Formel 1 Der alte Mann und der McLaren

Eine schiefe Lenkung, ein Unfall unter Teamkollegen, erstaunlich faire Silberpfeile und Fernando Alonso mit WM-Punkten: Der Sieg von Sebastian Vettel in Ungarn war unterhaltsam - trotz fehlender Rennaction.
Fernando Alonso auf dem Hungaroring

Fernando Alonso auf dem Hungaroring

Foto: Dan Mullan/ Getty Images

Ausgangslage: Für Ferrari gab es zuletzt in Silverstone ein Reifendebakel. Nun dominierte der Rennstall das Qualifying in Ungarn. Sebastian Vettel sicherte sich seine zweite Poleposition der Saison und ging mit einem Punkt Vorsprung in der Gesamtwertung vor Lewis Hamilton ins Rennen. Würde die gute Startposition reichen, um die WM-Führung zu verteidigen?

Startaufstellung (Top Ten):
Vettel - Räikkönen - Bottas - Hamilton - Verstappen - Ricciardo - Hülkenberg - Alonso - Vandoorme - Sainz.

Das Ergebnis: Doppel-Sieg für Ferrari, Vettel gewann vor Kimi Räikkönen. Auch dahinter blieb es bei der Reihenfolge aus der Startaufstellung: Valtteri Bottas wurde Dritter, es folgten Hamilton und Max Verstappen. Hier geht's zur Meldung.

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Vettels Sieg in Ungarn: Doppelsieg und Doppelorder

Foto: Darko Bandic/ AP

Die Startphase: Vettel verteidigte seine Führungsposition, dahinter blieb Räikkönen vor Bottas. Hamilton startete zunächst zwar gut, hing dann aber hinter Bottas fest. Die Folge: Sowohl Daniel Ricciardo als auch Verstappen (beide Red Bull) zogen vorbei, aber dann schoss Verstappen seinen Teamkollegen von der Strecke. Der Australier fiel mit einem defekten Kühler aus. Verstappen bekam eine Zehn-Sekunden-Strafe, die er allerdings erst in der 43. Runde absaß. Das Safety-Car übernahm für fünf Runden, doch auch beim Re-Start blieb alles beim Alten. Es folgte ein Rennen ohne Überholmanöver.

Ein Bulle sieht nicht rot: Ricciardo stand in dieser Saison schon fünfmal auf dem Podium, Teamkollege Verstappen erst einmal. Ob der 28-Jährige deshalb so gemäßigt auf den Abschuss reagierte? Noch auf der Strecke fragte Ricciardo: "War es der, von dem ich denke, dass er es war?" Sein Renningenieur antwortete kurz und knapp: "Yes." Im Interview mit dem TV-Sender RTL vermied Ricciardo dann ebenfalls eine Attacke auf Verstappen, der in der vergangenen Saison wegen seines Fahrstils häufiger in der Kritik gestanden hatte. "Es war zu null Prozent mein Fehler", sagte Ricciardo: "Natürlich werde ich mit Max sprechen, aber er muss sich entschuldigen."

Alonso fährt in die Punkte: Der zweifache Weltmeister Fernando Alonso galt in der Formel 1 über Jahre als Garant für gute Platzierungen, wenn es nach 2005 und 2006 auch nie wieder für ganz oben reichte. Doch in dieser Saison folgte ein Tiefpunkt dem nächsten, Motorenpartner Honda brachte Alonso und sein McLaren-Team zur Verzweiflung. Auf dem Hungaroring schaffte der Spanier nun die Überraschung. An seinem 36. Geburtstag fuhr er im Qualifying auf Platz acht, rückte wegen der Strafe gegen Nico Hülkenberg auf sieben vor und verteidigte den Platz mit all seiner Routine gegenüber den jungen Talenten Carlos Sainz und Sergio Pérez. Wegen Ricciardos Ausfall reichte es sogar zu Platz sechs und acht WM-Punkten.

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Schiefes Lenkrad: Die Zeiten der Pleiten, Pech und Pannen bei Ferrari sind in dieser Saison eigentlich vorbei. Doch vor den Toren Budapests musste Vettel mal wieder mit einem kuriosen Defekt umgehen. "Man will geradeaus fahren, aber es lenkt nicht gerade", beschrieb der WM-Führende die Probleme nach dem Rennen. Die Onboard-Kamera hatte während des Rennens ein schief stehendes Lenkrad auf der Geraden gezeigt, auch deshalb konnte sich Vettel nicht wie gewollt vom Rest des Feldes absetzen. "Es war schwer, die richtige Balance zu finden." Zum Sieg reichte es trotzdem, auch dank der Stallregie seines Teams.

Stallregie mal anders: Denn Ferrari verweigerte Vettels Teamkollegen Kimi Räikkönen die mögliche Attacke auf den Führenden. Vettel wechselte in der 32. Runde die Reifen, Räikkönen wurde eine Runde später hereingeholt - und blieb knapp hinter dem Deutschen. Ungewollt. "Ich war schnell genug, um draußen zu bleiben", kritisierte der Finne seinen Stopp via Boxenfunk. Und als er gegen Ende des Rennens immer näher an Vettel herankam, folgte die nächste kritische Nachfrage: "Fährt er überhaupt mit voller Geschwindigkeit?" Räikkönen hätte gerne überholt, durfte aber nicht.

Mercedes löste das Problem anders: Bottas musste Hamilton zunächst ziehen lassen. Allerdings mit der Zusage, wieder vorbei zu dürfen, falls der Brite Räikkönen nicht überholen könne. Und tatsächlich, Hamilton hielt sich an seine in der 49. Runde gemachte Zusage und schenkte Teamkollege Bottas den dritten Platz. Dem WM-Zweiten fehlen nun drei Punkte, die zum Saisonende entscheidend sein könnten.

Erkenntnis des Rennens: Mercedes lebt, zumindest in der Formel 1, den Fairplay-Gedanken. Vettel kann es nur Recht sein, er geht nun mit einem Vorsprung von 14 WM-Punkten in die Sommerpause. Weiter geht es erst am 27. August mit dem Rennen in Spa-Francorchamps (14 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE).

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