Formel 1 Gericht kippt Briatores lebenslange Sperre

Juristischer Etappensieg für Flavio Briatore: Ein Pariser Gericht hat die lebenslange Sperre gegen den früheren Renault-Teamchef für ungültig erklärt. Der Italiener war nach dem Unfall-Skandal um seinen damaligen Piloten Nelson Piquet junior von der Fia sanktioniert worden.
Formel 1: Gericht kippt Briatores lebenslange Sperre

Formel 1: Gericht kippt Briatores lebenslange Sperre

Foto: JOHANNES EISELE/ REUTERS

Hamburg - Der frühere Renault-Teamchef Flavio Briatore ist vor einem Gericht in Paris erfolgreich gegen seinen lebenslangen Ausschluss aus der Formel 1 vorgegangen. Das Tribunal de Grand Instance in Paris erklärte die Strafe gegen den Italiener, die das World Motor Sport Council des Automobil-Weltverbandes Fia wegen Briatores Beteiligung am Unfall-Skandal 2008 ausgesprochen hatte, für ungültig. Die Fia kündigte an, dass sie gegen dieses Urteil möglicherweise in Berufung gehen will.

"Das Gericht hat entschieden, dass die Strafe illegal war", sagte der zuständige Richter und sprach Briatore 15.000 Euro und Symonds 5000 Euro Entschädigung zu. Der Italiener hatte neben der Aufhebung der Sperre auch Schadensersatz gefordert, seine Vorstellungen lagen allerdings bei einer Million Euro. Symonds hatte auf 500.000 Euro gehofft. Die Fia wurde angewiesen, innerhalb von 15 Tagen ihre Mitglieder zu informieren und die Maßnahmen zu annullieren. Bei Nicht-Erfüllung drohen pro Tag 10.000 Euro Strafe.

"Mir ist es wichtig, meine große Freude über diese Entscheidung zum Ausdruck zu bringen. Diese Entscheidung gibt mir die Würde und die Freiheit zurück, die man mir genommen hat", schrieb Briatore in einer Stellungnahme. Zu möglichen Bestrebungen, in die Formel 1 zurückzukehren, äußerte er sich vorsichtig: "Das hat Zeit. Ich möchte zunächst den Menschen danken, die mir in dieser schweren Zeit treu geblieben sind." Briatores Anwalt Philippe Ouakrat sprach von einem "außergewöhnlichen Urteil" für seinen Mandanten: "Wir haben praktisch alles bekommen, wonach wir gefragt haben", sagte Ouakrat und forderte die Fia auf, das Urteil zurückzunehmen.

Die Fia sei nicht berechtigt gewesen, "dritte Personen" zu bestrafen

Das Gericht stellte am Dienstag in seiner Urteilsbegründung klar, dass es nicht über die Schuld von Briatore und Symonds in dem konkreten Fall entscheiden könne. Allerdings sei es berechtigt, das Verfahren der Fia zu beurteilen, und in diesem sei die Fia nicht berechtigt gewesen, "dritte Personen", die nicht Mitglieder seien, zu bestrafen. Briatore und Symonds hatten damals noch vor der Anhörung durch das World Motor Sport Council am 21. September in Paris das Renault-Team verlassen.

Der 59-Jährige Briatore hatte zudem angeführt, dass er sich bei der Fia-Verhandlung nicht hätte ordentlich verteidigen können. Die Fia hatte diese Behauptung zurückgewiesen und erklärt, die Entscheidung, Briatore lebenslang zu sperren, sei von einer "überwältigenden Mehrheit der anwesenden Mitglieder" gefällt worden.

Briatore war am 21. September lebenslang aus der Formel 1 verbannt worden. Gemeinsam mit dem damaligen Technikchef Pat Symonds, der für fünf Jahre ausgeschlossen wurde, hatte er 2008 seinen Fahrer Nelson Piquet junior in Singapur zu einem absichtlichen Unfall überredet, um Teamkollege Fernando Alonso zum Sieg zu verhelfen.

Renault benennt neuen Teamchef

Unterdessen benannte Renault den Franzosen Eric Boullier als neuen Teamchef. Das gab der Rennstall, an dem im Dezember die Luxemburger Kapitalgesellschaft Genii von Gerard Lopez die Mehrheit übernommen hatte, am Dienstag bekannt. Der 36-jährige Boullier, der von 2003 bis 2009 Direktor des GP2-Teams Dams war, hatte zuletzt die Geschäfte der Managementfirma Gravity geleitet, die auch zu Genii gehört und einige junge Motorsportler vertritt. Bis zum Ende der vergangenen Saison hatte übergangsweise der technische Direktor Bob Bell den Posten des Teamchefs ausgefüllt.

"Ich bin sehr stolz darauf, als Teamchef zu Renault zu stoßen. Renault ist einer der berühmtesten und erfolgreichsten Namen im Motorsport, und ich freue mich darauf, das Team in die neue Saison zu führen", sagte Boullier: "In der Vergangenheit hat Renault demonstriert, dass es eines der Top-Teams der Formel 1 ist. Und ich bin sicher, dass wir mit harter Arbeit und Hingabe die Spitze wieder herausfordern können."

"Der zweite Fahrer soll in der Lage sein, Punkte zu holen"

Renault hat nach dem Abgang des Spaniers Fernando Alonso zu Ferrari bislang lediglich den Polen Robert Kubica von BMW-Sauber unter Vertrag genommen. Das zweite Cockpit ist noch frei. "Der zweite Fahrer soll in der Lage sein, Punkte zu holen und Robert Kubica zu fordern. Das kann ein Gravity-Fahrer sein oder auch nicht. Für Fahrer von Gravity wird es in Zukunft sicher schwieriger, denn sie müssen besonders beweisen, dass sie es wert sind, ein Renault-Fahrer zu werden."

Zum Fahrerkader von Gravity gehören unter anderem der Chinese Ho-Pin Tung, der zuletzt schon für Renault getestet hat, oder die deutschen Formel-3-Piloten Christian Vietoris und Marco Wittmann. Boullier kündigte an, sich ausschließlich um sportliche und Wettbewerbsaspekte zu kümmern. Bob Bell ist für das Design, den Bau und die technische Entwicklung des Autos zuständig.

fsc/sid
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