Zweiter Saisonsieg in der Formel 1 Ferraris Erfolgsgeheimnisse

Singende Mechaniker, ein tanzender Sebastian Vettel und neidische Konkurrenten. Für Ferrari könnte es in der Formel 1 kaum besser laufen. Die Gründe für den Aufschwung sind so vielfältig wie einfach.

Getty Images

Aus Sakhir berichtet Karin Sturm


Wer den Großen Preis von Bahrain nicht schauen konnte, hätte nach Rennende einfach durch die Boxengasse laufen müssen. In Rot gekleidete Mechaniker schmetterten abwechselnd italienische Gassenhauer oder Rocksongs. Ferrari ist in der Formel 1 fast aus dem Nichts wieder zu einer Erfolgstruppe mutiert. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", strahlte auch Bahrain-Sieger Sebastian Vettel nach dem 44. Erfolg seiner Karriere. "Die letzte halbe Runde, das Feuerwerk bei der Zieldurchfahrt, das war alles so unglaublich schön. Und es war von Anfang an ein tolles Rennen, ich hatte sofort das Gefühl, dass wir heute richtig schnell sind. Dass da alles passt. Dass was gehen könnte."

Aber wie lauten die Ferrari-Geheimnisse, die die jahrelangen Seriensieger von Mercedes so unter Druck setzen?

Das Team

Das Ferrari-Team bei der Arbeit
Getty Images

Das Ferrari-Team bei der Arbeit

Seit Wochen betont der neue WM-Führende Vettel: Das Geheimnis der großen Fortschritte, die Ferrari über den Winter gemacht habe, liege in strukturellen Veränderungen. In Dingen, die laut Vettel "nach außen hin sicherlich gar nicht so auffallen". Dafür sorgte vor allem der neue Technikchef Mattia Binotto, den auch Mercedes-F1-Aufsichtsratschef Niki Lauda kürzlich als das "Superhirn hinter der neuen Ferrari-Stärke" bezeichnete. "Wir haben gute Leute in Maranello, die eine großartige Mannschaft bilden", sagt der Hochgelobte selbst. "Wir haben bei Motor und Chassis viel entwickelt. Jetzt ernten wir die Früchte der harten Arbeit im Winter." Seine Aufgabe sei es, dabei sicherzustellen, dass jeder Einzelne "liefert, sich verantwortlich fühlt und der richtige Teamspirit in der Mannschaft herrscht". Mit dem Seitenhieb, da müsse eben ein Schweizer kommen, um bei den Italienern aufzuräumen, hat der Österreicher Lauda allerdings unrecht: Denn Binotto ist zwar in Lausanne geboren, hat aber nur einen italienischen Pass.

Die interne Stabilität sorgt auch dafür, dass man bei Ferrari in kritischen Situationen nicht mehr in Panik gerät. Wichtige Strategieentscheidungen, wie der Undercut in Bahrain, passen in den entscheidenden Momenten wieder. Und dann kommt auch noch ein bisschen Glück dazu. Selbst Vettel hatte ja in Bahrain befürchtet, dass die eigentlich sehr clevere Entscheidung des frühen ersten Stopps durch das spätere Safety-Car bestraft würde. Aber irgendwie reichte es für ihn dann doch noch, knapp vor dem erst dann stoppenden Mercedes zu bleiben.

Der Fahrer

Sebastian Vettel
Getty Images

Sebastian Vettel

Sebastian Vettel ist entspannt und locker wie seit Langem nicht mehr - und gerade dadurch wieder in absoluter Top-Form. Das diesjährige Auto passt zu seinem Fahrstil, er kann es quasi spielerisch mit leichten Gasstößen um die Kurven herum dirigieren, so wie er das am liebsten macht. Und die Aussicht, bis zum Saisonende das Titelduell gegen Lewis Hamilton ausfechten zu können, beflügelt zusätzlich. Red-Bull-Motorsport-Koordinator Dr. Helmut Marko, der Vettel ja aus den gemeinsamen Jahren dort bestens kennt, tippt schon jetzt auf Vettel als Weltmeister: "Wenn Sebastian sich so wohlfühlt und weiß, dass er ein Auto hat, das ihm die Chance gibt, zu gewinnen, dann ist er fast unschlagbar."

Der beste Beweis dafür, wie viel stärker Vettel in dieser Saison im Vergleich zur vergangenen agiert: Teamkollege Kimi Räikkönen, im vergangenen Jahr oft auf Augenhöhe und sogar knapper Sieger im Qualifying-Duell, hat derzeit nicht den Hauch einer Chance gegen Vettel. Was dem Finnen teamintern inzwischen schon einige Probleme bereitet - immerhin will die Scuderia auch den Konstrukteurstitel gewinnen und benötigt eine stabile Nummer zwei.

Die Technik

Der viel diskutierte Unterboden des Ferrari
AFP

Der viel diskutierte Unterboden des Ferrari

Die Konkurrenz studiert spätestens seit dem Rennen in China die TV-Aufnahmen des Ferrari. Was ihnen dabei auffällt: Sehr viel Bewegung und Flexibilität an wichtigen Stellen. Man glaubt, dass sich die Seiten des Ferrari-Bodens ab einer bestimmten Geschwindigkeit zur Straße hinbiegen, so für einen Tunneleffekt sorgen und damit Abtrieb spenden. An besagter Stelle führt der Motorsport-Weltverband Fia aber keine Messungen durch. Und warum der mittlere Teil des Ferrari-Bodens leicht erhöht wurde, versteht bis jetzt noch kein Techniker der anderen Teams. Aber offenbar bewegt sich nicht der gesamte Unterboden, sondern nur ein vom eigentlichen Boden durch einen Schlitz getrennter Windabweiser. "Das dürfte legal sein", sagt Sky-Experte Marc Surer. "Ferrari hat wohl eine Reglementlücke clever ausgenutzt."

Dazu kommt ein Heckflügel, der sich bei hohen Geschwindigkeiten nach hinten biegt und so Top-Speed bringt. Über den sagt man sogar bei Mercedes: "Das ist eine clevere Lösung, aber garantiert legal." Bei Red Bull ist man sich nicht ganz so sicher. "Es gibt sehr belastende Bilder", sagt Marko, "wo nicht nur der Unterboden, sondern auch andere Teile am Auto viel Flexibilität gezeigt haben. Es wäre schade, wenn Ferrari nur deshalb vorne fahren würde." Unternehmen will Red Bull aber nichts: "Die Fia ist die Polizei. Von uns aus kommt nichts", betont Marko. Vonseiten des Weltverbands kam bisher nur der grundsätzliche Hinweis an alle Teams, dass man die Autos jederzeit an jeder denkbaren Stelle testen könne.

Vettel amüsieren die Gerüchte und das Getuschel ohnehin nur: "Ist doch ein Kompliment, wenn die anderen so genau hinschauen."

insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
thequickeningishappening 17.04.2017
1. Es gibt keinen besseren Namen als FERRARI
Jeder Fahrer wuerde Dies insgeheim bestätigen!
goodspirit 17.04.2017
2. Ohe Kompetenz und Substanz. ...
Die F1 Berichterstattung im Spon ist ein sclechter Witz, lässt sich nur noch durch die Clowns von RTL toppen. Für ein paar Eintrittskarten oder Gadgets (Apple) wird geschrieben wie gewünscht.
sonntag500 17.04.2017
3. Fg
Nun, wir wollen jetzt nicht schon das Fell zerteilen, bevor der Bär tot ist. Es ist der zweite Sieg von Ferrari und die Saison steht am Anfang. Sicher, viele erträumen sich einen WM-Titel für diesen Vettel, aber es wird wohl ein Traum bleiben. Wetten?
wedding13347 17.04.2017
4. Vettel ist der Beste!
Die alte Heulsuse Hamilton wird sich noch umgucken. Mercedes hat sich zu sehr auf den Erfolgen ausgeruht.
michlmeik 17.04.2017
5. Fahrer Auto und Team
Es liegt nun doch wie alle wissen am Fahrer am Auto am Team um Erfolg zu haben. Natürlich gehört auch Glück dazu, Glückwunsch an alle Ferrarier
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.