F1-Boss Ecclestone "Wir müssen einen neuen Superstar finden"

Der Grand Prix von Australien am Sonntag ist nicht nur das erste Rennen der Saison, es ist auch das erste seit langem ohne Michael Schumacher. Im Interview spricht F1-Promoter Ecclestone über das Fehlen des Rekordweltmeisters, neue Talente und seine WM-Favoriten.


Frage: Herr Ecclestone, werden Sie Michael Schumacher vermissen?

Ecclestone: Jeden, der so lange bei uns war wie Michael, vermisse ich persönlich. So weit es den Sport betrifft, wäre es so, als ob Tiger Woods plötzlich mit dem Golf spielen aufhören würde. Ich glaube sehr daran, dass wir Superstars brauchen. Jetzt müssen wir einen anderen finden. Frage: Wird es ohne Michael Schumacher eine andere Formel 1 sein?

Ecclestone: Wahrscheinlich schon. Ob es eine bessere oder eine schlechtere sein wird, weiß ich nicht. Als Michael alles gewonnen hat, haben sich die Menschen beklagt, dass die Formel 1 langweilig anzuschauen ist, weil er alles gewinnt. Jetzt kann man das nicht mehr sagen. Auf der anderen Seite ist es oft so, wenn man Superstars hat, wollen die Leute sehen, dass sie verlieren.

Frage: Wird das Interesse an der Formel 1 ohne Michael Schumacher nachlassen oder ist das ein deutsches Problem?

Ecclestone: Was ist das Problem in Deutschland?

Frage: Dass die Zuschauerzahlen in dieser Saison zurückgehen könnten.

Ecclestone: Das glaube ich nicht. Als wir 1994 Ayrton Senna verloren haben, hat jeder gesagt: Das ist das Ende der Formel 1. Ich denke und hoffe, dass die Formel 1 größer als jeder einzelne ist.

Frage: Die Fans in Deutschland waren sehr auf Michael Schumacher fixiert. Ähnlich wie seinerzeit bei Boris Becker. Als er aufhörte, ging das Interesse am Tennis stark zurück.

Ecclestone: Als Boris zurücktrat, ging das Interesse am Tennissport ohnehin zurück. Das war nur Zufall, dass Boris zu der Zeit ging.

Frage: Hatten Sie versucht, Schumacher zum Weitermachen zu überreden?

Ecclestone: Nein.

Frage: Viele große Rennfahrer haben nach Ihren Rücktritten ein Comeback gegeben: Nigel Mansell, Niki Lauda, Alain Prost. Glauben Sie, dass Michael Schumacher nur eine Auszeit nimmt und dann wiederkommt?

Ecclestone: Nein.

Frage: Warum nicht?

Ecclestone: Schauen Sie, Michael ist ein bisschen anders als diese Piloten. Ich denke, er hat sich entschieden, aufzuhören und hat es dann auch gemacht.

Frage: Was halten Sie von Ralf Schumacher? Lebt er von seinem großen Namen oder ist er auch ein guter Rennfahrer?

F1-Rennen 2007 (MESZ)

Datum Ort Start
18.03. AUS/Melbourne 4.00
08.04. MAL/Kuala Lumpur 8.00
15.04. BRN/Manama 12.30
13.05. ESP/Barcelona 14.00
27.05. MC/Monte Carlo 14.00
10.06. CDN/Montreal 19.00
17.06. USA/Indianapolis 19.00
01.07. FRA/Magny-Cours 14.00
08.07. GB/Silverstone 13.00
22.07. D/Nürburgring 14.00
05.08. H/Budapest 14.00
26.08. TR/Istanbul 14.00
09.09. ITA/Monza 14.00
16.09. BEL/Spa-Francorch. 14.00
30.09. JP/Fuji 7.00
07.10. CHN/Shanghai 8.00
21.10. BRA/São Paulo 19.00
Ecclestone: Für Ralf Schumacher hat sich nichts geändert, dadurch das Michael nicht mehr da ist. Er hat viel Talent. Aber es ist sehr schwierig, Fahrer zu beurteilen. Es gibt so viele andere Einflüsse.

Frage: Kann Kimi Räikkönen bei Ferrari die Lücke schließen, die Michael Schumacher hinterlassen hat?

Ecclestone: Es ist für jeden schwierig, diese Lücke zu schließen. Michael war der Macher im Ferrari-Team, mit Hilfe von Ross Brawn und Jean Todt. Aber am Ende hat Michael das Team geführt. Das wird Kimi nicht tun.

Frage: War der Wechsel von Weltmeister Fernando Alonso zu McLaren-Mercedes Ihrer Meinung nach eine gute Entscheidung?

Ecclestone: Ich denke nicht, dass das seine ursprüngliche Absicht war. Er hatte Angst, dass Renault aussteigen könnte. Er hatte eine Alternative, die er genutzt hat, weil es für ihn richtig war, das zu tun. Hätte er auch so gehandelt, wenn er gewusst hätte, dass Renault für immer bleibt? Das bezweifle ich. Er war sehr glücklich bei Renault, es war für ihn dort sehr angenehm.

Frage: Jetzt steht Alonso aber vor einer großen Herausforderung in einem neuen Team.

Ecclestone: Ja, das ist ist ein großer Unterschied. Renault und McLaren haben einen völlig anderen Weg, wie sie geführt werden. Wir werden sehen, wie er sich dort zurechtfindet.

Frage: Welchen Fahrern trauen Sie in diesem Jahr den Titelgewinn zu?

Ecclestone: Fernando, Kimi, Felipe Massa, Heikki Kovalainen von Renault. Es gibt viele gute Jungs da draußen. BMW, Jenson Button im Honda, wenn die ihre Arbeit gut machen.

Das Interview führte Thomas Straka, sid



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