Formel-1-Finale Michael Schumacher holt seinen sechsten Titel

Wer geglaubt hätte, das letzte Formel-1-Rennen der Saison wäre für Michael Schumacher nur noch Formsache, wurde eines Besseren belehrt. In Suzuka musste sich der Ferrari-Pilot einer wahren Nervenschlacht erwehren, ehe er seinen sechsten WM-Titel einfahren konnte. Eine große Hilfestellung bot dabei Teamkollege Barrichello.


Michael Schumacher in Japan: Beim seinem achten Platz in Suzuka hatte der sechsfache Weltmeister mit sehr viel Verkehr zu kämpfen
REUTERS

Michael Schumacher in Japan: Beim seinem achten Platz in Suzuka hatte der sechsfache Weltmeister mit sehr viel Verkehr zu kämpfen

Suzuka - Nach einem hart erkämpften Punktgewinn in Suzuka hat ist Michael Schumacher zum erfolgreichsten Fahrer in der Formel-1-Geschichte aufgestiegen. "Das war eines der härtesten Rennen, das ich je gefahren bin", sagte der überglückliche Ferrari-Rennfahrer nach dem 16. und letzten Grand Prix des Jahres. Sein großer Rivale Kimi Räikkönen wurde am Sonntag beim Großen Preis von Japan Zweiter hinter Schumachers Ferrari-Teamkollegen Rubens Barrichello und vor David Coulthard im zweiten McLaren-Mercedes. "Eine solche Erfolgsserie hätte ich nicht in meinen kühnsten Träumen erwartet. Das ist einfach unglaublich", jubelte nach dem Triumph auch Schumacher-Manager Willi Weber.

Ärger bei BMW-Williams, Zufriedenheit bei den Silberpfeilen


Räikkönen (91 Punkte) lag nach dem dramatischen Finale im Fernen Osten am Ende lediglich zwei Punkte hinter Schumacher (93). "Glückwunsch an Michael für den sechsten WM-Titel. Man kann nicht behaupten, dass wir es ihm leicht gemacht haben. Bei diesem knappen Abstand müssen wir uns nicht schämen", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

WM-Dritter wurde Juan Pablo Montoya (Kolumbien/82) im BMW-Williams vor dem Brasilianer Barrichello (65) und Ralf Schumacher (58) im zweiten BMW-Williams. "Ich freue mich für meinen Bruder, aber wir haben erst einmal noch einiges selbst zu klären. Zwei WMs hätten wir gewinnen können, aber beides haben wir vergeigt", grummelte Ralf Schumacher, der in Suzuka lediglich auf Rang zwölf landete, selbstkritisch.

Die Sauber-Piloten Heinz-Harald Frentzen (13) und Nick Heidfeld (6) beendeten die Saison auf Platz 11 beziehungsweise 14. In der Konstrukteurs-Wertung gewann Ferrari (158) als erstes Team zum fünften Mal hintereinander den Titel vor BMW-Williams(144) und McLaren-Mercedes (142).

"Dieses Jahr war es sehr schwierig"


Michael Schumacher sicherte sich dank seiner sechs Saisonsiege auf der Rennstrecke von Suzuka seinen sechsten WM-Titel nach 1994, 1995, 2000, 2001 und 2002 mit einer Riesenportion Glück. In der ewigen Bestenliste überholte der in der Schweiz lebende Rheinländer Juan Manuel Fangio, der fünf Titel gewonnen hat. Wie der Argentinier gewann Schumacher seinen vierten Titel in Serie. Dieses Kunststück hatte Fangio von 1954 bis 1957 geschafft. "Es war dieses Jahr sehr schwierig und bin deshalb noch glücklicher als bei den fünf Titelgewinnen vorher. Ich freue noch mehr für den Michael", sagte seine freudestrahlende Ehefrau Corinna.

Schumacher, erleichtert im Ziel: "Eines der härtesten Rennen, das ich je gefahren bin"
REUTERS

Schumacher, erleichtert im Ziel: "Eines der härtesten Rennen, das ich je gefahren bin"

Obwohl die Strecke feucht war, gab es am Start zur 22. Titel-Entscheidung im letzten Rennen keine Probleme. Michael Schumacher machte gleich zwei Plätze gut und verbesserte sich auf Rang zwölf. Auch der von Rang acht gestartete Räikkönen schob sich zwei Ränge nach vorne. An der Spitze überholte Montoya den auf der Pole-Position gestarteten Barrichello.

Doch kurz vor Ende der sechsten Runde stockte den Schumacher-Fans erstmals der Atem. Der japanische Villeneuve-Ersatz Takuma Sato im B.A.R.-Honda erwischte den ungestüm agierenden Weltmeister mit dem rechten Hinterrad an der Nase des Ferraris. Schumacher fuhr mit beschädigtem Auto sofort an die Box, wo dem Boliden nach 18,1 Sekunden Behandlungszeit eine neue Nase verpasst wurde, und nahm das Rennen als 20. wieder auf. Doch es kam noch schlimmer für den haushohen Titelfavoriten: Der souverän führende Montoya blieb in der neunten Runde stehen und schied aus. Im Kampf um die Konstrukteurs-WM war das für den britisch-bayerischen Rennstall das Aus und für Michael Schumacher ein weiteres Warnsignal.

In Runde 41 geraten die Schumacher-Brüder aneinander


Heimlich, still und leise schob sich Räikkönen auf der 5,807 Kilometer langen Strecke Position um Position nach vorne. Als das Spitzenduo Barrichello und Alonso in Runde 13 zum Reifenwechsel an die Box kam, übernahm der junge Finne die Spitze und war erstmals auf Weltmeister-Kurs. Räikkönen hatte gar 41,547 Sekunden Vorsprung auf den großen Rivalen Schumacher. Doch als der Finne erstmals an die Box kam, änderte sich das Bild wieder. Auch nach Barrichellos zweitem Boxenstopp blieb die Reihenfolge bestehen. Er lag vor dem McLaren-Mercedes-Team Coulthard und Räikkönen.

Doch auf die Hilfe seines Teamkollegen wollte Schumacher nicht bauen: "Man weiß nie, was da vorne passiert. Ich musste mich auf mich selbst verlassen." Der Weltmeister kämpfte. In der 41. Runde gerieten die beiden Schumacher-Brüder heftig aneinander und hätten sich beinahe von der Strecke "geschossen". Doch nach 53 Runden, als er seinen achten Rang sicher ins Ziel brachte, gab es ein glückliches Ende für den Rekordchampion.

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.