Formel-1-Comeback Mercedes plant drei Jahre mit Schumacher

"Ich fühle mich gerade wie ein Zwölfjähriger, der durch die Gegend hüpft wie ein kleiner Junge": Michael Schumacher wird in der Saison 2010 wieder in der Formel 1 fahren. Der Rekordweltmeister unterschrieb einen Vertrag bei Mercedes GP und spricht von einem Dreijahresplan.
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F1-Legende Schumacher: Zwischen Überschlag und überholen

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Hamburg - Um 11.30 Uhr gab Mercedes in einer Telefonkonferenz die offizielle Bestätigung: Rekordweltmeister Michael Schumacher gibt sein Formel-1-Comeback. Bereits zuvor hatte Bild.de vermeldet, dass Schumacher wohl in die Formel 1 zurückkehren werde. "Es ist geplant, drei Jahre zu fahren", sagte Schumacher, der Team-Kollege von Nico Rosberg wird. Zum ersten Mal besetzen zwei deutsche Piloten die Cockpits der Silberpfeile. "Ich fühle mich gerade wie ein Zwölfjähriger, der durch die Gegend hüpft wie ein kleiner Junge", sagte Schumacher.

Er sagte in der Konferenz, dass die dreijährige Abstinenz ihm all die Energie zurückgegeben hätte, die er bei seinem Rücktritt Ende 2006 nicht mehr verspürt habe. Er wolle mit Mercedes Grand Prix um die WM fahren. Ein Anruf von Teamchef Ross Brawn im November habe ihn motiviert, wieder ins Renncockpit zurückzukehren, sagte Schumacher. Die Kombination mit Brawn und Mercedes habe den Ausschlag gegeben.

"Aber vor allem ist auf einmal mein alter Rennfahrer-Hunger wieder erwacht. Noch in Abu Dhabi, als Ross mich fragte, ob ich mir eine Rückkehr vorstellen könne, fühlte ich mich nicht bereit dafür", sagte Schumacher. "Doch nur zwei Wochen später, als er mich erneut anrief, merkte ich, wie das alte Feuer hochkam. Plötzlich hatte mich das Fieber wieder gepackt."

Der siebenmalige Weltmeister erklärte, für sich nicht den Nummer-Eins-Status im Mercedes-Team zu reklamieren. Das habe er noch nie in seiner Karriere gemacht. Dennoch hat Schumacher ein klares Ziel: "Mein Ziel wird natürlich sein, am Ende oben auf dem Treppchen zu stehen."

"Wir werden ein starkes Team bilden"

Sein Rennpartner Nico Rosberg sagte zum Comeback: "Toll, dass Michael wieder in der Formel 1 fährt und mein Team-Kollege wird. Es ist eine große Herausforderung für mich, gegen einen der besten Fahrer aller Zeiten anzutreten. Ich bin sicher, wir werden ein starkes Team bilden, denn er hat nichts von seinem Speed verloren. Sein Comeback ist auch eine tolle Nachricht für unseren Sport und die Fans."

Bei Mercedes blickt man voller Vorfreude auf die Zusammenarbeit von Rosberg und Schmumacher. "Es ist wohl die interessanteste Fahrerpaarung in der Formel 1. Michael und Nico haben zusammen eine perfekte Mischung aus Talent, Erfahrung, Speed und Jugend", sagte Ross Brawn, Team-Chef von Mercedes.

Auch Schumacher glaubt an die Stärke des Teams: "Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam ein gewichtiges Wort in der Formel-1-WM mitreden können, und ich freue mich jetzt schon auf den Kampf auf der Rennstrecke. Für mich schließt sich damit ein Kreis, denn Mercedes hat mir vor vielen Jahren bei meinem Einstieg in die Formel 1 geholfen. Jetzt kann ich dem Stern hoffentlich etwas zurückgeben", sagte Schumacher. Für Mercedes fuhr Schumacher bereits 1990 und 1991 in der Gruppe C und der DTM. Mit Mercedes-Hilfe stieg Schumacher in der Formel 1 ein - am 25. August 1991 in Spa-Francorchamps mit Jordan.

Schon vor der offiziellen Bestätigung gab es Anzeichen für ein Comeback Schumachers. So hatte sich Ferrari bereit erklärt, ihn aus seinem Beratervertrag zu entlassen. Seit Schumachers Rücktritt Ende 2006 arbeitete er in dieser Funktion bei den Italienern.

Schumachers grundsätzliches Interesse an einem Comeback hatte er bereits nach dem Unfall von Ferrari-Pilot Felipe Massa in Ungarn signalisiert. Schumacher erklärte sich bereit auszuhelfen und unternahm sogar einige Probefahrten. Doch am Ende stoppte ihn eine Schädelbasisverletzung und eine Halswirbelfraktur, die er bei einem Motorradunfall am 11. Februar dieses Jahres erlitten hatte. 2006 war Schumacher nach 250 gefahrenen Grand Prix zurückgetreten. Sein bis dato letztes Rennen bestritt er am 22. Oktober 2006 in Brasilien.

Mit Brawn fünf WM-Titel in Serie

Für Schumacher wird die Mercedes-Zeit auch zum Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Teamchef Ross Brawn begleitete Schumacher schon bei Ferrari, damals als Technischer Direktor - fünf WM-Titel in Serie von 2000 bis 2004 waren die erfolgreiche Ausbeute der Zusammenarbeit. "Mercedes stellt für mich eine neue Herausforderung dar, sowohl sportlich als auch persönlich. Nun beginnt ein neuer Abschnitt in meiner Rennfahrerkarriere, und ich freue mich ungemein, ihn mit so alten Freunden wie Ross Brawn und den alten Weggefährten von Mercedes angehen zu können", sagte Schumacher. Seine beiden ersten WM-Triumphe hatte Schumacher 1994 und 1995 im Benetton Renault gefeiert. 1996 wechselte er dann zu Ferrari.

Die Rückkehr von Schumacher in die Formel 1 ist nicht die einzige Erfolgsmeldung für Mercedes in dieser Woche. Der Rennstall hat das malaysische Öl- und Gasunternehmen Petronas langfristig als Titelsponsor gewinnen können. Das neue Team werde von 2010 an unter dem Namen Mercedes GP Petronas an den Start gehen, teilte der Autobauer am Montag mit. Petronas war bis zuletzt als Sponsor bei BMW-Sauber engagiert.

jar/sid/dpa