Testfahrten in der Formel 1 Vorteil Vettel

Nach der zweiten Testwoche in der Formel 1 hat sich die Favoritenrolle von Ferrari gefestigt. Titelverteidiger Mercedes holt nur langsam auf. Zudem sitzt dem Weltmeister-Rennstall das Red-Bull-Team im Nacken.

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Von Karin Sturm


Auch nach der zweiten Testwoche der Formel 1 bleibt es dabei: Der vorläufige Sieger heißt Ferrari. Zwar kam Mercedes mit einem gegenüber der ersten Woche neuen Aeropaket etwas näher heran, doch zumindest momentan scheint der von Sebastian Vettel und seinem neuen Teamkollegen Charles Leclerc verbreitete Optimismus berechtigt.

Als Leclerc und Valtteri Bottas am Donnerstag auf dem Kurs in Barcelona unter ähnlichen Bedingungen eine Rennsimulation fuhren, die immer aussagekräftiger ist als einzelne Rundenzeiten, hätte der Ferrari gewonnen. Der Vorsprung betrug am Ende fünf Sekunden - zwischenzeitlich war die Differenz sogar wesentlich größer gewesen. "Weil Leclerc auf der schon wieder kühler werdenden Strecke wohl Probleme mit den Reifen bekam", wie Mercedes-Sportchef Toto Wolff glaubte - oder, weil Ferrari am Ende Tempo herausnahm, wie man es auch in einem Rennen machen würde, wenn man einen Vorsprung nur noch verwaltet.

Dass gerade die Spitzenteams beim Testen noch nicht alles zeigen, ist bekannt - vor allem Mercedes war in den vergangenen Jahren immer gut im "Versteck spielen". Aber diesmal scheint man auch bei Ferrari in der Lage zu sein, dieses Spielchen mitzumachen - und trotzdem vorne zu liegen.

Vettel präsentiert sich in bester Form

Ein Beispiel: Wenn Leclerc auf den harten Reifen eine Rundenzeit von 1:17,2 Minuten fährt, dann müsste auf den ganz weichen Reifen eine mittlere 15er-Zeit möglich sein. Heraus kam aber nur eine Zeit von 1:16,2 Minuten. "Wir waren noch nicht am Limit", sagte der Monegasse, mit einem leichten Lächeln im Gesicht. Wie wohl auch Vettel - der bei seiner Wochenbestzeit am Freitag bei den Topspeeds nicht einmal unter den ersten Sechs auftauchte.

Vettel ließ sich jedenfalls auch durch einen Unfall am Mittwoch - Ursache war eine durch einen Fremdkörper beschädigte Felge - seine gute Laune nicht nehmen: "Das Auto ist stark, an meinen positiven Eindrücken aus der ersten Woche hat sich da nichts geändert", sagte Vettel.

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Also gute Chancen auf den fünften WM-Titel, den ersten mit Ferrari? Vettel drückt sich noch vorsichtig aus, aber der Optimismus klingt durch, im Tonfall, in der Körpersprache: "Wir stehen vor einer langen Saison mit großen Herausforderungen. Aber wir gehen mit viel Selbstvertrauen in die Saison. Wir wollen vom ersten Rennen an auf Speed sein. Ferrari hat alle Zutaten, um Weltmeister zu werden."

Auch beim Blick auf die Konkurrenz bleibt er entspannt: "Ich war überrascht, wie viele Neuheiten bei Mercedes ans Auto gekommen sind. Aber jedes Team verfolgt da die eigenen Pläne", sagte Vettel und ergänzte: "Wir haben gute Leute im Team, die die Zeiten der Gegner analysieren. Wir sollten flott dabei sein, Red Bull Racing-Honda macht einen guten Eindruck, Alfa Romeo-Sauber auch. Mercedes ist da schwerer einzuschätzen, deren Zeiten waren mal gut, mal eher weniger."

Mercedes tüftelt noch an seinem Konzept

Was nach Einschätzung der Mercedes-Ingenieure vor allem am Reifenverhalten liegt - da sei das Auto mit den neuen Pirelli-Konstruktionen noch sensibel, etwa in Sachen Streckentemperaturen. Gegen Testende in der Rennsimulation lag man immerhin vor Red Bull, denen man in der ersten Testwoche noch deutlich hinterher fuhr.

Wolffs Fazit fällt zurückhaltend aus: "Ferrari liegt ein gutes Stück vor uns und Red Bull." Die Ingenieure sehen das Defizit bei zwei bis drei Zehnteln pro Runde, Weltmeister Lewis Hamilton spricht von einer halben Sekunde. Sollte sich das auch beim Saisonauftakt in Australien (17. März) nicht ändern, müsste man bei Mercedes wohl doch noch einmal darüber nachdenken, das eigene Aero-Konzept grundlegend zu verändern. Das würde allerdings Zeit kosten: "Dann können wir die ersten Rennen abschreiben, weil wir unser Konzept einfrieren müssten, bis das andere bereit ist", sagte Wolff.

Bei Red Bull sieht man sich nach internen Berechnungen zwar immer noch hinter Ferrari, aber vor Mercedes. Bis Melbourne will man den Rückstand auf die Roten aufgeholt haben. Motorsport-Koordinator Helmut Marko sieht sein Team mit dem neuen Motorenpartner Honda jedenfalls auf dem richtigen Weg. "Wir sind total zufrieden. Das Paket funktioniert wie erwartet. Honda hat einen super Job gemacht. Es zahlt sich jetzt schon aus, dass wir jedes Teil des neuen Autos in Absprache mit Honda designt haben."

Mindestens genauso wichtig: Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren mit Renault hat man jetzt wieder Werksteam-Status: "Das macht bei der Entwicklung einen entscheidenden Unterschied", sagt Marko und er ist überzeugt, dass sein Pilot Max Verstappen in diesem Jahr in den WM-Titelkampf eingreifen kann - den Holländer zum jüngsten Weltmeister der Geschichte zu machen, ist das große Ziel bei Red Bull. Sebastian Vettel dürfte etwas dagegen haben: Bisher trägt er den Titel des jüngsten Weltmeisters.



insgesamt 5 Beiträge
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haraldbuderath 02.03.2019
1. Favoritenrolle von Ferrari?
2018 hatten die Medien auch Ferrari als Favorit und irgendeine Überlegenheit gesehen, Vettel und Ferrari werden 2019 wieder Versuchen Rennen zu Gewinnen und Vettel bleibt einer der Anwärter, ob die F1 irgendwann mal wieder durch ein anderes Team gewonnen werden kann steht in den Sternen, schaut man sich die Möglichkeiten an sind die Chancen nicht mehr als 1% in 2019, jedes Rennen Autotausch mal versuchen um den Meister zu ermitteln, jetzt spielt der Fahrer eine Untergeschicke Rolle und Motorpower entscheidet immer die Meisterschaft,
Southwest69 02.03.2019
2. Glückwunsch zum sechsten Titel Lewis.
In der F1 gibt es schon ewig die goldene Ananas für den Wintertestsieger, der unterscheidet sich aber oft von dem Weltmeister der am Jahresende gekürt wird. Vorteil Vettel hatten wir schon letztes Jahr..........er macht unter Druck zuviel Fehler, außer sein Auto ist mindestens eine ganze Sekunde schneller, wie der Red Bull.
frank_rau 02.03.2019
3. Was?
Der Vorsprung von Vettel auf Hamilton lag gestern bei 0,003. Das ist nichts. Und hier wird von deutlich geschrieben.
bhang 02.03.2019
4. [Zitat] Was? Der Vorsprung von Vettel auf Hamilton lag gestern bei
0,003. Das ist nichts. Und hier wird von deutlich geschrieben. [/Zitat] Hamilton macht den Unterschied wett. Normalos im AMG sind eine halbe Sekunde weg vom Ferrari (bzw. 0,350 Sekunden). Siehe Bottas. Hamilton kann das wie gesagt manchmal ausgleichen. Der hat in Autos, die überhaupt nichts mit der WM zu tun hatten, es auch hingekriegt, exakt so viele Pole Positions hinzukriegen (in der Saison 2009, nämlich vier an der Zahl) wie die beiden hauptsächlich um die WM kämpfenden Fahrer (Button, Vettel) in den zwei mit Abstand besten Teams jener Saison (Brawn, RedBull). So viel dazu.
Alias iacta sunt 05.03.2019
5. Wenn man sich jetzt schon bei Testfahrten wg. 0,5s in die Hose macht,
was ist dann, wenn beim Rennen dann einfach ein Rennstall mehr Gas gibt; oder die Reifen besser oder schlechter harmonieren?
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