F1-Boss Ecclestone "Vettel kann alle Schumacher-Rekorde brechen"

Er ist der mächtigste Mann in der Formel 1: Bernie Ecclestone. Im Interview spricht der 81-Jährige über Backgammon-Partien mit Sebastian Vettel, warum er sein Geld auch in der anstehenden Saison auf den deutschen Doppelweltmeister setzen würde - und er gibt Ferrari einen brandheißen Einkaufstipp.

DPA

Das Verfahren begann im Oktober 2011, noch gibt es kein Urteil vor dem Landgericht München. Gerhard Gribkowsky, ehemaliger Risikovorstand der BayernLB, soll 42 Millionen Euro Schmiergeld angenommen haben - von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Der 81-Jährige bestreitet dies, er will sich aber nicht en detail zum laufenden Prozess gegen Gribkowsky äußern. Zu den Ermittlungen der englischen Steuerbehörden gegen ihn selbst schweigt Ecclestone ebenfalls. "Haben Sie bitte Verständnis, meine Anwälte haben mir dazu geraten."

SPIEGEL ONLINE: Herr Ecclestone, bald beginnt die neue Formel-1-Saison. Wird es dieses Mal aufregender? 2011 stand Sebastian Vettel ja schon nach dem viertletzten Rennen als Weltmeister fest.

Ecclestone: Ich hoffe insgesamt, dass die WM wieder etwas spannender wird und wenn möglich erst im letzten Rennen entschieden wird. Aber um ehrlich zu sein: Wenn ich im Moment Geld setzen müsste, würde ich sagen, dass Vettel wieder den Titel holt. Zweiter wird dessen Teamkollege Mark Webber, dann sehe ich McLaren-Pilot Lewis Hamilton.

SPIEGEL ONLINE: Warum wird Vettel Ihrer Einschätzung nach erneut so gut sein?

Ecclestone: Die Testfahrten vor der Saison gaben ein klares Bild ab. Red Bull ist wieder total konkurrenzfähig. Und Sebastian hat alles - das Talent, den Eifer, den klaren Kopf, einfach alles. Und, nicht zu vergessen: Er hasst es zu verlieren.

SPIEGEL ONLINE: Warum trauen Sie Vettels Teamkollegen Webber so wenig zu? Der sitzt doch auch in einem Red Bull.

Ecclestone: Mark Webber ist zwar sehr gut, aber ich glaube einfach nicht daran, dass er Sebastian schlagen kann. Zumindest nicht über die gesamte Saison.

SPIEGEL ONLINE: Nach Juan-Manuel Fangio und Michael Schumacher wäre Vettel der dritte Fahrer, der dreimal in Folge Weltmeister wäre. Was kann Vettel noch alles erreichen?

Ecclestone: Sebastian ist erst 24 Jahre alt, das heißt, er hat immer noch Potential. Ich glaube, dass er alle Rekorde von Michael Schumacher brechen kann.

SPIEGEL ONLINE: Hat Vettel auch Schwächen?

Ecclestone: Ja.

SPIEGEL ONLINE: Verraten Sie uns, welche es sind?

Ecclestone: Beim Backgammon muss er an sich arbeiten. Ich bin immer noch besser als er. Aber selbst da gibt er immer alles.

SPIEGEL ONLINE: Im Gegensatz zu Red Bull läuft bei Ferrari einiges schief. Was ist der Grund? Könnte ein radikaler Schnitt helfen wie 1993? Damals holte man in Jean Todt einen neuen Teamchef, der brachte den Erfolg zurück.

Ecclestone: Nein, Ferraris Schwierigkeiten haben nichts mit der Teamführung zu tun. Ganz sicher nicht. Die Probleme kommen eher von der Technikerseite, von der Aerodynamik-Abteilung. Statt jemanden zu feuern, sollten sie lieber jemanden einkaufen: Adrian Newey (derzeitiger Red-Bull-Designer; die Red.).

SPIEGEL ONLINE: Könnte es bei Ferrari nicht auch am Piloten liegen? Fernando Alonsos Fähigkeiten sind über jeden Zweifel erhaben. Aber was ist mit Felipe Massa? Warum fährt der noch für das italienische Traditionsteam?

Ecclestone: Ich glaube, dass es bei Ferrari eine Frage von Alternativen ist. Wer ist von den verfügbaren Piloten besser als Massa? Ich sehe da niemanden. Außerdem: Ich bin sehr sicher, dass der Pole Robert Kubica heute schon im Ferrari sitzen würde, wenn er nicht vor einem Jahr den schrecklichen Rallye-Unfall gehabt hätte.

SPIEGEL ONLINE: In der Formel 1 scheint man auch fahren zu dürfen, wenn man über nicht sehr viel Talent verfügt.

Ecclestone: Wie kommen Sie zu so einer Behauptung?

SPIEGEL ONLINE: Weil es inzwischen viele Teams gibt, bei denen man sich die Plätze im Cockpit kaufen kann. Diese Bezahlfahrer haben gute finanzielle Möglichkeiten, viel mehr aber auch nicht.

Ecclestone: Mir gefällt das Wort Bezahlfahrer nicht.

SPIEGEL ONLINE: Welche Bezeichnung passt Ihnen besser?

Ecclestone: Diese Fahrer haben zahlungskräftige Sponsoren im Rücken, die sie unterstützen. Dagegen ist nichts zu sagen. Ich habe noch nie einen Fahrer gesehen, der einem Team aus eigener Tasche Geld gegeben hat.

SPIEGEL ONLINE: Einige Teams sollen Probleme haben, zum Beispiel Force India, Marussia oder HRT. Wie bewerten Sie deren finanzielle Lage?

Ecclestone: Sagen wir so: Es gibt zu viele Leute in der Formel 1, die mit einer rosaroten Brille durch das Leben laufen. Sie sehen die Welt anders als sie ist. Sie denken: Oh, die Sonne scheint, ist das Leben nicht wunderschön? Mit einer rosaroten Brille verdrängt man aber die Realität.

SPIEGEL ONLINE: Was raten sie diesen Tagträumern?

Ecclestone: Wechselt erst einmal eure Brillengläser aus. Und schnallt verdammt noch mal euren Gürtel enger! Die Teams müssen endlich einen Weg finden, mit weniger Geld auszukommen und dennoch konkurrenzfähig zu sein. Sie müssen sich wieder aufs Wesentliche konzentrieren. Gebt euer Geld für den Sport aus, für die Rennwagen, für die Rennen. Und nicht für Entertainment oder sinnlos große, feudale Motorhomes.

Das Interview führte Ralf Bach



insgesamt 1032 Beiträge
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Seite 1
ray4912 28.02.2012
1. Herzlichen Dank
Herzlichen Dank! Sind Sie der Neue? ;-) Die Formel 1 Familie wird Ihnen den Einsatz mit vielen guten und immer fairen Postings verdanken. Zunächst zum ersten (Vettel) "ja klar wird er" und zum zweiten (der Altmeister) "leider nein" und nun heisst es: gentlemen start your engines!
ray05 29.02.2012
2.
Zitat von ray4912Herzlichen Dank! Sind Sie der Neue? ;-) Die Formel 1 Familie wird Ihnen den Einsatz mit vielen guten und immer fairen Postings verdanken. Zunächst zum ersten (Vettel) "ja klar wird er" und zum zweiten (der Altmeister) "leider nein" und nun heisst es: gentlemen start your engines!
Schumacher fährt da immernoch mit? Erstaunlich. Der hat doch schon alles gewonnen, hält sämtliche Rekorde, hat zigfach ausgesorgt. Ich sag Dir was: Solche Leute präsentieren über kurz oder lang eine blutjunge Freundin, blond, langbeinig, Krönchen im Haar. "Ja, wir sind schon länger fest zusammen, der Micha und ich", sagt das Krönchen, und Schumi ergänzt: "isch denk, jetzt ist der rischtiche Zeitpunkt, das mal klarzustellen, dass wir ein Paar sind. Isch hoffe, meine Fans und meine Frau können mir das verzeihen." So in etwa. :)
auch noch 29.02.2012
3. Achtung vor Schumi!
Vettel macht weiter wie bisher. Nur vor Schumi sollten die Jungs sich vorsehen. Obwohl er jedesmal, wenn eine Kamera in der Nähe ist, den entspannten Rentner gibt zerfrisst ihn nach wie vor der Ehrgeiz! Wenn dann das Auto oder der noch vorhandene Rentnerspeed nicht reichen ist mit einer speziellen Schumiaktion zu rechnen ...
Dieter58 29.02.2012
4.
Zitat von ray05Schumacher fährt da immernoch mit? Erstaunlich. Der hat doch schon alles gewonnen, hält sämtliche Rekorde, hat zigfach ausgesorgt. Ich sag Dir was: Solche Leute präsentieren über kurz oder lang eine blutjunge Freundin, blond, langbeinig, Krönchen im Haar. "Ja, wir sind schon länger fest zusammen, der Micha und ich", sagt das Krönchen, und Schumi ergänzt: "isch denk, jetzt ist der rischtiche Zeitpunkt, das mal klarzustellen, dass wir ein Paar sind. Isch hoffe, meine Fans und meine Frau können mir das verzeihen." So in etwa. :)
Schumi fährt so lange "mit" wie man ihm ein Cockpit gibt. Und wenn dieses Cockpit endlich auch was taugt, dann sehen wir ihn auch wieder auf dem Treppchen - vielleicht sogar auf der obersten Stufe! Für den Rest des Beitrags nehme ich an, Sie haben den "Siebenfachen" mit einem ganz bestimmten Ex-Fußballer verwechselt...
Dieter58 29.02.2012
5.
Zitat von auch nochVettel macht weiter wie bisher. Nur vor Schumi sollten die Jungs sich vorsehen. Obwohl er jedesmal, wenn eine Kamera in der Nähe ist, den entspannten Rentner gibt zerfrisst ihn nach wie vor der Ehrgeiz! Wenn dann das Auto oder der noch vorhandene Rentnerspeed nicht reichen ist mit einer speziellen Schumiaktion zu rechnen ...
Ob unser aller Sebastian tatsächlich den Hattrick abliefern kann, das wird sich zeigen. Und was meinen Sie denn mit "eine spezielle Schumiaktion"??? Ach ja, ich weiß - kein anderer Fahrer hat in der vergangenen Saison mehr Plätze bereits beim Start gewonnen wie das große Vorbild für die anderen Jungs.... Wenn der auch noch ein siegfähiges Auto gehabt hätte... Ich jedenfalls wünsche ihm - und auch mir - daß der Mercedes endlich so schnell und zuverlässig auf der Strecke ist wie man es beim Einsatz von so viel Geld und Ingenieurswissen eigentlich erwarten müsste. Schade nur, daß für so ein herausragendes Talent wie Adrian Sutil leider kein Cockpit zur Verfügung steht...
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