Ferrari in der Krise Ein Rennstall sieht rot

Die Formel-1-Saison hat gerade erst begonnen, schon geht es bei Ferrari nur noch um Schadensbegrenzung. Das Auto ist nicht konkurrenzfähig, Pilot Felipe Massa gilt als Streichkandidat. Der Traditionsrennstall droht, den Anschluss zu verlieren.

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Berlin - Sportwagenbauer Ferrari hat in dieser Woche verkündet, in Italien ins Bahngeschäft einsteigen zu wollen. Die Voraussetzungen dafür sind gut: Mit dem Problem Verspätungen kennt sich Ferrari aus der Formel 1 derzeit bestens aus.

Die Saison ist gerade einmal ein Rennen jung, und schon befindet sich der Traditionsrennstall aus Maranello in höchster Alarmstimmung. Die Ergebnisse vom Auftakt-Grand-Prix in Melbourne sind vor allem für den zweiten Mann im Cockpit, Felipe Massa, ein Desaster gewesen. Während sein Stallkollege Fernando Alonso mit Platz fünf die ohnehin niedrigen Erwartungen zumindest erfüllte, bot Massas Auftritt ein einziges Bild des Jammers.

Der Brasilianer, seit 2006 bei den Roten unter Vertrag, fuhr dem Feld in Australien dermaßen hinterher, dass es den hartgesottenen Ferrari-Fans die Tränen ins Gesicht treiben musste. Zwölf Runden vor dem Ziel hatte das Trauerspiel dann ein Ende: Massa stieg auf Platz 14 liegend nach einer Kollision mit Bruno Senna aus dem Auto - möglicherweise ein Sinnbild für seine Zukunft bei den Italienern.

Massa nur noch ein Lückenbüßer?

Vor dem zweiten Rennen des Jahres, dem Großen Preis von Malaysia in Sepang (Sonntag 10 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), hat die Personaldebatte um den 30-Jährigen Fahrt aufgenommen. Und wenn Massa auch tapfer behauptet, es "interessiert mich nicht, was die Zeitungen schreiben", so kann sich im Moment niemand recht vorstellen, dass der Fahrer das Ende der Saison im November noch bei Ferrari erleben wird.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte bereits vor zwei Wochen im SPIEGEL-ONLINE-Interview gemutmaßt, dass Massa ohnehin nur noch bei den Roten mitfahren dürfe, weil sich Wunschkandidat Robert Kubica im Vorjahr so schwer verletzt hatte. Jetzt sind mit dem Mexikaner Sergio Perez und dem Italiener Jarno Trulli die nächsten Namen im Gespräch. Beide zählen allerdings ebenfalls nicht zur Riege der Hochkaräter. Selbst der Deutsche Adrian Sutil, der zuletzt eher durch Schlagzeilen neben der Rennpiste auffiel, wurde in die Debatte gebracht.

Rückendeckung hat Massa in diesen Tagen lediglich von Rekordweltmeister Michael Schumacher bekommen, seinem früheren Teamkollegen: "Er hat 2008 um die WM gekämpft, es gibt keinen Grund, warum ihm das in Zukunft nicht mehr gelingen sollte." Das Wort Schumachers zählte in der Formel 1 allerdings schon einmal mehr.

Personaldiskussion überdeckt Ferraris Hauptproblem

Wobei die Diskussion um Massa das Hauptproblem von Ferrari nur mühsam überdeckt. Schwierigkeiten bereitet nicht zuerst der Fahrer - schließlich hat man in Alonso zumindest einen Top-Mann unter Vertrag - , sondern das Auto. Die Italiener sind derzeit dabei, in der Formel 1 den Anschluss zu verlieren. Das neue Gefährt ist nicht konkurrenzfähig. Red Bull und McLaren sind schon seit längerem weit weg, sie haben einfach die besseren Techniker. Jetzt droht den Italienern auch noch das Überholen durch die nächsten Teams. Ferrari, immer noch der stolzeste aller Motorsport-Rennställe, läuft Gefahr, nur noch einer von vielen in der Formel 1 zu werden. Für die Ferraristi in aller Welt ist das undenkbar.

Noch im Februar hatte der allmächtige Boss Luca di Montezemolo bei der offiziellen Team-Präsentation der Welt den Satz mitgeteilt: "Diese Saison wird rot." Er hat dabei nicht daran gedacht, dass damit die Scham- oder Zornesröte gemeint sein könnte.

Alonso hatte zu Jahresbeginn noch einen "großen Hunger, ein dominantes Auto zu bauen", verspürt. Einen Monat später musste er kleinlaut verkünden, dass man "in den ersten Rennen die Zähne zusammenbeißen" müsse. Nachdem er dann noch anfügte, das neue Auto sei "schwer zu verstehen", wurden ihm und Massa vom Rennstall nahegelegt, sich erst einmal nicht weiter öffentlich zu äußern.

Von Optimismus ist bei Ferrari nichts übrig geblieben. Alonso flüchtet sich mittlerweile in Phrasen ("Wir halten zusammen. Wir werden kämpfen"), der Druck auf Teamchef Stefano Domenicali und Technikdirektor Pat Fry ist enorm. Ferrari hat in der Vorsaison nur eins von 19 Rennen für sich entschieden, Massa ist nicht ein einziges Mal aufs Podest gekommen - danach war man sich in Maranello einig, dass es nicht mehr schlechter hätte laufen können als 2011. Aber offenbar ist 2012 noch Luft nach unten.

Für Malaysia bekommt Massa ein quasi neues Auto hingestellt - mit dem Ergebnis, dass er damit in den ersten Trainingsläufen am Freitag die Plätze 13 und 16 belegte. Massa sagte: "Wir haben nicht nur das Chassis gewechselt, wie haben alles gewechselt." Bis auf den Fahrer. Das kommt wohl als nächstes.

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Sapientia 23.03.2012
1. Unsinnige Betrachtung
Zitat von sysopDPADie Formel-1-Saison hat gerade erst begonnen, schon geht es bei Ferrari nur noch um Schadensbegrenzung. Das Auto ist nicht konkurrenzfähig, Pilot Felipe Massa gilt als Streichkandidat. Der Traditionsrennstall droht, den Anschluss zu verlieren. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,823243,00.html
Es steht doch zwar nicht zum Besten, Massa zerbricht schon länger an dem hochkarätigen Alonso jenseits seiner fahrerischen Kulmination und wäre auch ohne ihn im Dauerabstieg. Gleichwohl kann man den aktuellen Stand dieses Teams nicht nach einem Rennen so betrachten, als sähe man bereits auf die abgelaufene Saison zurück. In der F1 ist immer alles möglich, so auch, daß der Ferrari wieder ganz vorne fährt.
austin mini 23.03.2012
2. Was soll's
Das gab es in der Prä/Prä/Prä-Schumacher-Ära doch auch schon alles mal. Ferrari war - rückblickend - nicht all die Jahrzehnte Top-of-the-list, eher jahrelang ziemlich mies dabei. Jetzt hängen sie mal ein bisschen durch, andere kommen hoch, dann gibt es in ein paar Jahren vielleicht mal wieder so eine Paarung aus Teamchef und Fahrer (wie Brawn und Schumacher) und alles wird gut - für die Ferrari-Fans. Vielleicht. Jetzt ist die Zeit der McLaren und der RedBull, evtl. kommt Mercedes noch zum Schuss (naja...). Und vielleicht sogar Sauber oder Lotus (ähem, Renault oder was auch immer). Ist doch schön so. Endlich mal wieder ein bisschen Spannung. Wo schon die aktuellen F1-Autos so häßlich wie noch nie geworden sind...die Amis lachen sich bestimmt kaputt darüber. Da sehen die Rennwagen wie Rennwagen aus, nicht wie Experimente auf Rädern... Man ist ja jetzt ganz froh, dass das normale RTL-Digitalbild(!) so miserabel ist. Da fallen die komischen Dinger kaum auf, man könnte sich fast vorstellen, sie sähen gut aus. Oder zumindest wie Autos. Egal, ob ein Fiat - quark: Ferrari - hinterher fährt oder nicht. :-)
Nämbercher 23.03.2012
3. .
Zitat von sysopDPADie Formel-1-Saison hat gerade erst begonnen, schon geht es bei Ferrari nur noch um Schadensbegrenzung. Das Auto ist nicht konkurrenzfähig, Pilot Felipe Massa gilt als Streichkandidat. Der Traditionsrennstall droht, den Anschluss zu verlieren. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,823243,00.html
Tja, der Spanier ist eben doch kein Schumi. Mit dem gings in den 4-5 Entwicklungsjahren wenigstens immer nach oben, mal mehr, mal weniger, aber wenigstens nie nach unten. Der Spanier scheint allerdings nicht in der Lage zu sein, dem Team wirklich zu helfen. Anscheinend doch kein so Großer für den er von vielen (und er vor Allem von sich selbst) gehalten wird.
herr_jaspers 23.03.2012
4. 'n ferrari
Zitat von sysopDPADie Formel-1-Saison hat gerade erst begonnen, schon geht es bei Ferrari nur noch um Schadensbegrenzung. Das Auto ist nicht konkurrenzfähig, Pilot Felipe Massa gilt als Streichkandidat. Der Traditionsrennstall droht, den Anschluss zu verlieren. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,823243,00.html
iss halt auch bloß ein rot lackierter fiat... mfg
mitbestimmender wähler 24.03.2012
5. Zuviel ins Rotweinglas geschaut, was?
Ja klar die silbernen Mercedes-AMGs sind erfolgreicher? Tolle Karre, super Piloten, ja bei Mercedes geht die Post ab und sie kommen nicht mehr vom jubeln weg, die sollen doch auf Stelzen laufen um nicht die Podesthöhe zu verlieren......... Ich bin glaub im falschen Film. Mercedes mag schon Nie und Nimmer junge Teams oder Ex Partner schlagen.
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