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02. April 2009, 11:41 Uhr

Formel 1

Hamilton wegen Irreführung der Stewards disqualifiziert

Keine Punkte für Hamilton und McLaren-Mercedes: Die Rennkommissare in Malaysia haben den Weltmeister aus der Wertung des Grand Prix von Australien genommen. Er habe "absichtliche Beweise" geliefert, die die Stewards in die Irre geführt hätten. Neuer, alter Dritter ist Jarno Trulli.

Hamburg - Kehrtwende im Fall Hamilton/Trulli: Nach einer Anhörung, in der beide Fahrer befragt, Funkverkehr und technische Daten ausgewertet wurden, trafen die Rennkommissare in Malaysia ihre Entscheidung: Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton und sein Team McLaren-Mercedes sind nachträglich aus der Wertung des Großen Preises von Australien gestrichen worden. Zugleich wurde Toyota-Pilot Jarno Trulli wieder auf den dritten Platz gesetzt. Der Italiener war nach dem Rennen in Melbourne mit einer Zeitstrafe belegt worden, weil er Hamilton in einer Safety-Car-Phase überholt hatte. Die Rennkommissare werfen Hamilton und McLaren-Mercedes vor, sie hätten "absichtlich Beweise" geliefert, die die Stewards in die Irre geführt hätten.

Weltmeister Hamilton: Nachträgliche Disqualifikation für Australien
AP

Weltmeister Hamilton: Nachträgliche Disqualifikation für Australien

Der Italiener Trulli hatte in Malaysia das Urteil gegen ihn noch einmal als "Fehler" bezeichnet. "Wir haben alle Beweise, einschließlich der Aussage von Hamilton, dass ich ihn nicht überholt habe. Er hat mich passieren lassen", so Trulli am Mittwochabend in Kuala Lumpur. Er habe geglaubt, Hamilton habe ein Problem, als dieser so langsam gefahren sei. Der Weltmeister habe fast gestoppt. "Und er hat mir erlaubt, ihn zu überholen. Ich konnte nichts anderes tun", sagte Trulli. Sollte das stimmen, wäre das Überholen in einer Safety-Car-Phase erlaubt.

In der 56. Runde war Trulli in der Safety-Car-Phase nach dem Unfall von Sebastian Vettel (Red Bull) und Robert Kubica (BMW-Sauber) an Position drei liegend kurz von der Strecke abgekommen. Hamilton überholte ihn, ließ ihn dann aber wieder vorbei. In Melbourne hatte es geheißen, dass Hamilton sich nicht sicher war, ob sein Überholmanöver korrekt gewesen sei. Deshalb habe er Trulli passieren lassen.

Am Mittwoch hatte Toyota auf einen Einspruch beim Fia-Berufungsgericht wegen geringer Erfolgsaussichten verzichtet.

Trulli war in Melbourne mit einer Strafe von 25 Sekunden belegt worden, weil er nach Ansicht der drei Rennkommissare verbotenerweise Hamilton in der letzten Safety-Car-Phase überholt hatte. Der Teamkollege des Deutschen Timo Glock verlor dadurch seinen dritten Platz an den Briten und fiel auf den 12. Rang zurück, Hamilton rückte auf Position drei hinter den Brawn-GP-Fahrern Jenson Button und Rubens Barrichello vor.

Für Heidfeld ist der Diffusor-Streit entscheidend

Nick Heidfeld sieht im Ausgang des Aerodynamik-Streits der Formel-1-Teams um den Diffusor einen entscheidenden Faktor für den Verlauf der Saison. "Weil der Unterboden einfach einen so großen Unterschied macht", sagte der BMW-Pilot dazu am Donnerstag in Sepang. Am 14. April verhandelt das Berufungsgericht der Fia über den Protest von Ferrari, Red Bull und Renault gegen Brawn GP, Williams und Toyota. Die Kläger werfen den Konkurrenten vor, dass ihr Doppel-Diffusor, ein Aerodynamik-Teil am hinteren Ende des Unterbodens, nicht den Regeln entspricht.

Alonso: "Honda unschlagbar"

Sollte die Konstruktionen von Brawn GP, Williams und Toyota für legal erklärt werden, wird dies für die anderen Teams teuer. Sie müssten ihre Autos massiv umbauen, um den Entwicklungsrückstand auszugleichen. Vor allem Brawn GP war zum Saisonauftakt beim Großen Preis von Australien am vergangenen Sonntag dem restlichen Feld davongerast und hatte mit Jenson Button und Rubens Barrichello einen Doppelerfolg gefeiert. Alonso, der am Donnerstag wegen einer Infektion am Ohr im Hotel blieb, glaubt, dass das Honda-Nachfolge-Team derzeit unschlagbar ist.

Ferrari, Red Bull und Renault hatten schon in Melbourne gegen die Doppel-Diffusoren protestiert, waren aber bei den Rennkommissaren gescheitert. Daraufhin hatte das Trio Einspruch beim Berufungsgericht der Fia eingelegt. Ein Protest von BMW-Sauber war in Australien aus formalen Gründen abgelehnt worden.

"Die, die einen Vorteil aus dem Unterboden ziehen, würden es natürlich gerne so sehen, dass an allem überhaupt nichts dran ist", sagte Heidfeld drei Tage vor dem Großen Preis von Malaysia am Sonntag (11 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Wir anderen sehen das natürlich nicht als Lachnummer und sind sehr gespannt auf die Entscheidung." Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso hatte sich zuvor ähnlich geäußert: "Das Thema ist komplex, und die Meisterschaft könnte schon am 14. April entschieden werden", befürchtet der 27-jährige Renault-Fahrer.

fpf/fsc/dpa/AP

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