Ferrari-Debakel Experten geben Schumacher noch nicht auf

Das ernüchternde Ergebnis vom Bahrein-Grand-Prix hat im Ferrari-Rennstall eine Trotzreaktion ausgelöst. Mit Sonderschichten auf den Teststrecken in Italien und Barcelona will die Scuderia den Rückstand aufholen. Auch die Konkurrenz hat Michael Schumacher längst noch nicht abgeschrieben.


Michael Schumacher nach dem Ausfall in Bahrein: "Wir kämpfen uns zurück, das neue Auto ist sehr schnell"
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Michael Schumacher nach dem Ausfall in Bahrein: "Wir kämpfen uns zurück, das neue Auto ist sehr schnell"

Manama - "Jetzt arbeiten wir noch härter", kündigte Schumacher nach dem Ausfall von Bahrein an. Der siebenfache Weltmeister hat den Kampf um den Titel trotz des schlechtesten Saisonstarts seiner Karriere längst noch nicht aufgegeben. Lediglich zwei Punkte hat Schumacher in den drei Rennen bisher einfahren können, der WM-Führende Fernando Alonso dagegen bereits 26.

"Wir werden in den nächsten Wochen weiter ausgiebig testen, und dann freue ich mich auf das Ferrari-Heimspiel in Imola. Wir kämpfen uns zurück, das neue Auto ist sehr schnell", gibt sich Schumacher optimistisch, was den weiteren Saisonverlauf angeht. Bereits am Freitag wird Ferrari in Barcelona testen, in der Woche darauf sollen mit Sonderschichten auf den Teststrecken in Italien die Probleme mit der Zuverlässigkeit des F2005 und den Reifen abgestellt werden.

"Schön, dass mal andere Fahrer gewinnen"

Nach Schumachers erstem technisch bedingten Ausfall seit dem 29. Juli 2001 in Hockenheim - ein Hydraulikdefekt stoppte ihn in Runde zwölf - beträgt der Rückstand in der WM bereits 24 Punkte auf den überlegenen Bahrein-Sieger Alonso. Einen derart großen Rückstand hat Schumacher auf dem Weg zu seinen sieben WM-Titeln noch nie aufgeholt; vier Rennen in Folge nicht auf dem Podest stand er zuletzt in seinem ersten Ferrari-Jahr 1996.

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Bahrein-Grand-Prix: Schwarze Nasen, freie Rücken

Dennoch glauben alle Experten noch an Schumachers Chance. "Für die Formel 1 ist es schön, dass mal andere Fahrer gewinnen", sagte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, "aber es sind noch 160 Punkte in 16 Rennen zu gewinnen. Michael kommt zurück. Garantiert."

Dagegen hält sich der Optimismus in Italien nach der dritten Enttäuschung in Folge zurück, allgemein wird von einem Albtraum in der Wüste gesprochen. "Ferrari-Schock. Auch der neue F2005 hat sich als verheerende Blamage erwiesen", schrieb die Zeitung "La Repubblica". Der "Corriere della Sera" resümierte: "Der neue Ferrari lässt Schumacher im Stich."

Ferrari-Teamchef Jean Todt fordert indes die Ferraristi zum Durchhalten auf: "Ich rufe die Tifosi auf, uns weiterhin zu unterstützen. Wir werden sie nicht mehr enttäuschen und schon in Imola angreifen."

Lob von Alonso

Davon ist auch Ex-Weltmeister Niki Lauda überzeugt. Die Geschwindigkeit des neuen Autos sei da, jetzt müsse man die Schwachstellen des Gefährts beheben: "Das ist mit Tests relativ einfach. Ich bin sicher, dass Michael wieder gewinnt. Um die WM muss er diesmal hart kämpfen, aber er hat sicher noch eine Chance."

Selbst WM-Spitzenreiter Alonso, der von Ecclestone schon als "kommender Superstar" gelobt wird, fürchtet im Titelkampf vor allem Michael Schumacher. "Michael war bis zu seinem Ausfall schneller als ich. Die haben wirklich ein gutes neues Auto, aber sie scheinen noch Probleme mit den Reifen zu haben."

Bridgestone-Technikchef Hisao Suganuma verspricht jedoch in den drei Wochen bis zum Rennen in Imola am 24. April eine neue Gummimischung: "Wir bringen einen ganz neuen Reifen. Wir werden unsere Tests noch mal ausweiten."



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