Formel 1 Hamilton vermisst Schumacher, Ferrari-Affäre weitet sich aus

Es wird immer kurioser: Der unter Spionageverdacht stehende Ferrari-Mechaniker Nigel Stepney beteuert seine Unschuld, will aber offenbar noch weitere Person belasten. Ganz andere Sorgen hat Überflieger Lewis Hamilton: Er hätte sich gerne mit Michael Schumacher gemessen.


Hamburg - Die italienische Polizei hat gestern Abend erneut den Sitz des Ferrari-Rennstalls in Maranello durchsucht. Es handelt sich schon um die vierte Aktion dieser Art seit Beginn der Spionage-Affäre , in die die Teams von Ferrari, McLaren-Mercedes und möglicherweise auch Honda involviert sind. Bei der Durchsuchung war auch eine der beiden Rechtsanwältinnen des entlassenen Chefmechanikers von Ferrari, Nigel Stepney, anwesend, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" heute.

Ex-Fahrer Schumacher: "Hänge bitte noch ein Jahr dran"
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Ex-Fahrer Schumacher: "Hänge bitte noch ein Jahr dran"

Der ehemalige Ferrari-Chefmechaniker soll bald wieder vernommen werden. "Stepney beteuert seine Unschuld. Er ist sicher, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird und dass andere Personen in den Sog der Ermittlungen geraten werden", sagte die Rechtsanwältin Stepneys, Sonia Bartolini in der "Gazzetta dello Sport".

Voraussichtlich Anfang August wird der ermittelnde Staatsanwalt von Modena, Giuseppe Tibis, mehr über den Inhalt des weißen Pulvers erfahren, das Stepney angeblich in die Ferrari-Boliden vor dem Rennen in Monte Carlo geschüttet haben soll.

Ferrari hatte vor rund drei Wochen bei einem Gericht in Modena Klage gegen Stepney eingereicht. Im Zuge der Ermittlungen gegen den Briten hatte McLaren von den Behörden in Modena den Hinweis erhalten, dass vertrauliche Ferrari-Daten an einen der eigenen Mitarbeiter, Mike Coughlan, weitergegeben worden waren.

Bei der Durchsuchung von Stepneys Wohnung in England war laut einer offiziellen Ferrari-Mitteilung belastendes Material gefunden worden. Stepney, dessen Vertrag bei Ferrari zum Saisonende ausläuft, hatte im Februar Abwanderungsgedanken geäußert. Daraufhin war er vom aktuellen Renngeschehen in den Innendienst versetzt worden. Vor zwei Wochen war er entlassen worden.

Hamilton schwärmt von Schumacher

WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton trauert dem zurückgetretenen Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher hinterher. "Als ich von seinem Rücktritt erfahren habe, dachte ich nur: Verdammt. Hänge bitte noch ein Jahr dran und wir werden uns schöne Rennen liefern. Ich würde mich gerne mit ihm messen", sagte der 22 Jahre alte Brite bei einem Sponsorentermin in Berlin.

Doch nicht nur er, sondern viele Fahrer wünschten sich deshalb ein Comeback von Schumacher. Der ehemalige Ferrari-Pilot sei neben dem 1994 tödlich verunglückten dreimaligen Weltmeister Ayrton Senna (Brasilien) das sportliche Vorbild für den McLaren-Mercedes-Fahrers: "Das sind Menschen, auf die ich mit viel Respekt aufschaue", sagte Hamilton in Bezug auf Schumacher.

Vor allem eine Begegnung im vergangenen Jahr bei einem Rennen in der Türkei habe Hamiltons Bild vom siebenmaligen WM-Champion geprägt. Schumacher sei umgeben von einer Menschentraube auf ihn zugekommen und habe ihn gelobt. "Ich war wirklich beeindruckt, denn ich hatte von einigen Leuten gehört, dass er arrogant sei und kein so netter Mensch. Aber er hat sich die Zeit genommen, mit mir zu sprechen. Das war eine große Ehre", sagte Hamilton.

mig/sid



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