Formel-1-Finale zwischen Verstappen und Hamilton Und es endet im Wahnsinn

Nun hat doch ein Crash das WM-Finale geprägt – nur anders als gedacht. Max Verstappen wurde auf den letzten Metern Weltmeister, doch Mercedes wollte sich damit nicht abfinden.
»Das ist doch kompletter Wahnsinn, für uns alle«: Max Verstappen und sein Team nach dem Sieg in Abu Dhabi

»Das ist doch kompletter Wahnsinn, für uns alle«: Max Verstappen und sein Team nach dem Sieg in Abu Dhabi

Foto: F1 Grand Prix of Abu Dhabi / imago images/ANP

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Die Szene des Rennens, der Saison, der Weltmeisterschaft: Max Verstappen bog mit seinem Red Bull als Erster auf die Zielgerade in Abu Dhabi ein, das Heck brach ein wenig aus, man konnte die Geschwindigkeit erahnen, auch die Ungeduld, die Vorfreude, mit er die letzten paar Hundert Meter hinter sich bringen wollte. Und dann hatte er es vollbracht: Unter Feuerwerk und dem Jubel der niederländischen Fans auf den Tribünen krönte er sich zum ersten Mal in seiner Karriere zum Formel-1-Weltmeister. Lewis Hamilton, der bis kurz vor Ende wie der Sieger ausgesehen hatte, blieb reglos in seinem Mercedes sitzen. Mit dem achten Titel wäre der Brite zum alleinigen Rekordhalter in der Rennserie geworden.

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Das Ergebnis: Mit seinem Sieg vor Hamilton und Carlos Sainz im Ferrari gewinnt Verstappen das Saisonfinale in Abu Dhabi – und mit acht Punkten Vorsprung vor Hamilton die Fahrer-WM. Beide waren punktgleich ins letzte Rennen gegangen, das hatte es seit 1974 nicht gegeben, und auch dieses Saisonfinale wurde etwas für die Geschichtsbücher. Lesen Sie hier den Rennbericht.

Der Start: War eine Katastrophe aus Sicht von Red Bull: Verstappen ging zwar von Platz eins ins Rennen, doch Hamilton kam viel besser weg, er ließ Verstappen hinter sich.

Fast kollidiert: Der Red-Bull-Pilot konterte, in der ersten Schikane zwischen den Gegengeraden versuchte er das Überholmanöver, Hamilton musste ausweichen, verließ die Strecke und blieb vorn. Die Sportkommissare sahen keinen Grund, den Vorfall zu untersuchen, Hamilton kontrollierte in Folge das Rennen.

Was tun? In Runde neun meldete Verstappen den erwarteten Reifenverschleiß, Hamilton hatte 2,7 Sekunden Vorsprung und vergrößerte diesen sukzessive. Fünf Runden später holte sich Verstappen harte Reifen, Mercedes reagierte umgehend und stattete auch Hamilton damit aus. Damit führte plötzlich Sergio Pérez im Red Bull das Rennen an, vor Sainz, Hamilton und Verstappen. »Plan B«, funkte Red Bull an Pérez, Verstappens Teamkollegen. Hieß: Möglichst lange draußen bleiben und Hamilton einbremsen.

»Checo ist eine Legende«: Und das gelang dem Mexikaner furios. Pérez hielt Hamilton auf und nahm dem Briten rund sechs Sekunden ab, bis er sich auf seinen abgefahrenen Reifen geschlagen geben musste und in Runde 21 auch seinen Teamkollegen vorbeiließ, der in der Zwischenzeit heranfahren konnte. Nur 1,7 Sekunden trennten Hamilton und Verstappen noch. »Checo ist eine Legende«, funkte Verstappen.

Ein Crash verändert alles: Doch so hilfreich die Aktion war, so schnell verpuffte ihr Effekt wieder. Bis Runde 35 hatte sich Hamilton wieder auf 5,5 Sekunden abgesetzt. Red Bull nutzte eine anschließende kurze virtuelle Safety-Car-Phase, um seine beiden Autos mit frischen Reifen auszustatten, Hamilton blieb draußen. Mit den neuen Reifen holte Verstappen wieder auf. »Bisschen viel Risiko, mich draußen zu lassen, oder?«, funkte Hamilton. Sieben Runden vor der Ziellinie hatte er jedoch noch elf Sekunden Vorsprung. Unter normalen Umständen hätte das für Hamilton gereicht.

Aber dieses Rennen war nicht normal: Nicholas Latifi baute einen Unfall, sein Williams verteilte Trümmerteile auf der Strecke. Das Safety-Car neutralisierte das Rennen, Hamiltons Vorsprung war dahin und Verstappen fuhr erneut an die Box – anders als Hamilton. Für Verwirrung sorgte die Rennleitung, die zunächst kommunizierte, dass überrundete Fahrzeuge das Safety-Car nicht überholen dürfen. Zwischen Hamilton und Verstappen lagen zu dem Zeitpunkt fünf Autos. Die Entscheidung wurde im letzten Moment revidiert. Als das Rennen dann für eine Runde noch freigegeben wurde, ließ Verstappen Hamilton mit dessen abgefahrenen Reifen keine Chance.

Lewis Hamilton (l.) gratulierte Max Verstappen

Lewis Hamilton (l.) gratulierte Max Verstappen

Foto: FLORENT GOODEN / imago images/PanoramiC

Der Protest: Wolff hatte sich bereits am Funk aufgeregt: »Das ist nicht richtig!«, rief er dem Rennleiter Michael Masi zu. Nach dem Rennen wurde bekannt, dass Mercedes Protest eingelegt hatte. Nicht nur gegen die Entscheidung, nur ein paar Autos am Safety-Car vorbeiziehen zu lassen (und zwar jene zwischen den beiden WM-Rivalen), sondern auch dagegen, dass das Safety Car gleich nach den »Entrundungen« von der Strecke ging, anstatt dem Reglement folgend eine weitere Runde zu drehen. Verstappen solle zudem in der Safety-Car-Phase kurzzeitig vor Hamilton gewesen sein und damit regelwidrig überholt haben. Verantwortliche beider Teams mussten bei der Rennleitung antreten. Am Abend verkündete der Weltverband dann: Die Entscheidungen waren korrekt, der Protest wurde abgelehnt, der Weltmeister 2021 heißt Max Verstappen.

Kein Trost: War für Mercedes wohl, dass man sich zum achten Mal nacheinander die Konstrukteurs-WM sicherte. Das lag auch daran, dass der strahlend gefeierte Held Pérez im zweiten Red Bull ausschied. Mit dem achten Titel insgesamt schob sich Mercedes auf Rang drei der Bestenliste. Seit Einführung dieser Wertung zur Saison 1958 hat Ferrari (16) die meisten Meisterschaften gewonnen – die letzte liegt allerdings 13 Jahre zurück.

Fotostrecke

Das Finale von Abu Dhabi in Bildern

Foto: Mark Thompson / Getty Images

Ein Volksheld: Verstappen, der beim Interview mit einem Krampf im Bein vor die Kameras trat, zeigte sich enthusiastisch. »Mein Ziel als kleiner Junge war es, Formel-1-Fahrer zu werden. Du hoffst, aufs Podium zu kommen und Siege einzufahren. Und dann stehst du hier, und jemand sagt dir, du bist Weltmeister. Das ist doch kompletter Wahnsinn, für uns alle«, sagte er. Lobende Worte fand Verstappen besonders für Pérez und seine gesamte Crew: »Ich liebe mein Team. 10, 15 Jahre könnte das so bleiben. Ich möchte bis ans Ende bei Red Bull bleiben«, sagte er. Und empfing Glückwünsche aus der Heimat. Verstappen habe dem niederländischen Sport »einen historischen Tag« beschert, twitterte Ministerpräsident Mark Rutte.

Und der Zweite? War zwar der Unterlegene im WM-Duell, aber kein schlechter Verlierer. »Gratulation an Max und sein Team«, sagte Hamilton nach einem Saisonfinale, das die Formel 1 so schnell nicht vergessen wird.

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