Budgetobergrenze, mehr Rennen So will die Formel 1 wieder spannend werden

Seit Jahren dominiert Mercedes die Formel 1. Für die Spannung ist das nicht gerade förderlich. Deshalb versucht der Weltverband, die Konkurrenz zwischen den Rennställen zu erhöhen.

Mercedes-Bolide in Mexiko Stadt: "Wollen mehr Action"
Alfredo Estrella / AFP

Mercedes-Bolide in Mexiko Stadt: "Wollen mehr Action"


Die Formel 1 soll ab 2021 sportlich, technisch und finanziell reformiert werden. Der Weltrat des Motorsport-Verbandes Fia hat entsprechende Pläne am Donnerstag einstimmig abgesegnet.

Die Regularien sollen spannendere Rennen fördern und die Kosten senken. Das gaben die Führung der Rennserie und die Fia am Rande des Großen Preises der USA in Austin (Sonntag, 20.10 Uhr; TV: RTL und Sky; Liveticker SPIEGEL ONLINE) bekannt. Rund zwei Jahre lang wurde an dem Konzept gearbeitet. Die Rennställe müssen sich noch entscheiden, ob sie unter den vorgestellten Regeln in der Formel 1 bleiben.

Hauptziel der neuen Agenda ist es, die Rennwagen so zu konzipieren, dass sich die Fahrer auf der Strecke intensiver bekämpfen können. Die Formel 1 solle weniger komplex und einfacher zu verstehen werden. "Wir wollen mehr Action", sagte Fia-Präsident Jean Todt: "Wir wollen eine engere WM und weniger vorhersehbare Rennen."

Zuletzt hatte Mercedes fünf Jahre hintereinander den Weltmeister gestellt, auch in dieser Saison dürfte Lewis Hamilton gewinnen. Der einzige Pilot, der ihm den Titel streitig machen könnte, ist Teamkollege Valtteri Bottas.

Kürzere Wochenenden, mehr Rennen

Die wichtigsten Neuerungen sind die erstmalige Einführung einer Budgetobergrenze für die Teams und die mögliche Erweiterung des Kalenders.

Maximal 175 Millionen US-Dollar sollen künftig pro Rennstall und Jahr ausgegeben werden dürfen. Eine Summe, die allerdings schon jetzt nicht alle Teams aufbringen können. Zudem bezieht sich die Obergrenze nur auf Ausgaben rund ums Auto. Andere Kosten, etwa das Fahrergehalt, fallen nicht darunter. Dass künftig also die kleineren Rennställe mit den größeren mithalten können, ist fraglich.

Damit die Formel 1 global weiter wachsen kann, soll es noch mehr Rennen geben. 2020 finden erstmals 22 Veranstaltungen statt, ein Jahr später könnten es noch maximal drei mehr werden. Dafür werden die Rennwochenenden von derzeit vier auf drei Tage verkürzt.

Zwischen drei und dreieinhalb Sekunden langsamer

Ab der übernächsten Saison sollen auch Änderungen bei Technik und Design der Autos greifen. Im Mittelpunkt steht ein simpleres Aerodynamik-Konzept. Der Frontflügel wird ab 2021 deutlich vereinfacht, andere hochkomplexe Elemente (etwa die Luftabweiser hinter den Vorderrädern) werden abgeschafft.

Das Chassis wird in seinen Maßen verbreitert, dies soll auch die Fahrer bei einem seitlichen Aufprall besser schützen. Weiterhin werden die Reifen größer, das Gewicht der Rennwagen nimmt um 25 Kilogramm zu. Insgesamt sollen die Wagen pro Runde zwischen drei und dreieinhalb Sekunden langsamer werden.

Alle technologischen Eingriffe sollen zur Folge haben, dass die Boliden besser dem vor ihnen fahrenden Rennwagen folgen können und es zu mehr Überholmanövern kommt.

Die Einführung von Standardteilen, etwa beim Cockpitschutz Halo oder den Pedalen, soll zur Kostensenkung beitragen. Neu sind auch Open-Source-Komponenten. Dabei teilen die Teams die Designs ihrer Komponenten mit den Mitbewerbern. Entwicklungskosten sollen so reduziert werden.

mon/dpa/sid



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Humanfaktor 01.11.2019
1. Ohne Budget-Begrenzung ist das alles vergebens
Die Probleme der Formel 1 sind die enormen Unterschiede in den Vergütungen und den Grundbudgets. Wird das grundlegende Problem nicht gelöst, weden alle Veränderungen der Layout der Fahrzeige binnen kurzer Zeit wieder egalisiert werden und die Abstände der Teams werden noch größer, weil die finanzielle weniger gut ausgestatteten Teams kaum die Ressourcen haben, um den davoneilenden Sitzenteams etwas entgegen zu setzen. Die einen kompensieren also die Änderunge, die anderen haben dafür einen Mittel - oder erst zu spät in der Saison Zugriff. Es ist nicht zu erwarten, dass die reichen Teams ihre Efforts so mirnichtsdirnichts "open source" teilen werden. Das anzunehmen ist Traumtänzerei. Ohne Budget-Limitierung und reziproker Verteilung der Einnahmen (wer am wenigsten hat bekommt anteilig am meisten von den ausgekehrten Mitteln der Vermarktungseinnahmen), die die schwächer ausgestatteten Teams einen Schritt weiter bringt, wird die F1 immer weiter auseinander klaffen und letztlich veröden, weil vorhersehbar ist, wie die WM ausgeht. Das reichste Team gewinnt.Da hilft auch keine kurzfristige Kosmetik an den Regeln der Fahrzeug-Layouts.
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