Formel-1-Champion Vettel Vom frechen Fratz zum Doppelmeister

Mit 24 Jahren zweifacher Weltmeister, wie geht das? Mit drei saß Sebastian Vettel zum ersten Mal in einem Kart - schon früh bemerkten Förderer wie Michael Schumacher sein großes Talent und sein Gespür für Autos. Vettels erster Teamchef in der Formel 1 schwärmt noch heute davon.


Sebastian Vettel kann sich nicht mehr genau an den Tag erinnern. "Ich war etwa sechs Jahre alt und wollte im Verein Fußball spielen. Wie jeder in meinem Alter. Ich hatte einen Pass, kam aber irgendwie nie zum Einsatz. Wahrscheinlich war ich einfach nicht gut genug." Damit war seine Fußballkarriere beendet. Die Ausbildung zum Formel-1-Fahrer konnte beginnen.

Vater Norbert Vettel hatte Sebastians Schwester Melanie einen Kart geschenkt. Dachte er zumindest. Doch wer am Ende wirklich im Kart saß und gar nicht mehr herausklettern wollte, war der dreijährige Sebastian. Heute sagt Vettel: "Ich denke, ich hatte so schon früh meine Bestimmung gefunden." Zumal er das "Benzin-Gen" geerbt hatte. "Mein Vater fuhr Bergrennen, und die ganze Familie ist immer mit ihm zu den Rennen gereist. Als ich für mich das Gokart-Fahren entdeckt hatte, wollte ich immer mehr, immer schneller fahren."

Rasend schnell ging es danach auch. "Am Anfang war die Herausforderung, immer besser zu werden. Als ich Kart gefahren bin, habe ich nie daran gedacht, wo ich in fünf Jahren sein werde", sagt Vettel. Zu seinen Zeiten in der Formel-BMW sei die Formel 1 noch ganz weit weg gewesen. "Michael Schumacher und die anderen waren Helden für mich. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich irgendwann einmal selbst in einem der besten Formel-1-Autos sitzen würde."

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Sebastian Vettel: In 15 Rennen zur Titelverteidigung
Seine erste Begegnung mit der Formel 1 war zugleich seine erste mit Michael Schumacher. "Ich habe immer gesagt, dass ich zu Michael aufschaue, seit ich ein kleiner Junge war", sagt Vettel. Das erste Mal, als er Schumacher traf, war in Kerpen, auf dessen Heim-Kartbahn. Er hat beim Finale des NRW-Cups die Pokale überreicht. Da war Schumacher schon Weltmeister mit Renault. "Als er vor mir stand, wusste ich nicht, wie ich mich verhalten, was ich sagen sollte", erinnert sich Vettel. Schumacher überreichte ihm den Pokal und schwärmte fortan gegenüber Vettels späterem Förderer Gerhard Noack: "Aus dem Jungen wird mal ein ganz Großer."

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Vom Kart bis zur Formel 1: Vettels Traumkarriere in Bildern
Noack glaubte ihm. "Ich habe Sebastian anderthalb Jahre beobachtet - erst dann kamen wir ins Gespräch. In Sebastian habe ich meine erste große Entdeckung, Michael Schumacher, gesehen. Er begeisterte mich mit seinem technischen Wissensdurst und mit dem unglaublichen Gespür für sein Sportgerät", sagte Noack in einem Interview mit der "Welt". Und schon damals galt Vettel als Gradmesser fürs Material. "Es gibt auch im Kartsport die Frage: Ist das Material schlecht oder die Fahrkunst eines Piloten unzureichend? Bei Sebastian hab ich mir irgendwann die Frage nicht mehr gestellt. Wenn er nicht gewann, wusste ich: Mit dem Auto stimmt was nicht", so Noack.

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Die Erfolgsfaktoren: Vettels Rezept zur Titelverteidigung
Doch auch er wusste: Ohne Geld geht gar nichts. Schon in der Bambini-Serie muss man pro Saison 10.000 Euro investieren, die Summe steigert sich bis auf 750.000 Euro in der Formel 3. Noack half dabei, Kontakte zu Sponsoren zu knüpfen. Vettel und sein Vater klapperten Firmen ab, sprachen zum Beispiel bei der Essener Motorshow auf den Ständen vor. Das war aber alles andere als einfach. Noack berichtet von Teamvertretern, die noch bis 2007 nicht an Vettels Talent glaubten.

Noack gelang es trotzdem, mit Hilfe des späteren DTM-Rekordchampions Bernd Schneider, Red Bull Deutschland zu gewinnen. Der Anfang für die Profikarriere war gemacht, der nächste Schritt konnte kommen: Formel BMW. Vettel zündete sein Talent wie eine Rakete. Mario Theissen, später Vettels erster Teamchef in der Formel 1, damals verantwortlich für die Nachwuchsserie, erinnert sich noch gut an seine erste Begegnung mit Vettel. "Bei einem Formel-BMW-Rennen kam ein Dreikäsehoch mit Zahnspange auf mich zu, zupfte an meinem Arm und sagte ganz unbekümmert: 'Hallo, ich heiße Sebastian Vettel. Und im nächsten Jahr fahre ich auch in eurer Serie'", so Theissen.

Fahren war untertrieben, er dominierte die Formel BMW wie niemand mehr danach. 2003 belegte er Rang zwei im Endklassement. Ein Jahr später fuhr er die Konkurrenz in Grund und Boden. Schon damals hat er seine außergewöhnlichen Fähigkeiten aufblitzen lassen. 18 von 20 Rennen gewann er allein 2004, stand insgesamt 32-mal auf dem Podium, holte in der Formel BMW insgesamt 23 Siege und 20 Pole-Positions. 2004 hat er 14 Rennen hintereinander gewonnen. "Das alles ist bis heute unerreicht. Sebastian ist der erfolgreichste Formel-BMW-Fahrer aller Zeiten", so Theissen.

Was noch entscheidend war: Vettel konnte mit 17 Jahren durch eine Sondergenehmigung den Führerschein ein Jahr früher machen, als es gesetzlich erlaubt ist. Vettel dankt noch heute dem Landrat des Kreises Heppenheim dafür: "Dadurch konnte ich alleine zu den Rennen fahren, was wichtig war. Denn meine Eltern hatten jahrelang ihre Zeit und auch ihr Geld für mich geopfert. Sie mussten aber auch noch ihre Brötchen verdienen."

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Vettel Weltmeister 2011: Der lachende Dritte
Die Grundlage war geschaffen, der Rest erfolgte im Schnelldurchlauf. Zwei Jahre Formel 3, in denen er Fünfter und Zweiter wurde, waren quasi nur Lückenfüller. Schon im August 2006 durfte er als Testfahrer des BMW Sauber F1 Teams beim Großen Preis der Türkei das Freitagstraining bestreiten, das er gewann. Rund fünf Jahre später ist Vettel zum zweiten Mal Weltmeister.



insgesamt 36 Beiträge
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Henry_Rearden 10.10.2011
1. Dank?
Führerschein früher durch Staatshilfe. Kart gefahren auf Bahnen in Deutschland. Auf der Essen Motorshow in Deutschland Sponsoren gesucht. BMW, ein deutsches Unternehmen, hat in in die F1 gebracht. Jetzt hat er unzählige Fans in Deutschland. Kurz: Er hat diesem Land eine Menge zu verdanken. Und wie dankt er das diesem Land? Na, wir wissen es alle. Finanziell dankt er diesem Land nicht. Die dunklen Seiten fehlen natürlich im Artikel. Auch so ne journalistische Meisterleistung. So, jetzt können die Fans wieder kommen und das alles nicht so schlimm und die Kritiker sind nur neidisch und hasserfüllt schreien. Gut, ihre Meinung. Meine Meinung ist, dass diese Steuerflucht etwas ganz unfeines ist, was in Vettels Biographie nicht fehlen darf.
Al M 10.10.2011
2. Stimmt nicht!
Sebastian Vettel ist am 8. Dezember 2002 in den TSV Hambach (www.tsv-hambach.de) eingetreten, er begann(!) erst mit 15 Jahren mit dem Fußballspielen. Nachzulesen ist das hier: http://www.tsv-hambach.de/verein/vettel.php5?si=-1
chlorid 10.10.2011
3. Steuern zahlt man da, wo man wohnt, nicht wo man geboren ist
http://www.faz.net/aktuell/sport/motorsport/sebastian-vettel-ohne-einen-staatlichen-cent-11071625.html
fatherted98 10.10.2011
4. Könnte....
...Vettel nicht schnellstens in die Schweiz ziehen...vielleicht in die Nachbarschaft von Schumacher...dann wären wir ihn hier in Deutschland los und das blöde Gejubbel würde sich in Grenzen halten.
lis, 10.10.2011
5. ............
Zitat von Henry_ReardenFührerschein früher durch Staatshilfe. Kart gefahren auf Bahnen in Deutschland. Auf der Essen Motorshow in Deutschland Sponsoren gesucht. BMW, ein deutsches Unternehmen, hat in in die F1 gebracht. Jetzt hat er unzählige Fans in Deutschland. Kurz: Er hat diesem Land eine Menge zu verdanken. Und wie dankt er das diesem Land? Na, wir wissen es alle. Finanziell dankt er diesem Land nicht. Die dunklen Seiten fehlen natürlich im Artikel. Auch so ne journalistische Meisterleistung. So, jetzt können die Fans wieder kommen und das alles nicht so schlimm und die Kritiker sind nur neidisch und hasserfüllt schreien. Gut, ihre Meinung. Meine Meinung ist, dass diese Steuerflucht etwas ganz unfeines ist, was in Vettels Biographie nicht fehlen darf.
Selbstverständlich kann man über steuerflucht klagen - aber dann doch bitte mit Arguemnten, die auch etwas mit dem Staat und Steuern zu tun haben. Beispielsweise mit einer genossenen Schulausbildung auf Kosten der Allgemeinheit. Aber doch nicht mit "hat diesem Land eine Menge zu verdanken", wenn jemand auf Sponsorensuche war oder in der Formel BMW gefahren ist. Dafür hat das Land bzw. die Allgemeinheit weder geblecht noch profitiert. Sponsoren sind bekanntlich Firmen, die Geld für etwas geben, von dem sie sich einen Imagegewinn oder direkten Profit versprechen. Mit staatlichen Wohltaten hat das nichts zu tun. Auch die Formel BMW nicht. Falls die dem Unternehmen Profit bringt, dann bekommt der Staat davon Steuern. Falls BMW das Geld, das in diese Formel investiert wird, dort nicht wieder erwirtschaftet, wirkt das Defizit für BMW steuermindernd. Das aber kann man vielleicht der Firma ankreiden, aber sich nicht einem (jugendlichen)Fahrer, der durch eigene Leistung Erfolg hat. Oder machen Sie auch einem Forscher oder einem Angestellten den Vorwurf der Steuerflucht, wenn er eine Stelle im Ausland annimmt (und logischerweise dann auch dort Steuern bezahlt)?
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