Formel 1 Fia verhandelt Trulli-Strafe neu

"Neuer Aspekt in Bezug auf den Vorfall": Formel-1-Pilot Jarno Trulli bekommt eventuell seinen dritten Platz vom Auftaktrennen in Australien zurück. Grund sind wohl ausgerechnet die Aussagen des bisherigen Profiteurs - Weltmeister Lewis Hamilton.


Hamburg - Formel-1-Pilot Jarno Trulli kann hoffen, seinen dritten Platz beim Großen Preis von Australien zurückzubekommen. Die Zeitstrafe gegen den Toyota-Fahrer nach dem Rennen am vergangenen Sonntag in Melbourne wird vor dem Grand Prix von Malaysia in Sepang noch einmal verhandelt. Die Rennkommissare von Australien wollen sich noch am Donnerstag treffen. Der Automobil-Weltverband Fia teilte mit, dass "ein neuer Aspekt in Bezug auf den Vorfall aufgetaucht" sei. Um welchen Aspekt es sich handelt, wurde nicht gesagt.

Toyota-Pilot Trulli in Melbourne: "Er hat mich passieren lassen"
AP

Toyota-Pilot Trulli in Melbourne: "Er hat mich passieren lassen"

Laut der Online-Ausgabe des Fachmagazins "auto, motor und sport" gibt es angeblich Widersprüche in den Aussagen von McLaren-Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton vor den Medien und den Rennkommissaren. Der Weltmeister war an dem Vorgang kurz vor Ende des Rennens am vergangenen Sonntag beteiligt und einer der Nutznießer des Urteils gegen Trulli.

Der Italiener Trulli war in Melbourne mit einer Strafe von 25 Sekunden belegt worden, weil er nach Ansicht der drei Rennkommissare verbotenerweise Hamilton in der letzten Safety-Car-Phase überholt hatte. Der Teamkollege des Deutschen Timo Glock verlor dadurch seinen dritten Platz an den Briten und fiel auf den zwölften Rang zurück, Hamilton rückte auf Position drei hinter den Brawn-GP-Fahrern Jenson Button und Rubens Barrichello vor. Glock wurde als Vierter gewertet. Am Mittwoch hatte Toyota auf einen Einspruch beim Fia- Berufungsgericht wegen geringer Erfolgsaussichten verzichtet.

In der 56. Runde war Trulli in der Safety-Car-Phase nach dem Unfall von Sebastian Vettel (Red Bull) und Robert Kubica (BMW-Sauber) an Position drei liegend kurz von der Strecke abgekommen. Hamilton überholte ihn, ließ ihn dann aber wieder vorbei. In Melbourne hatte es geheißen, dass Hamilton sich nicht sicher war, ob sein Überholmanöver korrekt gewesen sei. Deshalb habe er Trulli passieren lassen.

In Malaysia kritisierte Trulli das Urteil gegen ihn noch einmal heftig und bezeichnete es als "Fehler". "Wir haben alle Beweise, einschließlich der Aussage von Hamilton, dass ich ihn nicht überholt habe. Er hat mich passieren lassen", sagte Trulli am Mittwochabend in Kuala Lumpur. Er habe geglaubt, Hamilton habe ein Problem, als dieser so langsam gefahren sei. Der Weltmeister habe fast gestoppt. "Und er hat mir erlaubt, ihn zu überholen. Ich konnte nichts anderes tun", sagte Trulli. Sollte das stimmen, wäre das Überholen in einer Safety-Car-Phase erlaubt.

Nach Angaben von "auto, motor und sport" besteht der Verdacht, dass Hamilton und sein Team möglicherweise Trulli in eine Falle locken wollten und der Brite deshalb so langsam gefahren sei. Hamilton hat den Vorwurf des absichtlichen Langsamfahrens bestritten, so das Fachmagazin. Sollte der Vorwurf jedoch zutreffen, müssten der 24-Jährige und der Rennstall mit Strafen rechnen.

Für Heidfeld ist Diffusor-Streit entscheidend

Nick Heidfeld sieht im Ausgang des Aerodynamik-Streits der Formel-1-Teams um den Diffusor einen entscheidenden Faktor für den Verlauf der Saison. "Weil der Unterboden einfach einen so großen Unterschied macht", sagte der BMW-Pilot dazu am Donnerstag in Sepang. Am 14. April verhandelt das Berufungsgericht der Fia über den Protest von Ferrari, Red Bull und Renault gegen Brawn GP, Williams und Toyota. Die Kläger werfen den Konkurrenten vor, dass ihr Doppel-Diffusor, ein Aerodynamik-Teil am hinteren Ende des Unterbodens, nicht den Regeln entspricht.

"Die, die einen Vorteil aus dem Unterboden ziehen, würden es natürlich gerne so sehen, dass an allem überhaupt nichts dran ist", sagte Heidfeld drei Tage vor dem Großen Preis von Malaysia am Sonntag (11 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Wir anderen sehen das natürlich nicht als Lachnummer und sind sehr gespannt auf die Entscheidung." Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso hatte sich zuvor ähnlich geäußert: "Das Thema ist komplex und die Meisterschaft könnte schon am 14. April entschieden werden", befürchtet der 27-jährige Renault-Fahrer.

Alonso: "Honda unschlagbar"

Sollten die Konstruktionen von Brawn GP, Williams und Toyota für legal erklärt werden, wird dies für die anderen Teams teuer. Sie müssten ihre Autos massiv umbauen, um den Entwicklungsrückstand auszugleichen. Vor allem Brawn GP war zum Saisonauftakt beim Großen Preis von Australien am vergangenen Sonntag dem restlichen Feld davongerast und hatte mit Jenson Button und Rubens Barrichello einen Doppelerfolg gefeiert. Alonso, der am Donnerstag wegen einer Infektion am Ohr im Hotel blieb, glaubt, dass das Honda-Nachfolge-Team derzeit unschlagbar sei.

Ferrari, Red Bull und Renault hatten schon in Melbourne gegen die Doppel-Diffusoren protestiert, waren aber bei den Rennkommissaren gescheitert. Daraufhin hatte das Trio Einspruch beim Berufungsgericht der Fia eingelegt. Ein Protest von BMW-Sauber war in Australien aus formalen Gründen abgelehnt worden.

fpf/dpa



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Seite 1
Michael KaiRo 16.01.2009
1.
Zitat von sysopNeue Autos, neue Regeln, neue Technik: Die Formel 1 sieht 2009 ganz anders aus. Doch ändern sich damit auch die Kräfteverhältnisse? Wer ist Ihr Titelfavorit, was halten Sie von den Neuerungen in der Königsklasse?
Die Regeländerungen sehe ich weitgehendst positiv - diese dummen zigfachen Flaps sahen sowieso eher müllig aus. Hätte aber noch das "Umkleiden" der Rückspiegel wie es Ferrari jetzt getan hat, verboten - die waren wohl clever und fanden ne Lücke ;-) Die Kräfteverhältnisse dürften sich wohl eher marginal verschieben. Da bleibe ich Realist. Vor allem wünsche ich mir, dass mehr Entscheidungen auf der Rennstrecke fallen als am grünen Tisch. Aber das dürfte wohl Wunschdenken bleiben. Die Meisterschaft wird immer (nach Möglichkeit) bis zum letzten Rennen offen gehalten werden, egal ob Regelkonfrom oder nicht. Ansonsten: Schade, dass es die Sportwagen-WM der Prototypen nicht mehr gibt :-(
Cholerix, 16.01.2009
2.
Zitat von Michael KaiRoDie Regeländerungen sehe ich weitgehendst positiv - diese dummen zigfachen Flaps sahen sowieso eher müllig aus. Hätte aber noch das "Umkleiden" der Rückspiegel wie es Ferrari jetzt getan hat, verboten - die waren wohl clever und fanden ne Lücke ;-) Die Kräfteverhältnisse dürften sich wohl eher marginal verschieben. Da bleibe ich Realist. Vor allem wünsche ich mir, dass mehr Entscheidungen auf der Rennstrecke fallen als am grünen Tisch. Aber das dürfte wohl Wunschdenken bleiben. Die Meisterschaft wird immer (nach Möglichkeit) bis zum letzten Rennen offen gehalten werden, egal ob Regelkonfrom oder nicht. Ansonsten: Schade, dass es die Sportwagen-WM der Prototypen nicht mehr gibt :-(
Dem würde ich mich nachdrücklich anschlieesen wollen ! Was die 2009er F1 anbelangt: Potthäääässlich. Bislang hatten Autorennen auch stets ein ästhetisches Element. Das Thema ist in der F1 nun aber durch. Bedingt durch die Regeländerungen ist da nun was entstanden, was noch grauenhafter aussieht als in den Vorjahren diese ganzen angepappten aerodynamischen Hilfkonstruktionen. Ich fürchte, das könnte mein verbliebenes Interesse an der F1 beenden. Ich hätte zudem eine Rückbesinnung auf die "Bastelstuben" früherer Jahre bevorzugt. Die Konzerne haben letztlich noch jede gute Motorsportserie mit Geld kaputtbekommen. Gerade auch Mercedes (u.a. FIA GT97 und Gruppe C)
lynx2 16.01.2009
3. Geld kaputt machen?
Zitat von CholerixDem würde ich mich nachdrücklich anschlieesen wollen ! Was die 2009er F1 anbelangt: Potthäääässlich. Bislang hatten Autorennen auch stets ein ästhetisches Element. Das Thema ist in der F1 nun aber durch. Bedingt durch die Regeländerungen ist da nun was entstanden, was noch grauenhafter aussieht als in den Vorjahren diese ganzen angepappten aerodynamischen Hilfkonstruktionen. Ich fürchte, das könnte mein verbliebenes Interesse an der F1 beenden. Ich hätte zudem eine Rückbesinnung auf die "Bastelstuben" früherer Jahre bevorzugt. Die Konzerne haben letztlich noch jede gute Motorsportserie mit Geld kaputtbekommen. Gerade auch Mercedes (u.a. FIA GT97 und Gruppe C)
Wieso? Mercedes hat's doch! Wenn Chrysler abschmiert müssen sie nochmals eine schlappe Mrd. nachschießen. Für F1 reicht es noch dicke. Das zeigt nur, daß die Autohersteller immer noch genügend Geld haben für diesen Firlefanz. Wo ist da eine Autokrise? Daimler kann über seine Autofinanzierungstochter ja eine 100 Mio oder mehr einsacken an Staatsknete und damit weiter auch F1 finanzieren. Ist doch schön!
myspace 16.01.2009
4. .
Einheitsreifen, keine Schlupfkontrolle mehr - diese Jahr kommt es wieder auf das fahrerische Können an. Plus: Durch die neuen Aerodynamikregeln wird der Abtrieb deutlich gesenkt, gut möglich, daß es wieder ein bißchen Action mit richtige Überholmanövern gibt.
metbaer 17.01.2009
5.
Ich bin gespannt, was die neuen Regeln bringen. Vielleicht schaue ich die Formel 1 dann auch wieder mit etwas mehr Freude... die letzten Jahre machte die NASCAR- Serie in den USA dann doch mehr Spaß. Warum? Weniger Aerodynamik, weniger Elektronik, weniger Schnickschnack und einfach mehr fahrerisches Können.
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