Formel 1 Trotz Ankündigung - Ferrari verzichtet auf Einspruch gegen Vettel-Strafe

Es war der Aufreger beim Großen Preis von Kanada: Die Zeitstrafe gegen Sebastian Vettel. Nach dem Rennen hatte Ferrari Protest angekündigt. Der blieb nun aus. Beendet ist die Sache damit trotzdem nicht.

Sebastian Vettel beim Freien Training in Kanada: "Gefährliche Rückkehr auf die Strecke"
Tom Boland / DPA

Sebastian Vettel beim Freien Training in Kanada: "Gefährliche Rückkehr auf die Strecke"


Ferrari verzichtet nun doch auf einen förmlichen Protest gegen die Fünf-Sekunden-Strafe für Sebastian Vettel beim Großen Preis von Kanada. Direkt nach dem Rennen am Sonntag in Montréal hatte der Formel-1-Rennstall noch einen Einspruch angekündigt und eine entsprechende Absichtserklärung beim Weltverband Fia hinterlegt.

Die Frist für den Protest lief am Donnerstagabend 96 Stunden nach dem Rennende ab. Vettel war durch die Zeitstrafe auf den zweiten Platz hinter Mercedes-Star und Titelverteidiger Lewis Hamilton gerutscht.

Ganz beendet ist die Sache damit aber noch nicht. Ferrari versuche nun, mit neuen Beweisen die Rennkommissare dazu zu bewegen, die Situation neu zu bewerten, erklärte das Team. Diese Möglichkeit ist in Artikel 14.1.1 der sportlichen Regeln festgehalten. Demnach könnte bei Vorlage frischen Materials innerhalb von zwei Wochen eine Neubewertung des Urteils erfolgen. Als Beweise könnten Videobilder oder Daten aus dem Auto fungieren.

Vettel war in der 48. Runde des Rennens in Führung liegend nach einem Fehler mit seinem Ferrari durchs Gras gefahren. Als der 31-Jährige zurück auf die Strecke fuhr, drängte er Hamilton nahe an eine Mauer. Die Rennkommissare ahndeten sein Manöver als "gefährliche Rückkehr auf die Strecke". Vettel überquerte die Ziellinie zwar als Erster, rutschte durch die Zeitstrafe aber hinter Hamilton auf Rang zwei.

Ein Funkspruch als Indiz?

Vettel betonte, nicht absichtlich so gefahren zu sein. Fia-Kreisen zufolge soll er aber in einem Funkspruch ans Team gesagt haben, wenn er nicht nach rechts gelenkt hätte, wäre Hamilton vorbei gewesen. Dies würde eine Absicht belegen. Die Strafe hätte sogar noch höher ausfallen können. Möglich wären auch zehn und 20 Sekunden oder eine Stop-and-Go-Strafe gewesen, sagte der in Montréal zuständige Fia-Sportkommissar Hans-Gerd Ennser.

Vettel hatte nach dem Rennen Unterstützung bekommen. Als "sehr, sehr peinlich", hatte der ehemalige Formel-1-Weltmeister Nigel Mansell aus Großbritannien die Strafe bezeichnet: "Zwei Champions fahren brillant, aber es endet mit dem falschen Ergebnis." Es gab aber auch Einschätzungen, wonach die Strafe berechtigt gewesen sei. "Die Regel besagt, dass man nach einem Ausrutscher sicher auf die Strecke zurückkehren muss", sagte etwa Nico Rosberg. Der Ex-Pilot, der 2016 im Mercedes Weltmeister wurde, nannte die Sanktion "völlig verdient".

Vettels WM-Rückstand auf Spitzenreiter Hamilton wuchs durch den zweiten Platz um weitere sieben Punkte. Er liegt vor dem Großen Preis von Frankreich in knapp anderthalb Wochen auf Rang drei des Klassements mit 100 Punkten, Hamilton hat 162 Punkte. Auf Platz zwei folgt dessen Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas (133 Punkte).

mon/dpa

insgesamt 12 Beiträge
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spon_7302413 14.06.2019
1. Vettel ist mit einem Schlenker nach rechts...
... Hamilton vors Auto gefahren, das habe ich als Zuschauer auch genau so wahrgenommen. Die sollen also lieber die Füße still halten und dafür weniger Fehler machen - bei Ferrari. Dann klappt es vermutlich auch wieder mit dem Gewinnen.
ziehenimbein 14.06.2019
2. Was ein Kinderkram!
Dass Vettel nie wieder Weltmeister wird, so lange Hamilton noch fahren kann, dürfte doch langsam allen klar sein. Die Strafe hätte so nicht sein müssen, weil Vettel auf dem Gras weder bremsen noch lenken konnte. Eigentlich hätte er, als fairer Sportsmann, Hamilton vorbei lassen können. Womöglich hätte er es noch geschafft ihn wieder zu überholen! Dann wäre er der Held dieser Saison geworden, so wie es jetzt läuft ist er nur noch eine tragische Gestalt. Wenn das Team so oft falsche Entscheidungen trifft, dann fallen Vettels Fehler halt mehr ins Gewicht. Hamilton ist Vettel mental haushoch überlegen, er ist einfach viel cooler und fährt daher wie ein Uhrwerk. Wenn er will, wird er noch fünfmal Weltmeister.
ptb29 14.06.2019
3. Kein Versehen
und damit zu Recht sanktioniert. Wollte Vettel einen Unfall provozieren?
uweleg 14.06.2019
4. Typisch Ferrari
Große Klappe und nichts dahinter. Klarer Fahrfehler von Vettel und anschließend ein gefährliches Manöver. Da gibt es kaum Ansätze für einen Einspruch.
volker_66 14.06.2019
5. Da hat Ferrari ja nochmal Glück gehabt ...
... dass sie sich mit einem Einspruch nicht noch lächerlicher gemacht haben als Vettel das nach dem Rennen schon besorgt hat. Natürlich ist er HAM vors Auto gefahren und nur so konnte er verhindern, dass er überholt wird. Die kapitale Fahrfehler mit der Fahrt aufs Gras ist ärgerlich, aber letztlich die einzige Ursache für das verlorene Rennen.
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