Formel 1 Autoindustrie droht mit "Piratenserie"

Weil sich das Gerangel um die Vermarktungsrechte in der Formel 1 in die Länge zieht, wollen jetzt die beteiligten Autohersteller die Initiative ergreifen.


Werden die Silberpfeile bald in einer neuen Motorsport-Serie verladen?
AFP

Werden die Silberpfeile bald in einer neuen Motorsport-Serie verladen?

Stuttgart - Der Machtkampf um die Besitzverhältnisse in der Formel 1 hat sich offenbar massiv verschärft. Einem Bericht der Fachzeitschrift "Auto, Motor und Sport" zufolge, drohen die in der Formel 1 vertretenen Automobilhersteller wegen des Einstiegs der Kirch-Gruppe bei Bernie Ecclestones Holding SLEC mit dem Ausstieg aus der Weltmeisterschaft und mit der Gründung einer eigenen "Piratenserie". Die Automobilvorstände hätten Ecclestone bereits um das Management einer eigenen WM gebeten, heißt es in der am Mittwoch erscheinenden Ausgabe der Zeitschrift.

Wertlose Hülle


Im Falle eines Ausstiegs der großen Auto-Unternehmen würde die Kirch-Gruppe nur den Namen Formel 1 und die TV-Rechte kaufen, dies sei ohne Fahrer und Teams eine "wertlose Hülle", berichtet das Fachblatt. Hintergrund der Drohung ist der Einstieg der Kirch-Gruppe nach dem EM.TV-Deal in die Holding von Formel-1-Chef Ecclestone. Die Automobilhersteller DaimlerChrysler, BMW, Renault, Ford und Fiat befürchten, dass die Formel 1 ab 2004 hauptsächlich nur noch im Pay-TV zu sehen ist. Ecclestone hält es laut "Auto, Motor und Sport" auch für sehr gut möglich, dass Kirch entgegen seinen Beteuerungen mehr vorhat, als die TV-Rechte von RTL auf seinen Sender SAT.1 zu übertragen. Dafür könne sich der Medien-Unternehmer die Milliarden-Investition für die SLEC-Anteile sparen, glaubt Ecclestone: "Er zahlt einfach eine Million mehr als RTL. Schon hat er die Rechte."

Nach Angaben der Fachzeitschrift muss die Kirch-Guppe bis Ende Februar angeblich rund 2,5 Milliarden Dollar mobilisieren: Unter anderem sollen zunächst 550 Millionen für die Beteiligung an EM.TV fällig werden und anschließend 987 Millionen für eine weitere 25-Prozent-Option, die dem Münchner Medien-Unternehmen die Mehrheit an Ecclestones Holding sichern würde.

Streben nach Stabilität


Im "Concorde-Abkommen" zwischen dem Weltverband FIA und den Teams, dem "Gesetzbuch" der Formel 1, ist die Garantie festgeschrieben, dass die Formel 1 im Free-TV übertragen werden muss. Offenbar basiert diese Regelung auf einem brüchigen Vertragswerk, werden Insider zitiert. Die Regel könne beispielsweise mit einer zeitversetzten Berichterstattung umgangen werden, hieß es. Seit längerem sind die Hersteller daran interessiert, selbst auch Anteile an der Formel 1 zu erwerben. Zuletzt hatte ihnen Ecclestone ein Angebot über 33 Prozent gemacht. "Wir sind auf jeden Fall an einer Lösung interessiert, die der Formel 1 Stabilität garantiert. Wenn das dazu beiträgt, machen wir mit", sagte BMW-Motorsportdirekter Mario Theissen. Bestrebungen nach einer "Piraten-Serie" bestätigte der BMW-Mann nicht. "Nicht recht" wäre dem Unternehmen laut Theissen jedoch ein Abwandern der Formel 1 ins Bezahlfernsehen.



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