Formel 1 Frentzens neue Kiste

Mit dem üblichen Brimborium ist der neue Jordan EJ11 in England vorgestellt worden. Dank eines neuen Motors herrscht im Lager um Heinz-Harald Frentzen auch Zuversicht für die neue Saison.


Jarno Trulli, Heinz-Harald Frentzen: "Haben aus den Fehlern gelernt"
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Jarno Trulli, Heinz-Harald Frentzen: "Haben aus den Fehlern gelernt"

Silverstone - Mit irischem Folklore-Techno zurück in die Zukunft: Nach einem verkorksten Jahr 2000 will Heinz-Harald Frentzen in der Formel 1 verlorenes Terrain zurückgewinnen und mit einem neuen Motor aus der schnellsten endlich auch die zuverlässigste "Postkutsche" der Welt machen. "Wir wollen wieder das drittbeste Team werden und da weitermachen, wo wir 1999 aufgehört haben. Das Jahr 2000 sollten wir am besten vergessen", erklärte der Mönchengladbacher am Dienstag bei der Jordan-Präsentation in Silverstone.

"Wir haben im letzten Jahr gelitten, aber wir haben aus den Fehlern gelernt", sagte Teamchef Eddie Jordan, der diesmal bewusst auf eine spektakuläre Präsentation in London verzichtet hatte. "Das hätte uns vier Tage gekostet. So konnten wir das Auto in der Fabrik beim Team lassen, um besser testen zu können", sagte der Ire. Ganz mochte Jordan aber auch in Silverstone nicht auf Show-Effekte verzichten. Zu einer Mischung aus irischer Folkmusik und modernen Techno-Klängen rollten Mechaniker den EJ11 aus einer Nebelwand auf die Bühne.

Worauf sich das Team in den kommenden Monaten konzentrieren muss, hatte Frentzen bereits vor der Präsentation in einem Interview mit der Fachzeitung "Motorsport aktuell" erklärt: "Wir müssen unsere Hausaufgaben erledigen und den Wagen standfest machen." Denn nach Frentzens bestem Jahr, als er nach zwei Siegen WM-Dritter wurde und Jordan auf Platz drei der Konstrukteurs-Wertung geführt hatte, gab es für die "Gelben" trotz erhöhten Budgets dank einer Millionen-Spritze der Deutschen Post einen heftigen Rückschlag.

Anstatt wie erhofft den Abstand zu den beiden Top-Teams Ferrari und McLaren-Mercedes zu verringern, "glänzten" die Postkutschen im Jahr 2000 meist durch Unzuverlässigkeit. "Es ist Fakt, dass wir kein standfestes Auto hatten", sagte Frentzen, der in 11 der 17 Rennen mit dem Jordan nicht ins Ziel kam und in der WM mit elf Punkten nur Neunter wurde. Jordan rutschte bei den Teams auf Platz sechs ab.

In der kommenden Saison sollen die Ergebnisse dank des neuen Honda-Werksmotors wieder besser werden. "Honda hat schon einiges zu bieten. Ich kann natürlich nicht genau sagen, wie Ferrari, Mercedes und BMW arbeiten. Aber ich weiß, dass Honda ein unheimlich professioneller Motorenhersteller ist. An diesem Punkt wird es bestimmt nicht fehlen", meinte Frentzen. Die Ziele der Japaner machte in Silverstone Hondas Managing Director Takefumi Hosaka deutlich: "Wir wollen ein Team mit Honda-Power unter die Top Drei der Konstrukteure und einen Honda-Fahrer auf die höchste Stufe des Podiums bringen."

Dass Honda wie schon 2000 auch den Konkurrenten BAR ausrüstet, ist für Frentzen kein Problem, eher ein Ansporn. "Gegen gesundes Konkurrenzdenken ist nie etwas einzuwenden. Wenn ein Motorenhersteller wie Honda zwei Teams ausrüstet, wollen wir natürlich besser sein als BAR. Das wird eine weitere Motivation sein", sagte der 33 Jahre alte Mönchengladbacher, "aber unser Ziel besteht ja darin, die Lücke zu den großen zwei Teams zu schließen."

Ein Problem für Jordan könnte allerdings sein, dass das Team in Cheftechniker Mike Gascoyne und Chefdesigner Mike Smith (beide zu Benetton/Renault) sowie Frentzens Renningenieur Sam Michael (zu BMW-Williams) wichtige Mitarbeiter verloren hat. "Bei manchen Leuten tut es mir leid, bei anderen nicht", so Frentzen, "aber ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinem neuen Renningenieur David Brown."

Von Thomas Straka, sid

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