Formel-1-Flop McLaren Der Indianapolis-Trick

McLaren steckt in der Krise. Umso wichtiger wäre es, Top-Fahrer Fernando Alonso zu halten. Dafür gestattet ihm der Rennstall sogar einen Seitensprung. Doch nun buhlt ein Konkurrent um den Spanier.

Fernando Alonso
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Fernando Alonso

Aus Sakhir berichtet Karin Sturm


McLaren-Teamchef Eric Boullier spielt mit offenen Karten. Die Idee, Fernando Alonso unter McLaren-Logo beim Motorsport-Klassiker Indy 500 antreten zu lassen, ist Teil eines großen Plans. "Das ist doch legitim, jeder hat so seine Tricks beim Verhandeln", sagt der Franzose. Boullier möchte seinen Superstar bei Laune halten, um Alonsos auslaufenden Vertrag bei McLaren-Honda noch einmal zu verlängern - trotz des desaströsen Saisonstarts.

Ende vergangenen Jahres hätte Boullier nicht zu solchen taktischen Winkelzügen greifen müssen. Da machte das britisch-japanische Team noch vollmundige Ankündigungen. Um Siege wolle man 2017 mitfahren, mindestens aber um Podestplätze. Stattdessen läuft McLaren nun Gefahr, zum Flop des Jahres zu werden. Der neu entwickelte Honda-Motor wurde nach Mercedes-Vorbild mit getrennten Komponenten gebaut, doch das japanische Triebwerk ist eine einzige Enttäuschung.

"Wir haben weder Leistung noch Zuverlässigkeit", sagt Alonso seit den ersten Testfahrten. Angeblich sollen dem McLaren bis zu 100 PS im Vergleich zu den Spitzenmotoren fehlen. Das Auto sei grundsätzlich okay, da gäbe es keine größeren Schwierigkeiten. "Wenn es nur danach ginge, könnten wir vorne mit dabei sein", so Alonso, der beim zweiten Saisonrennen in China sogar sagte: "In den Kurven bin ich der Schnellste."

Aber weil McLaren auch die Zuverlässigkeit nicht in den Griff bekommt, sammelten Alonso und Teamkollege Stoffel Vandoorne in zwei Rennen noch keinen WM-Punkt. Beim Qualifying zum Großen Preis von Bahrain am Sonntag (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) folgte der nächste Rückschlag, Alonso musste seinen Boliden im zweiten Abschnitt mit Motorschaden abstellen. Da tröstet es auch nicht, wenn der Ausfall in China ausnahmsweise einem Antriebswellendefekt geschuldet war. Und um noch mehr Probleme zu verhindern, müssen die Fahrer immer wieder früh hochschalten - was Zehntelsekunden kostet.

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Fernando Alonso: Riesiges Talent, unglückliche Teamwahl

"Honda müsste besser verstehen, wie die heutige Formel 1 funktioniert", sagte Teamchef Boullier im März, als sich das Desaster abzeichnete. Der Ton in Richtung Japan war zeitweise so rau, dass sich schon die Frage stellte, ob eine weitere Zusammenarbeit überhaupt noch möglich sei. "Wenn man so mit Japanern umgeht, dann erreicht man nur das Gegenteil, dann passiert dort überhaupt nichts mehr", sagt Peter Bürger. Der Deutsche ist Repräsentant des japanischen Helmherstellers Arai in der Formel 1 und seit 30 Jahren mit den fernöstlichen Gepflogenheiten vertraut.

Zwischenzeitlich soll sich die McLaren-Führungsspitze sogar schon bei Mercedes erkundigt haben, ob man nicht ab 2018 die frühere Zusammenarbeit wiederaufnehmen könne. Jetzt scheint man sich aber auf einen anderen Weg zu konzentrieren. Offenbar ist Honda erstmals bereit, fremde Hilfe anzunehmen: Der Schweizer Motorenpapst Mario Ilien hat als "Berater" bei McLaren angeheuert. Nicht, um dort einen eigenen Motor zu bauen - aber um Input zu liefern. So, wie er auch zwischenzeitlich bei Renault einige Dinge in Schwung brachte.

Die Chance, durch den Indy-Start, für den er ja sogar den Monaco-GP auslässt, Motorsport-Geschichte zu schreiben, soll den frustrierten Alonso McLaren-Honda gegenüber freundlich stimmen. Dass er davon träumt, nach seiner Formel-1-Karriere auch noch einmal die 24 Stunden von Le Mans zu gewinnen, ist kein Geheimnis. Und auch bei diesem Klassiker will McLaren in Zukunft starten. Mit dieser Perspektive, so hofft man, könne man Alonso überzeugen, noch einmal Geduld aufzubringen - in der Hoffnung, dass der Honda-Motor mit Iliens Hilfe das Team 2018 endlich aufs Podium bringt. Vor allem, weil der Weltmeister von 2005 und 2006 immer wieder betont, sich nicht als "Verlierer" aus der Formel 1 verabschieden zu wollen.

Doch McLaren bekommt offenbar Konkurrenz. Renault soll Interesse an einer Rückkehr Alonsos haben, mit ihm und Nico Hülkenberg will der französische Rennstall angeblich 2018 um Siege fahren. Dann wäre Boulliers Indianapolis-Trick nicht aufgegangen.

insgesamt 2 Beiträge
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Bueckstueck 16.04.2017
1. Mario Ilien
Mario Ilien - ein renommierter Name mit Gewicht in der Formel 1. Das könnte den Klotz von Honda vorwärts bringen, wenn die Japaner denn uneingeschränkt offen für seinen Input sind. Es ist nämlich eine Schande zu sehen wo das Dreamteam McLaren Honda aus den frühen Neunzigern heute herumdümpelt.
www.yzx.de 16.04.2017
2. Alonso
Der Dauer-Beschwerde-Weltmeister Fernando Alonso ist genau da wo er hingehört. Der Mann konnte noch nie ein Auto entwickeln. Damit hätte er dann sogar was mit Lewis Hamilton was gemeinsam. Weswegen genau diese Personalie auch einer der Gründe dafür ist, dass es bei McLaren nicht vorwärts geht. Mal sehen, ob Bottas bei Mercedes den "Ingenieuer" Rosberg ersetzen kann. Hamilton kommt ja nichtmal mit den paar Knöppen auf dem Lenkrad klar. Interessiert ihn wohl auch genauo wenig, wie sich Alonso für sowas interessiert. In einem Ingenieurssport reicht es eben nicht, einfach nur schnell fahren zu können. Und das ist auch gut so. :-)
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