Vettel-Kritik an neuem Qualifying "Mit schwacher Blase vielleicht das Richtige"

Chaos und Ernüchterung, Teil zwei: Auch beim Großen Preis von Bahrain sorgt der neue Qualifying-Modus bei Fahrern und Teamchefs für Frust. Doch nun scheint eine Änderung in Sicht.

Sebastian Vettel im Ferrari
DPA

Sebastian Vettel im Ferrari

Aus Bahrain berichtet Christian Menath


Die Verwirrung war Pascal Wehrlein ins Gesicht geschrieben. Zweites Formel-1-Qualifying, 16. Startplatz, ein Riesenerfolg für den F1-Neuling. Und doch haderte der 21-Jährige mit dem neuen Qualifikationsformat. Unter dem alten System hätte er noch eine schnelle Runde anhängen können, glaubte er. Wahr ist: Wehrlein hätte das auch im viel kritisierten neuen Modus gedurft - im ersten Qualifying-Abschnitt darf der letzte noch nicht ausgeschiedene Fahrer seine angefangene Runde beenden. Das war den Strategen am Manor-Kommandostand in Bahrain aber entgangen.

Eine Szene, die exemplarisch für das neue Qualifying-System der Formel 1 ist: Wenn selbst die Fahrer und Superhirne den Ablauf nicht verstehen, wie sollen das dann die Fans vor dem Fernsehbildschirm? "Wenn man eine schwache Blase hat, ist es vielleicht genau das Richtige", sagt Sebastian Vettel, der bekanntlich nie um einen Spruch verlegen ist. "Aber alles in allem ist es das falsche Qualifying-Format."

Hamilton vor Rosberg: Hier finden Sie die Ergebnisse des Qualifyings.

Toto Wolff zum Qualifying: Ohne Worte

Eigentlich sollte das neue Qualifying dem Formel-1-Samstag mehr Leben einhauchen und ihn für die Zuschauer spannender machen. Die Ernüchterung folgte beim Debüt des neuen Modus vor zwei Wochen in Australien: Teams schickten ihre Autos zum falschen Zeitpunkt auf die Strecke, Fahrer stiegen schon Minuten vor dem Ende der jeweiligen Session aus dem Auto und aus dem erhofften Showdown um die Pole Position wurde eine Farce erster Güte.

"Es war ziemlicher Mist", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff direkt im Anschluss an die erste Qualifikation des Jahres in Melbourne. Der Österreicher ist als Freund klarer Worte bekannt und wiederholte diese Kritik vor der Abreise zum zweiten Rennwochenende erneut: "Es ist schwer, daran zu glauben, dass es in Bahrain unterhaltsamer sein soll." Damit sollte er recht behalten.

Sebastian Vettel
Getty Images

Sebastian Vettel

"Die letzten zwei Minuten war erneut kein Auto mehr auf der Strecke. Was da eine Verbesserung sein soll, ist mir nicht klar", schimpfte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko. Wolffs Fazit lautete: "Ohne Worte." Diese Meinung vertraten die elf Teamchefs bereits am Sonntag vor dem Rennen in Australien. Doch Fia-Präsident Jean Todt wollte das neue Format nicht so schnell aufgeben und ihm eine zweite Chance geben. "Ich war in Australien auch enttäuscht von Q3", gestand der ehemalige Ferrari-Teamchef. "Aber wir wollten keine Entscheidung rückgängig machen, bevor wir nicht alles ausprobiert hatten."

Wie geht es mit dem Qualifying weiter?

Für Bahrain schlug die Fia einen Hybrid-Modus vor: Die ersten beiden Qualifying-Abschnitte sollten nach dem neuen Format gefahren werden, der dritte nach dem gewohnten aus den vergangenen Jahren. Dadurch fühlten sich jedoch einige Teambosse brüskiert - sie blockierten die Änderung. Somit kam es in Bahrain zu einer Wiederholung der Qualifying-Farce von Melbourne. "Für mich ist nur schwer verständlich, warum etwas zweimal probiert werden muss, um zu sehen, dass es nicht die richtige Sache ist", polterte Marko nach dem zweiten Fehlschlag, über den die Teams an diesem Sonntag abermals diskutieren werden. Diesmal im Beisein von Todt.

Im Fahrerlager wird für das nächste Rennen in China eine endgültige Rückkehr zum vorherigen Qualifikationsmodus erwartet. Das deutete Todt auch in der vergangenen Woche in einem Gespräch mit Wolff an. "Wir haben den Auftrag, den Sport einfacher zu gestalten, anstatt ihn noch komplexer zu machen", sagt der Silberpfeil-Teamchef. Ein neuerliches Experiment mit offenem Ausgang schließt Wolff kategorisch aus: "Dann würden wir wie Idioten aussehen."

Neue Ideen für die Zukunft sind allerdings noch lange nicht vom Tisch. So gefällt Wolff die Vorstellung eines Ein-Runden-Shootouts mit den Top-8-Fahrern. "Das könnte interessant sein. Ich erinnere mich daran, dass die Fia GT das vor einigen Jahren einmal gemacht hat", sagt Wolff. "Das war sehr spannend und es gab viel TV-Zeit für die Autos auf der Strecke." Auch in der DTM kam bei den Top-4 für einige Saisons ein solches Format zum Einsatz - bis das System der Formel 1 adaptiert wurde.

Apropos Formel 1: Auch in der Königsklasse gab es zwischen 2003 und 2005 verschiedene Varianten eines Einzel-Zeitfahrens. Der große Durchbruch war keiner dieser Versionen vergönnt.

  • Auf Motorsport-Magazin.com erfahren Sie alles rund um das spannende Geschehen in der Formel 1. Die Experten des Motorsport-Portals wissen, worüber man in der Szene spricht, und sind bei allen Rennen vor Ort.
    Täglich aktuelle Formel-1-News und Hintergrundberichte zu Fahrern, Teams und Motoren. Dazu gibt es spektakuläre Fotos, alle Ergebnisse, aktuelle Videos und vieles mehr. Jetzt reinklicken und die Formel 1 hautnah erleben.
  • Formel 1 bei Motorsport-Magazin.com
Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Polepositions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Polepositions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)

insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Lankoron 03.04.2016
1. Wann werden
die Teamchefs merken, dass es nicht die Qualifiying-Vorschriften sind, die die Formel1 uninteressant machen?
vollzeitpoltiker 03.04.2016
2. Umsetzung, Reifen
Ganz schlecht ist das neue System nicht, gebt den Teams einfach einen neuen Satz Reifen für den Samstag und dann müssen alle fahren und jede Runde fliegt der langsamste raus Da in der ersten Runde jeder mal einen Bock bauen könnte, kann jeder schon ganz am Anfang rausfliegen und da die Strecke und die Autos (müssen Vollgetankt sein, Reifen dürfen nicht zu stark abnutzen) immer besser werden, muss jeder Fahrer immer wieder alles geben
Lügenimperium 03.04.2016
3. Nicht nur kein Auto auf der Strecke
Es waren in den letzten Minuten nicht nur keine Autos auf der Strecke, es hat auch schlichtweg niemand die Chance noch auf die vorderen Plätze zu fahren. So werden immer dieselben am Ende vorne sein und Spannung, dass z.B. mal ein Underdog die Pole klaut, wurde damit abgeschafft. Seit Jahren schlafe ich bei den Rennen ein und das liegt nicht am Alter - ich schaue die Formel 1 schon seit über 20 Jahren und bei MotoGP keine Spur von Müdigkeit. Aber gestern das erste Mal bei einer Quali eingeschlafen. Ich freue mich schon auf das Rennen nachher, ein Stündchen verspäteten Mittagsschlaf sollte man nicht unterschätzen.
fgeiger 03.04.2016
4.
Zitat von LügenimperiumEs waren in den letzten Minuten nicht nur keine Autos auf der Strecke, es hat auch schlichtweg niemand die Chance noch auf die vorderen Plätze zu fahren. So werden immer dieselben am Ende vorne sein und Spannung, dass z.B. mal ein Underdog die Pole klaut, wurde damit abgeschafft. Seit Jahren schlafe ich bei den Rennen ein und das liegt nicht am Alter - ich schaue die Formel 1 schon seit über 20 Jahren und bei MotoGP keine Spur von Müdigkeit. Aber gestern das erste Mal bei einer Quali eingeschlafen. Ich freue mich schon auf das Rennen nachher, ein Stündchen verspäteten Mittagsschlaf sollte man nicht unterschätzen.
Immer diese dämlichen Vergleiche mit der MotoGP....bei nicht mal der Hälfte Fahrzeit im Vergleich zur Formel 1 muss man auch ziemlich müde sein um rechtzeitig einzuschlafen. Oder die noch dümmlicheren Vergleiche zur LMP-Serie.....
Peter Eckes 03.04.2016
5. .
Einzelzeitfahren fänd ich gut. Aber bitte nicht TOP 4, sondern alle mann. Da würde man mal jeden Fahrer und jedes Auto ausführlich sehen, es wäre immer jemand auf der Strecke, man könnte problemlos die Werbung unterbringen. Die Fahrer könnten sich nicht gegenseitig blockieren und die Teams könnten die Fahrer nicht zum falschen Zeitpunkt rausschicken. Das perfekte Format. Und um das Wetterrisiko zu minimieren könnte man das selbe am Freitag gleich nochmal abhalten. Gab es anno dünnemals zu Sennas und Schumachers Zeiten auch schon mal. (Also Quali Fr und Sa) Aber für die F1-Bosse ist das wahrscheinlich nicht konmpliziert genug. Das müssen noch irgendwelche Reifeneinschränkungen, Turboboostknöpfe und eine komplizierte Zeitregelung her.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.