Nach verpassten Formel-1-Sieg  Ferrari plant Einspruch gegen Zeitstrafe für Vettel

Sebastian Vettel fühlt sich um den Sieg beim Großen Preis von Kanada betrogen. Sein Rennstall will Protest einlegen. Ehemalige Weltmeister springen dem Ferrari-Piloten bei, ein anderer kritisiert ihn scharf.

Sebastian Vettel (links) war bei der Siegerehrung nicht in Feierlaune
Charles Coates / AFP

Sebastian Vettel (links) war bei der Siegerehrung nicht in Feierlaune


Ferrari hat offiziell angekündigt, einen Protest gegen die Zeitstrafe für Sebastian Vettel zu planen. Das teilte der Rennstall dem Motorsport-Verband Fia nach dem Großen Preis von Kanada mit. Der Deutsche verpasste aufgrund der Strafe seinen ersten Saisonsieg, stattdessen gewann Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes.

Sebastian Vettel hatte im siebten Saisonrennen von Position eins aus startend auch als Erster die Ziellinie überquert, wurde aber mit einer Fünf-Sekunden-Zeitstrafe wegen "unsicherer Rückkehr auf die Strecke" belegt. Dadurch gewann der als Zweiter ins Ziel gekommene Weltmeister Lewis Hamilton das Rennen und erzielte seinen fünften Saisonsieg.

In der 48. Runde hatte Vettel die Einfahrt in Kurve vier verpasst und musste über einen Grasstreifen ausweichen. Als der Ferrari-Pilot auf die Strecke zurückgefahren war, kollidierte er beinahe mit Hamilton. Die Rennjury untersuchte den Vorfall und bestrafte den Deutschen.

"Er hat diese Strafe nicht verdient"

Vettel äußerte harsche Kritik. "Ich verstehe die Welt nicht mehr", so der 31-Jährige nach dem Rennen. "Mir gefällt das nicht. Wo zur Hölle sollte ich denn hin, das war nicht fair."

Unterstützung für Vettel kommt aus der Motorsportszene. "Sehr, sehr peinlich. Es war keine Freude, dieses Rennen zu sehen. Zwei Champions fahren brillant, aber es endet mit dem falschen Ergebnis", schrieb Ex-Formel-1-Weltmeister Nigel Mansell auf Twitter. "Es ist wirklich schade, das war eine normale Rennsituation. Ja, Sebastian hat einen Fehler gemacht, aber er hat diese Strafe nicht verdient", sagte Ex-Weltmeister Jenson Button bei Sky.

Nico Rosberg hat sich indes deutlich gegen Vettel positioniert. "Die Strafe ist in Ordnung und hundertprozentig verdient", sagte der ehemalige Weltmeister in seinem Podcast. "Es gibt eine Regel, dass man nach einem Ausrutscher sicher auf die Strecke zurückkehren muss, und das hat Vettel nicht getan." Den Fehler müsse Vettel daher ausschließlich bei sich selbst suchen: "Aber es ist eine Schwäche von Vettel, dass er sich selbst nie in Frage stellt und immer anderen die Schuld gibt", sagte Rosberg, der dennoch mehrfach betonte, dass Vettel ein "hervorragender Fahrer" sei.

Sebastian Vettel liegt nach dem Großen Preis von Kanada mit 100 Punkten auf Platz drei im Gesamtklassement, 33 Punkte hinter Mercedes-Pilot Valtteri Bottas. Lewis Hamilton baute seine Führung mit nunmehr 162 Punkten aus.

Ferrari hat nach der Ankündigung 96 Stunden Zeit, Beweismaterial zu sammeln und zu entscheiden, ob er den Protest auch einreicht und bis zum Ende verfolgt.

svs/sak/sid/dpa



insgesamt 52 Beiträge
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BruceWayne 10.06.2019
1. Die Scuderia...
..hat gute Chancen mit dem Einspruch zu obsiegen. Und zwar nicht wegen des Vorfalls an sich, sondern wegen der Macht von Ferrari bei der FIA. Ferrari hat in der Vergangenheit, auch wenn es wirklich schon länger her ist, immer gezeigt, wer der Herr im Haus ist. Es gilt "eine Formel 1 ohne Ferrari ist keine Formel 1". Und dann sind es ja noch Italiener... die machen bekanntlich Angebote, die man nicht ablehnen kann...:-)))
skeptikerjörg 10.06.2019
2. Lächerlich
Im Nachhinein wünsche ich mir, Hamilton hätte nicht gebremst. Dann wäre ganz offensichtlich gewesen, wer der Unfallverursacher gewesen wäre, beide wären zu Fuß zur Box gegangen, an der WM hätte sich nichts geändert, Vettel selbst und all die Vettel- und Ferrari-Tollboys hätten kein Futter für ihre Verschwörungstheorien gehabt. Mir geht die Mercedesdominanz auch auf den Keks, aber dann soll Ferrari halt ein besseres Auto bauen. In diesem Fall hat ganz einfach Vettel (wieder einmal) den Fehler gemacht, war neben der Strecke, hat mit Macht verhindern wollen, dass Hamilton davon profitiert. Dabei hat er überzogen.
quacochicherichi 10.06.2019
3.
Zitat von BruceWayne..hat gute Chancen mit dem Einspruch zu obsiegen. Und zwar nicht wegen des Vorfalls an sich, sondern wegen der Macht von Ferrari bei der FIA. Ferrari hat in der Vergangenheit, auch wenn es wirklich schon länger her ist, immer gezeigt, wer der Herr im Haus ist. Es gilt "eine Formel 1 ohne Ferrari ist keine Formel 1". Und dann sind es ja noch Italiener... die machen bekanntlich Angebote, die man nicht ablehnen kann...:-)))
Im Gegensatz zu den Briten, die quengeln rum bis sie bekommen was sie wollen, und die Deutschen fahren gleich die grossen Geschütze auf :-)))) ich hoffe mein Smiley reicht auch aus, damit ich meine Stereotypen an der SPON Zensur vorbeibringe.
toll_er 10.06.2019
4. blöd, aber
O-Ton Hamilton: "I forced Vettel error but didn't want to win with penalty." Nachdem ich mir die ganze Situation nun mehrfach aus verschiedenen Kamerapositionen angeschaut habe, halte ich die Zeitstrafe für absolut ungerechtfertigt. Ja, Fahrfehler von Vettel, aber er hat den Wagen bei dem Tempo sehr gut abgefangen. Da stand nicht viel Raum zur Verfügung. Kämpfe um Plätze aus vergangenen Zeiten Senna, Prost, Schumacher hätte es bei einer derartig engstirnigen Regelauslegung ich gegeben. Dann wäre die Formel 1 schon längst verschieden.
M. Vikings 10.06.2019
5. Noch 'ne Diskussionsrunde.
Der Autoput in den 70ern und 80ern war anspruchsvoller. Jeder durfte mitmachen. Keine Auslaufzonen, keine Regeln, mehr Autos, Gegenverkehr, ständige Überholvorgänge, 1200 km, mehrfache Renndauer, keine Jury. Hop oder Top. https://www.youtube.com/watch?v=rvR8zFlMR6A
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