerst nur zum Taxifahrer. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,844732,00.html
"..haben mich aufgeweckt..." - haben aber auch jemanden schwer verlezt und fast das Leben gekostet. Versuchter Totschlag im Affekt - und das vielleicht auch auf der Rennstrecke? Nein, danke!
vhn 21.07.2012
5. Hamilton
Zitat von sysopDPARennfahrer Adrian Sutil hatte sich seinen Traum von der Formel 1 erfüllt - bis er wegen schwerer Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Er gibt sich geläutert und kämpft um sein Comeback. Beim Großen Preis von Deutschland reicht es aber vorerst nur zum Taxifahrer. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,844732,00.html
War mir noch gar nicht bekannt, wie sich Hamilton/Mc Laren hier in dem Fall verhalten hat. Letztlich hat er wohl dann auch nicht vor dem Gericht für seinen jetzt wohl ehemaligen Kumpel Sutil ausgesagt, obwohl er ihn möglicherweise hätte entlasten können. So was nennt man eigentlich Kameradenschwein. Passt zu Hamilton. Der würde für einen Sieg seine eigene Mutter verkaufen... Schade um Sutil. Der kam immer ganz sympathisch rüber und hat ja gute Leistungen gezeigt. So was darf einem dann eben nicht passieren, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Ich drück ihm die Daumen, dass er ein Cockpit bekommt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.