Ferrari-Dominanz Teaminterner Punkteklau

Die Ferraris sind die schnellsten Autos im Feld: Doch diese Stärke ist auch das größte Problem des Rennstalls - es gibt keine klare Nummer eins im Team. Davon könnte die Konkurrenz profitieren. Doch Lewis Hamilton blieb in Magny-Cours erneut ohne Punkte. Deutlich zugelegt hat dagegen Toyota.

Von Stephan Gröne


Sie sind derzeit einfach nicht zu stoppen: Kurz vor der Saisonhalbzeit hat Ferrari erneut bewiesen, dass das Team es geschafft hat, das schnellste Auto im Feld zu bauen. Selbst dann, wenn die High-Technik zwischenzeitlich versagt. Oder wenn es regnet. Beim achten Grand Prix des Jahres in Frankreich musste sich die Scuderia kurzfristig sogar mit beiden Härtefällen auseinandersetzen. Ohne allerdings in eine echte Notlage zu geraten, wie die Wiederholung des Doppelsieges aus dem Vorjahr beweist.

Trotzdem ist die Stärke der Ferraris gleichzeitig ihre größte Schwäche im Kampf um den Fahrertitel. Denn sie schürt die Konkurrenz im eigenen Lager. Was ein Team-interner Punkteklau anrichten kann, hat McLaren-Mercedes in der Vorsaison schmerzlich erfahren. Doch während sich Felipe Massa im vergangenen Jahr notgedrungen der Mission Fahrer-WM unterordnete und als Edelhelfer Kimi Räikkönen zum Titel verhalf, sieht sich der Brasilianer nach seinem dritten Erfolg 2008 nun völlig zu Recht als Siegfahrer und Titelanwärter. "Manchmal brauchst du auch ein bisschen Glück. Die Meisterschaft ist nun wieder zu 100 Prozent offen und wir haben noch einige Rennen zu fahren. Aber es ist nicht mein Traum, die Meisterschaft anzuführen, sondern sie zu gewinnen," sagte Massa angriffslustig.

Das lässt auf einige heiße und riskante Team-interne Duelle in der Zukunft schließen. In Vergangenheit und Gegenwart war Massas finnischer Team-Kollege eher mit der Erweiterung seiner persönlichen Pleiten-, Pech- und Pannenstatistik befasst. Zur Erinnerung: Dem Auffahrunfall in Monaco folgte der Crash mit Lewis Hamilton vor der roten Ampel in Kanada, in Magny-Cours bremste ihn nun in Führung liegend ein defekter Auspuff aus. Selbst ein gelernter Stoiker wie Räikkönen verlor nach dieser Negativserie ein wenig die Fassung: "Unterm Strich ist das enttäuschend, keine Frage. Aber ich nehme die acht Punkte, stecke sie in die Tasche, und stehe besser da als vor einigen Tagen. Das sind die Sachen, die immer wieder passieren, das haben wir in den letzten Rennen auch gesehen."

In denen profitierte BMW-Sauber Pilot Robert Kubica am meisten von den Zufällen und Missgeschicken der Konkurrenz. Beim Großen Preis von Frankreich lief es aber nicht so positiv wie zuletzt. Wenn Kubica seine Titelchancen wahren will, muss er jede Schwäche der Konkurrenz zu seinem Vorteil nutzen. Das gelang ihm in Frankreich nur teilweise. Allerdings unterstrich er seinen Nummer-1-Status im Team gegenüber dem wieder einmal weit hinterher fahrenden Nick Heidfeld (Platz 13) eindrucksvoll. Und baute als Fünfter seinen Vorsprung auf den vierten und letzten Titelkandidaten Hamilton ein wenig aus.

Der Brite kämpft momentan eher gegen die komplexen Formel-1-Regelbücher an. Strafversetzt wegen des Blackouts in Kanada musste er von der 13. Startposition ins Rennen gehen und konnte sich bis ins Ziel nur unwesentlich auf Rang zehn verbessern. Damit blieb Hamilton erstmalig in zwei aufeinander folgenden Auftritten ohne Punkte, sicherte sich aber wohl vorzeitig den inoffiziellen Titel der Strafenwertung. Nach einem vergleichsweise harmlosen "Schikanen-Abkürzer" belegten ihn die Rennkommissare zusätzlich mit einer Durchfahrtsstrafe.

Diese nahm sein Teamchef zum Anlass, erste Verschwörungstheorien auf den Weg zu bringen. "Ich will keinen Verfolgungswahn entwickeln. Ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse," so der mühsam um Fassung ringende Ron Dennis. Mercedes-Sportchef Norbert Haug wurde da schon etwas deutlicher: "Uns sind schon viele Punkte genommen worden. Lewis hat in Kanada sicher einen Fehler gemacht und wurde dafür bestraft, aber es ist in letzter Zeit viel zusammengekommen. Das liegt jetzt hinter uns. Nun wollen wir in den nächsten Rennen richtig angreifen." Beim vergangenen McLaren-Heimspiel in Silverstone lag allerdings Räikkönen vor den Silberpfeilen.

Den meisten Grund zum Feiern hatte neben Ferrari ausgerechnet Toyota. Die Japaner gingen mit Trauerflor an den Start und widmeten ihr Rennen Ex-Teamchef Ove Andersson, der vor einer Woche bei einem Rallye-Unfall ums Leben kam. Ihm zu Ehren fuhr Jarno Trulli am Limit und ließ sich nicht vom Treppchen vertreiben.

Mittlerweile kämpft Toyota mit Red Bull um den vierten Platz der Teamwertung und ist auf dem besten Wege, sich endlich unter den Top-Rennställen zu etablieren. Der Cockpit-Tausch zwischen dem talentierten Timo Glock und dem hochbezahlten, aber untertourig fahrenden Ralf Schumacher zahlt sich mehr und mehr aus.

Noch ein Deutscher wird im nächsten Jahr wohl in einem schnelleren Auto sitzen. Sebastian Vettel wird als Nachfolger David Coulthards gehandelt. Von Toro Rosso zum Mutterteam Red Bull, ein Sprung, den ihm auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner zutraut: "Es wäre die perfekte Möglichkeit."



insgesamt 516 Beiträge
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georgeskoch, 16.03.2008
1. Formel Fahrer
Vorausgesetzt der Wagen hält durch, werden sich gegenüber letztem Jahr die Fahrer verbessern, die generell im Regen schnell sind. Schnell bei Regen, da fährt Nick Heidfeld ganz klar, ganz weit vorne. Meine Bewunderung galt immer denen die im Regen schnell waren. Keine Traktionskontrolle, hat fahrtechnisch mit Regen einige Gemeinsamkeiten. Und dann gibts da natürlich noch einen Fahrer, der für mich unschlagbar bei Regen ist. Michael Schumacher. Das Come Back, lässt grüßen!!
mario link 16.03.2008
2. Autos im Ziel
1958 in Monza waren es nur 3 (von 21) Boliden, die das Rennen beendeten 1966 in Monaco kamen ebenfalls nur 4 Wagen ins Ziel
Umberto, 16.03.2008
3.
Zitat von sysopGelingt McLaren-Pilot Lewis Hamilton in seinem zweiten Jahr der Gesamtsieg in der Königsklasse? Kann Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen seinen Titel verteidigen? Welche Chancen haben die fünf deutschen Fahrer in der Formel-1-Saison 2008?
Lewis Hamilton, wer denn sonst? Die besten Chancen hat IMO Nick Heidfeld. Zum Titel wird's jedoch sicher nicht reichen.
derpolokolop 16.03.2008
4.
Egal wer gewinnt ist laut Bildzeitung Deutschland immer irgendwie vorne ;-) Lewis oder Kimi wird Meister. Nick Heidfeld bester Deutscher.
julius-dookie 16.03.2008
5.
Also wenn ich mich recht entsinne sind die Ergebnisse in der Flashanzeige von 2006 und nicht von 2007. Alonso z.B. hatt letztes jahr nicht gewonnen ;) mfg julius
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